23. Juni 2017, 20:34 Uhr

Zeichen der Hoffnung

23. Juni 2017, 20:34 Uhr
GRE
Zum Finale kommen die Mitwirkenden auf der Bühne zusammen. (Foto: gre)

Die 35. Folge der literarisch-musikalischen Reihe »Jazz & Texte« in der Wilhelmskirche hatte Zeichen der Hoffnung in dunklen Zeiten zum Thema. Das Zitat des deutschen Lyrikers Friedrich Hölderlin: »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch« bildete das Leitmotiv. Ernste und heitere Texte, gesprochen von Pfarrer Dr. Ulrich Becke, Constanze Cymmek, Marie Cymmek und Hermann Römer und musikalisch einfühlsam begleitet vom Trio Pianoplus (Evelyn Fay, Shanaka Perera und Ronald Faust).

Wie eine vermeintlich ausweglose Situation sich zum Guten wenden kann, wurde am Schicksal Florestans aus Beethovens Oper Fidelio deutlich. Im Moment größter Gefahr kündigt sich Rettung an. Die Hoffnung war nicht vergeblich.

Betrachte man heutzutage die Nachrichten, möchte man am liebsten wegschauen. Aber das sei keine Option, da zu viel für uns auf dem Spiel stünde. Es könne und dürfe nicht sein, dass unser gesamtes, durch die Aufklärung begründetes Bild von einer Gesellschaft, deren Wertesystem vom Gedanken der Mitmenschlichkeit getragen ist, im Strudel von Egoismus, Habgier und Machthunger untergehe. Über 6000 Jahre Menschheitsgeschichte, 6000-jähriges Bemühen, aus der Barbarei zu zivilisierten, an kulturellen Werten orientierten Lebensformen zu gelangen, dürfe nicht vergebens sein.

Niemand sei ganz und gar machtlos, solange eine gemeinsame Hoffnung uns trage. Und die werde nicht sterben, denn die Übel dieser Welt seien von Menschen gemacht, und Menschen könnten etwas ändern. Was heute unmöglich erscheine, könne schon morgen Wirklichkeit werden.

Als Beispiel wurde die Situation in Nordirland im Jahre 1976 herangezogen, eine Zeit, in der eine Kakophonie des Hasses stattfand. Jeden Tag schlimmere Nachrichten aus Belfast und Londonderry, die man kaum noch ertragen konnte und wollte. Heute sei wieder Frieden in Belfast — so der Tenor der Vortragenden.

Es gäbe immer Menschen, die sich mutig entgegenstellten, und solange es solche Menschen gäbe, sei die Hoffnung nicht verloren. Beispielsweise die mutige junge Malala Yusafzai, deren Geschichte um die Welt ging. Am 9. Oktober 2012 schoss ein Talibankämpfer der damals 15-jährigen Pakistanerin in den Kopf als Bestrafung dafür, dass sie sich in ihrer Heimat für Bildung von Mädchen und Frauen eingesetzt hatte. Sie überlebt, erholt sich von dem Anschlag und kämpft weiter. Diverse Friedenspreise wurden ihr verliehen, 2014 auch der Friedensnobelpreis. Sie sagte unter anderem in ihrer Rede: »Ich hatte zwei Optionen. Die eine war, zu schweigen und darauf zu warten, getötet zu werden. Und die zweite war, die Stimme zu erheben und dann getötet zu werden. Ich habe mich für die zweite entschieden«. Auch das Leben von Rupert Neudeck – des im vorigen Jahr verstorbenen Gründers der »Cap Anamur«-Hilfsorganisation – war ein Trompetensignal der Hoffnung. Heute rettet diese Organisation Flüchtlinge aus dem Mittelmeer.

Man solle nicht warten auf »Hilfe von oben« , sondern sich selbst aufmachen, etwas zu tun. Es seien die kleinen Schritte, die auch etwas bewirken könnten, beispielsweise ein Lächeln schenken, Menschen umarmen, sie zum Lachen bringen. Es sei besser, ein kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

Mit kurzen nachdenklich-heiteren Texten und dem Song »Bridge over troubled water« klang die besinnliche Stunde aus.

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