11. Oktober 2017, 05:00 Uhr

Spieletest

Zu Besuch bei Pegasus: Ein Tag als Spieltester

Beim Pegasus-Pressetag hat Volontärin Valerie Pfitzner eine der Neuheiten des Friedberger Spieleverlags getestet und festgestellt: Man braucht Köpfchen und ein Pokerface.
11. Oktober 2017, 05:00 Uhr
Sicheres Auftreten bei vollkommener Ahnungslosigkeit – oder doch ein »Pokerface«? Mein Mitspieler Amrit Thukral, Redakteur bei Games Unit, hat jedenfalls schon vor mir einen Rubin einheimsen können. (Fotos: nic)

Das Spiel

Es ist schon eine kleine Sensation: Das Spiel, das ich teste,  ist noch gar nicht auf dem Markt. »Istanbul – Das Würfelspiel« wird erst Ende Oktober zur Messe »Spiel« in Essen veröffentlicht. Der große Bruder, das Brettspiel »Istanbul« wurde 2014 mit dem Titel »Kennerspiel des Jahres« ausgezeichnet. 2015 und 2016 sind zwei Erweiterungen erschienen, nun also das Würfelspiel. Genau wie das Brettspiel ist die Würfelvariante ein Familienspiel, das für Kinder ab acht Jahren geeignet ist. Auch die Kulisse ist die Gleiche: Die Spieler bewegen sich auf einem Basar in der türkischen Stadt. Dort müssen sie versuchen, die besten Geschäfte zu machen, um an Rubine zu kommen. Was anders ist: Das Würfelspiel soll leichter zu lernen und schneller zu spielen sein.

Der Coach

Anleitung lesen muss ich heute keine, meine Mitspieler und ich haben das Glück, die Regeln von André Bronswijk erklärt zu bekommen. Der internationale Produktmanager ist bei Pegasus normalerweise dafür zuständig, die Spiele des Friedberger Verlags im Ausland an den Mann zu bringen. Da braucht man Geduld. Gut so: Die wird er heute auch bei mir brauchen.

+++ Deswegen wird es eng in den Pegasus-Regalen +++

Das Material

Im Fokus stehen – wer hätte es gedacht – die Würfel. Dazu gibt es Geld in Form von Pappmünzen, Warenplättchen mit Obst, Gewürzen, Tüchern oder Schmuck darauf und Edelsteine in rot und weiß. Besonders gut gefallen mir die liebevolle Gestaltung der Einzelteile und die bunte, detailreiche Aufmachung des Spielplans.

 
Fotostrecke: Ein Tag als Spieletester bei Pegasus

Der Ablauf

Ich brauche ein wenig Starthilfe. Dass ich pro Runde einmal würfeln und zwei Spielzüge machen darf, habe ich verstanden. Aber welche Kombination steht nochmal wofür? Und was bringt mir das? Die Regeln sind zwar nicht allzu kompliziert, aber es sind nicht wenige. Die Pegasus-Redakteure haben zwar an Spieler wie mich gedacht und eine kleine Übersichtskarte mit möglichen Spielzügen erstellt, aber auch die Bedeutung dieser Symbole muss man sich erstmal merken. Zum Glück sind sowohl Coach Bronswijk als auch meine beiden Mitspieler hilfsbereit. Geduldig erklären sie mir, was ich tun kann. Ziel ist es, als erster sechs Rubine zu besitzen. »Typisch Frau, das hat se’ sich gemerkt«, spricht es aus den Blicken meiner Konkurrenten. Doch dann: Mein Sitznachbar heimst den ersten roten Stein ein. Halt, stop! Wie konnte das passieren?

Mein Ehrgeiz ist geweckt, jetzt will ich auch einen. Ich beginne meine Spielzüge zu planen. Muss ich auch, denn bei »Istanbul« ist vor allem eins wichtig: Taktik. Spätestens nach den ersten zwei oder drei Runden sollte man kapiert haben, dass man a gemacht haben muss, um b zu ermöglichen, damit man c kriegen kann. Sonst geht es einem wie mir: Man hat Geld ohne Ende vor sich liegen, aber keinen einzigen Rubin. Auch die Spielzüge der anderen muss man im Blick behalten, weil sie die eigenen durchaus beeinflussen können. Das macht das Spiel aber umso interessanter: Auch wenn die anderen an der Reihe sind, muss man mitdenken. Damit man davon profitieren kann, lohnt es sich, zur Vorbereitung vor dem Spiegel ein »Pokerface« zu üben. Sonst macht man seine Konkurrenten nämlich ausversehen auf Fehler aufmerksam und vergibt damit die Chance auf einen schnellen Sieg.

Fazit

Wie bei den meisten etwas anspruchsvolleren Gesellschaftsspielen braucht man auch bei »Istanbul – Das Würfelspiel« zu Beginn ein wenig Geduld. Wer keine Muße hat, sich mit einer Reihe von Spielregeln auseinanderzusetzen, für den ist das Spiel nicht das Richtige. Entscheidet man sich aber dazu, wird man belohnt: Das Würfelspiel ist spannend, abwechslungsreich, weil jede Runde anders ist, und macht Spaß (besonders dann, wenn man Rubine einheimst). Das strategische Denken wird gefördert und genaues Beobachten geschult. Mein Fazit lautet: »Istanbul – Das Würfelspiel« ist ein tolles Familienspiel, für das es Köpfchen braucht. Ob es daher tatsächlich bereits für Achtjährige geeignet ist, weiß ich nicht. Für einen abwechslungsreichen, kurzweiligen Spieleabend ist es aber so oder so genau das Richtige.
 

Info

Von der Idee zum Brettspiel

Hauptberufliche Spieleautoren gibt es wenige. Meistens haben Menschen mit einem ganz anderen Job irgendwann eine Idee zu einem Spiel. »Damit kommen sie zu uns und wir entscheiden, ob das Spiel zu uns passen würde«, erklärt Pegasus-Marketingchef Peter Berneiser. Wenn ja, wird dem Autor ein verantwortlicher Redakteur zugeteilt: »Die beiden stehen dann in enger Kommunikation.« Wenn der grobe Fahrplan steht, wird ein Illustrator gesucht: »Wir arbeiten mit freiberuflichen Illustratoren, weil der Stil der Zeichnungen genau zum Inhalt des Spiels passen muss.« Eine wichtige Frage, die sich anschließend stellt: »In welche Schachtel das Spiel kommt. Das ist auch entscheidend für den Endpreis.« Produziert wird hauptsächlich bei Ludo Fact in Bayern und Ass-Altenburger in Sachsen, in Friedberg werden die fertigen Spiele gelagert. Doch das kann dauern, sagt Berneiser: »Von der Idee bis zum fertigen Spiel können zwei bis drei Jahre vergehen.«

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