27. August 2018, 08:00 Uhr

Autobahnpolizei

Ziel: Unfälle mit elektronischem System vermeiden

74 schwarze Quadrate auf der Karte stehen für 74 tödliche Unfälle seit 2006 auf A 45 oder A 5. Seit zwölf Jahren erfasst die Butzbacher Autobahnpolizei jeden Unfall elektronisch.
27. August 2018, 08:00 Uhr
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Von Laura Kaufmann , 1 Kommentar
Einige Klicks, und Sachbearbeiter Norbert Duch bekommt jede Menge Zahlen geliefert. (Foto: nic)

In den letzten Jahren starben in Mittelhessen mehr Menschen auf der A 5 als auf der A 45. Das zeigt das Computerprogramm EUSka Verkehrssachbearbeiter Norbert Duch mit einem Klick an. Duch ist Oberkommissar bei der Autobahnpolizei Butzbach, er beschäftigt sich täglich mit EUSka.

EUSka, das ist die Abkürzung für das Programm »Elektronische Unfalltypen Steckkarte«, mit der die hessische Polizei seit Januar 2006 arbeitet. »Früher wurden Unfälle mit einer kleinen Stecknadel auf einer Landkarte markiert«, erinnert sich Gerold Reitz, Chef der Butzbacher Autobahnstation.

Die Zeiten sind längst vorbei. Alle 34 121 Unfälle, die sich seit EUSka-Einführung im Bereich der Autobahnpolizeistation Mittelhessen ereignet haben, sind jetzt elektronisch erfasst. »Wir können uns jeden einzelnen ansehen und Rückschlüsse ziehen. Etwa zur Unfallursache«, sagt Oberkommissar Duch.

Wo sich Unfälle häufen

EUSka zeigt auch Bereiche, in denen sich Unfälle häufen. Einer davon liegt laut Reitz auf der A 5 in der langgezogenen Linkskurve vom Gambacher Kreuz kommend vor der Anschlussstelle Butzbach. »Es ist im Gespräch, die Autobahnauffahrt an diese Stelle zu verlegen, darüber würden wir uns aber nicht freuen. Dort gibt es schon genug Unfälle«, sagt der 59-jährige Stationschef. Weitere Abschnitte in Mittelhessen, auf denen es häufig kracht: »Bei Herborn und Wetzlar auf der A 45, außerdem rund um Gießen, und auf der A 5 am Gambacher Kreuz«, sagt Reitz. Zudem sei der gesamte Bereich der A5, der durch die Wetterau führt, betroffen.

Neben Unfallort, -tag und -ursache ist zu jedem Unglück vermerkt, wie das Wetter war, ob Drogen im Spiel waren, das Geburtsdatum des Fahrers und mehr. Der Name des Fahrers aber nicht. »Datenschutz«, erklärt Reitz. Zeigt EUSka, dass sich auf einem Streckenabschnitt Wildunfälle häufen, reagiert die Polizei. »Dann bitten wir die Verkehrsbehörde, einen Wildzaun aufzustellen oder den vorhandenen zu kontrollieren.«

Viele Wildunfälle

Reitz erinnert sich: Vor einiger Zeit krachte es an der Anschlussstelle Lützellinden immer wieder auf gerader Strecke. »Da haben wir zusammen mit Hessen Mobil eine Griffigkeitsuntersuchung veranlasst und festgestellt, dass die Fahrbahn zu rutschig ist.« Es wurde nachgebessert.

Einige Klicks, und Sachbearbeiter Duch weiß: Auf den mittelhessischen Autobahnabschnitten gab es in den vergangenen zwölf Jahren 2670 Wildunfälle. 2018 waren es bislang 116, davon 48 alleine im Wetterauer Bereich. »Das ist viel, denn der Anteil der beiden Autobahnen, der durch die Wetterau führt, liegt nur bei 26 Prozent«, kommentiert Reitz.

Duch, der regelmäßig überprüft, ob die Unfälle richtig angelegt sind, nimmt auch die statistischen Auswertungen vor. Mit Listen geht es einmal pro Jahr zu Hessen Mobil. »Wir führen Gespräche, schlagen konkrete Maßnahmen vor, wo etwas verbessert werden könnte, etwa eine Leitplanke helfen könnte.« Ob die Vorschläge der Polizei umgesetzt werden, entscheide allerdings einzig und allein die Verkehrsbehörde.

 

Infobox

79 Tote, 347 Schwerverletzte

Zwischen 2006 und 2017 ereigneten sich auf der A 45 und der A 5 im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Mittelhessen 32 531 Unfälle, 9733 davon in der Wetterau. 74 Unfälle endeten tödlich, 79 Menschen starben, in der Wetterau waren es 24 Tote bei insgesamt 23 tödlichen Unfällen. Zudem wurden zwischen 2006 und vergangenem Jahr 1079 Menschen bei Unfällen schwer verletzt, davon 347 im Bereich der Wetterauer Autobahnen. 7967 der 9733 Unfälle im Wetteraukreis haben sich auf der A 5 ereignet, rund um die Anschlussstelle Rosbach krachte es 3828 Mal, rund um Butzbach 2981 Mal. (lk)

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