12. April 2017, 18:00 Uhr

»Was fliegt da?«

Wunderwerke im Vogelnest

Ein schöner Osterbrauch ist das Eierfärben, wobei oft Kunstwerke entstehen. Aber auch die Eier vieler Vogelarten sind von einer Kunstfertigkeit, die sich auf Ausstellungen sehen lassen könnte.
12. April 2017, 18:00 Uhr
Die hellen Eier des Rebhuhns sind in Altgras oder Buschwerk versteckt. (Foto: pv)

Derzeit finden sich in Gärten und Parks der Wetterau die Schalen frisch geschlüpfter Eier, und ihre Färbung verrät viel über die zugehörige Vogelart.

Bunt gefärbte oder eindrucksvoll gemusterte Vogeleier sind kein Ausdruck künstlerischer Veranlagung, sondern eine zentrale Überlebensfrage. Vögel, die sonst in wenigen Tagen Hunderte oder Tausende Kilometer weit fliegen und jedem Feind mit wenigen Flügelschlägen ausweichen können, binden sich mit der Eiablage für mehrere Wochen fest an einen Ort. Und Vogeleier sind »Energiebomben«, die bei vielen anderen Tierarten gerne auf dem Speiseplan stehen.

Um diese kritischste Phase im Leben der Vögel zu meistern, haben sich zahllose Anpassungen entwickelt. So zimmern Spechte wochenlang mit großer Anstrengung ihre Bruthöhlen, Eisvögel und Uferschwalben graben meterlange Tunnel in steile Flussufer, Elstern bauen wahre Nestburgen mit Dach und kleinem Einschlupf.

Aber auch ein anderer Weg ist möglich: Kiebitze, Regenpfeifer und Seeschwalben bauen keine Nester, sondern legen ihre getarnten Eier in kleine Mulden am Boden. Werden diese trotz Tarnfarbe von Feinden entdeckt, können solche Arten binnen Kurzem bis zu fünf Nachgelege produzieren, auch, weil sie die kostbare Zeit für einen aufwendigen Nestbau sparen.

Farbe und Zeichnung der Eier stehen daher mit der Nistweise der Vogelarten in engem Zusammenhang. Während offen am Boden brütende Vögel perfekte Tarnfarben entwickelt haben, sind die Eier der Höhlenbrüter meist leuchtend weiß – im Dunkel der Höhlen sind keine Farben erkennbar und eine Tarnung daher nicht notwendig. Versteckt am Boden brütende Arten wie Stockente, Rebhuhn oder Fasan legen hellbeige gefärbte Eier, die sie beim Verlassen des Geleges mit Nestmaterial zudecken und sie so unsichtbar machen. Im Halbdunkel von dichten Gebüschen und Unterholz, aber auch Halbhöhen haben sich die bläulich schimmernden Eier von Singdrossel, Heckenbraunelle oder Gartenrotschwanz bewährt. Und die Vielzahl der in Buschwerk oder Röhricht im Spiel von Licht und Schatten brütenden Finken, Grasmücken und Rohrsänger zeigen durch helle Eier mit dunklen Flecken, Punkten und Kritzeln ebenfalls eine optimale Anpassung an ihren Lebensraum. Jedes Ei ein kleines Wunderwerk! Stefan Stübing

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