09. Januar 2019, 14:00 Uhr

Fastnachtsausstellung

Zeitreise durchs närrische Mörlau

Die beiden karnevalistischen Urgesteine Alfons König und Manfred Seipel gehen im Schlosskeller auf eine närrische Zeitreise. Unter den Ausstellungsstücken sind auch Masken von Albert Recht.
09. Januar 2019, 14:00 Uhr
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Von Annette Hausmanns
»Neujahrsempfang« an der frisch bestückten Schlossvitrine mit (v. l.) Alfons König, Bürgermeisterin Kristina Paulenz, Albert Recht und Manfred Seipel. (Fotos: hau)

Mit einem fliegenden Wechsel ist der Schlosskeller ins neue Jahr gestartet: Zum Dreikönigstag am 6. Januar wich die Märchenausstellung von Gabi Zimmer-Rüfer (die WZ berichtete) jetzt der 18. Gemeinschaftsschau zweier karnevalistischer Urgesteine von Mörlau. MCC-Ehrenpräsident Alfons König und KG-Ehrenvorsitzender Manfred Seipel gehen diesmal auf eindrucksvolle Zeitreise durch das närrische Brauchtum in Ober-Mörlen. Maskenschnitzer Albert Recht, »Vater der Wintersteingeister«, rundet die Ausstellung in der Schlossvitrine mit Krampusmasken und XXS-Geistern ab.

Begeistert vom Querschnitt durch die 260-jährige Geschichte der Mirler Fassenacht zeigte sich beim Blick in die Vitrine Bürgermeisterin Kristina Paulenz. Die Rathauschefin lobte das Engagement der leidenschaftlichen Fassenachter mit ihren schier unerschöpflichen Archiven. Wochenlang hatten Seipel und König Höhepunkte aus der närrischen Brauchtumsgeschichte zusammengetragen, historische und neue Fotos ebenso wie Textdokumente. »Jedes Jahr ein neues Thema«, ist ihr Anspruch.

 

Verbotene Freudenfeste abgehalten

Ausgehend vom berühmten Bild der »närrischen Schlittenfahrt« aus dem Jahr 1753 wählten die beiden »wandelnden Ortsgedächtnisse« Meilensteine aus den vergangenen gut 100 Jahren aus. An jeder der 24 Stationen erwarten den Betrachter farbenprächtige und informative Einblicke. Den Beginn macht ein Rückblick ins Jahr 1911/12 mit der Gründung eines ersten karnevalistischen Vereins in der neu eröffneten Gastwirtschaft »Zum schiefen Eck« (später »Zum Taunus«) in der Nauheimer Straße 12. Der Verein überdauerte lediglich zwei Jahre.

Weiter geht die Zeitreise mit ersten Fotos von Narrengruppen aus dem Jahr 1923. Sie zeigen den Widerstandswillen der Mirler Narren: Sie setzten sich über das deutschlandweite Verbot von Freudenfesten hinweg und bevölkerten ab dem Fastnachtssonntag die Dorfstraßen.

Aus dem Jahr 1926 stammt die erste Kreppelzeitung, erstellt vom Turnverein »Fortuna«, der damals auch die erste Fastnachtssitzung in Ober-Mörlen ausrichtete. Bilder vom Fastnachtszug 1949, von den Vereinsgründungen der KG Mörlau (1948/49) und des MCC (1956), vom Ritual der Fastnachtserweckung aus der Usa seit 1951 und von der ersten Kindersitzung 1964 leiten über zur Gründung der Fanfarenzüge von MCC (1967) und KG (1970), der Zeltfassenacht in den 1970ern, Sitzungen beider Vereine in der neuen Usatalhalle ab 1976 und der Einweihung der Fastnachtsplastiken von KG (Narrenschiff) und MCC (Till Eulenspiegel) im Jahr 1998. Näher betrachtet werden Maskenbälle, die Feier der drei tollen Tag in Mörlau und das für die Fastnachtshochburg spezifische Maskentreiben.

 

Krampusgestalten im Kleinformat

Die Krampusmasken von Albert »Abi« Recht gehören zwar ursprünglich weiter in den Süden, haben sich in Mörlau aber seit 2005 etabliert, als zehn »Wintersteingeister« sie erstmals beim närrischen Lindwurm durchs Dorf trugen. Mittlerweile sind es rund 30 dieser imposanten Gestalten, die aus dem Umzug nicht mehr wegzudenken sind. Eine neue große Krampusmaske ist im linken Teil der Schlossvitrine ebenso zu bestaunen wie die rund 30 Zentimeter kleinen Krampusgestalten im maßgeschneiderten Fellanzug, die Recht jetzt ganz neu geschaffen hat.

Seine Leidenschaft für die Krampusmasken entdeckte der Vollblut-Schnitzer übrigens als erster Deutscher überhaupt in einer renommierten österreichischen Schnitzschule im schönen Tiroler Lechtal.



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