25. September 2019, 14:00 Uhr

Tragischer Schicksalsschlag

Wölfersheim: Chrissi Steube kämpft gegen den Krebs

Chrissi Steube hat Krebs. Die Krankheit schränkt den 33-jährigen Familienvater zunehmend ein. Doch der Södeler steht nicht alleine da. Seine Handball-Freunde haben ihm vor Kurzem eine besondere Freude gemacht.
25. September 2019, 14:00 Uhr
Thomas Roth überreicht im Namen des TSV Södel den Scheck an Chrissi Steube. Dass das E-Bike schon um die Ecke wartet, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Chrissi Steube sitzt am Esstisch. Auf seinem Kopf kleben Elektroden. Dicke Kabel führen zu einem kleinen Rucksack, der neben ihm auf dem Boden steht. Der Södeler testet eine neue Therapiemethode. Der Wechselstrom soll das Zellwachstum aufhalten. Denn der 33-Jährige hat Krebs. Im Frühjahr wurde bei ihm ein Hirntumor entdeckt.

Steube erinnert sich noch, als wäre es gestern gewesen. Es ist ein Montag im April dieses Jahres. Steube steht früh auf. Tochter Amelie und Ehefrau Tamara schlafen noch. Er muss zur Arbeit. Doch irgendetwas ist anders. Sein rechter Fuß ist taub. Steube hat am Wochenende Handball gespielt, vermutet, dass ein Nerv eingeklemmt ist. Beim Treppenlaufen knickt sein rechtes Bein komplett weg. Steube weckt Frau und Kind und macht sich auf den Weg zum Hausarzt. Der Verdacht: Bandscheibenvorfall. Vom Hausarzt geht es zum Orthopäden, dann zum Neurologen. Der stellt fest: Steube hat in der gesamten rechten Körperhälfte weniger Gefühl.

Die Diagnose bleibt kein Geheimnis

Es wird ein MRT organisiert. Das Ergebnis ist ein Schock: Die Bilder zeigen einen Hirntumor. Chrissi Steube hat Krebs. Die Ärzte gehen davon aus, dass er gutartig ist. »Das war schon eine schlimme Situation, doch wir hatten die Hoffnung, dass ich wieder gesund werden kann«, sagt Steube. Während er erzählt, fallen ihm manche Wörter nicht ein. Eines der vielen Symptome des Krebses.

Im Mai wird Steube der Tumor entfernt. Als die vorläufigen Ergebnisse da sind, fährt er wieder in die Klinik. Die Ärzte haben keine guten Nachrichten: Der Krebs ist bösartig. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Ehefrau Tamara kann das nicht glauben. Sie will selbst noch einmal mit den Ärzten sprechen. Bei ihrem Termin im Krankenhaus bekommt sie das endgültige Ergebnis: Der Krebs ist unheilbar.

Die Diagnose hat das Leben der kleinen Familie auf den Kopf gestellt. Doch sie gehen offen damit um. »Es hat keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden«, sagt Steube. »Jeder wusste ja, dass mit mir etwas nicht stimmt.«

Seit seiner Kindheit ist Steube beim TSV Södel aktiv. Mit dem Vorsitzenden, Thomas Roth, ist er seit vielen Jahren befreundet. Auch für ihn war die Diagnose ein Schock. »Wir Handballer sind eigentlich immer schlagfertig, doch in dem Moment habe ich mich wie ohnmächtig gefühlt.«

Chrissi Steube: »In solchen Situationen merkt man, wer zu einem steht«

Als Steube ihm dann erzählt, dass er überlege, sein Auto zu verkaufen und ihm auch das Fahrradfahren schwerer falle, will Roth helfen. Steube wünscht sich ein E-Bike, um trotz der Erkrankung noch mobil zu sein. Kurzerhand startet Roth einen Spendenaufruf unter Vereinskollegen und Freunden. »Der Sport ist mehr als das Training, wir sind eine Gemeinschaft und wollen Chrissi zeigen, dass er nicht alleine ist«, sagt Roth. Innerhalb weniger Tage kommen über 2000 Euro zusammen. »Die Unterstützung ist überwältigend«, sagt Roth. Ein Fahrrad-händler aus Würzburg schaltet sich ein und macht dem Verein ein gutes Angebot. »Die Mitarbeiter dort haben in kürzester Zeit alles für uns möglich gemacht.« Sogar einen passenden Kindersitz gibt es obendrauf.

Steube ahnt von alledem nichts. Umso größer ist seine Überraschung, als Roth ihn während des Handballgottesdienstes in der Södeler Sporthalle Anfang September aus dem Publikum zu sich ruft. Als das Fahrrad in die Halle geschoben wird, laufen die Tränen. »Ich habe absolut nicht damit gerechnet und mich unglaublich gefreut«, sagt Steube. »In solchen Situationen merkt man, wer zu einem steht.«

Denn nicht alle können so gut damit umgehen. Dabei sind Freunde und Familie für Steube gerade jetzt sehr wichtig. »Ich werde ständig an meine Krankheit erinnert. Da wünsche ich mir umso mehr, einfach mal wieder mit einem Kumpel ein Bier trinken zu gehen, so als wäre nichts.« Er will nicht nur bemitleidet werden.

Zur Ablenkung trägt auch die dreijährige Amelie bei. Für sie kämpft Steube. »Ich will meine Tochter aufwachsen sehen«, sagt er. Deshalb soll der Alltag möglichst normal weitergehen. Steube unterstützt beim Tormann-Training und sitzt am Wochenende so oft es geht in der Halle, um seinen Verein anzufeuern.

Seit Juni bekommt er Bestrahlung und Chemotherapie. Bisher ist kein neuer Tumor gewachsen. Die Familie und der ganze Verein drücken die Daumen, dass das auch so bleibt. Die erste Tour mit dem E-Bike haben Vater und Tochter auch schon absolviert - und es werden hoffentlich noch viele weitere folgen.

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