08. Mai 2019, 19:36 Uhr

Wo viele Bürger mitanpacken

08. Mai 2019, 19:36 Uhr
Früher Kino, heute Kaffee: Die Privatrösterei von Sandra Philipp ist ein Beispiel dafür, wie Ortsinnenentwicklung gelingen kann, loben Bürgermeister Hans-Peter Seum (2. v. l.) und die Wirtschaftsförderer Klaus Karger (l.) und Bernd-Uwe Domes. (Foto: wfg)

Um einen Ort voranzubringen, braucht es nicht zwingend Neubauten. Wie Innenentwicklung funktionieren kann, zeigt sich in Nidda - in der Kernstadt, aber auch in den Stadtteilen. Bürgermeister Hans-Peter Seum hat das Thema zur Chefsache gemacht und kann dabei auf die Unterstützung der Wirtschaftsförderer Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger zählen.

Dadurch ist zum Beispiel Bad Salzhausen zu neuem Leben erwacht. »Wir haben einen Masterplan erarbeitet«, erinnert Seum. Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, ergänzt: »Dadurch macht ein Ort deutlich: Wir wissen, wo wir stehen, wo wir hinwollen und was uns ausmacht. Das ist ein konkreter Orientierungsrahmen für jedwede Handlung und Entscheidung.«

Das wüssten auch Investoren zu schätzen, berichtet Seum. Und erzählt von einem Domino-Effekt: In Bad Salzhausen hat Hans-Jürgen Eckhardt etwas ausgelöst. Er hat das Kurhaushotel auf Vordermann gebracht. Seine Investitionen haben bald weitere ausgelöst - und ein Ende ist nicht in Sicht. »Solche privaten Investitionen sind entscheidend für die Entwicklung eines Ortes - viel mehr als Fördergelder«, betont Karger, ebenfalls Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung.

»Die Stadt investiert auch«, sagt Seum und nennt das Gradierwerk, das mit LEADER-Mitteln neu aufgebaut wird. Sein Fazit: Bad Salzhausen sei auf dem besten Weg, sich als gesundheitstouristischer Ort zu etablieren, in dem es sich außerdem gut leben lässt.

Ebenso optimistisch schaut der Bürgermeister auf die anderen Stadtteile. Einen Schub nach vorne gab es auch hier durch eine Strategie - entwickelt im Forschungsprojekt »Kommune innovativ - Dorf und Du«, an dem die Stadt Nidda als eine von drei Modellkommunen, neben Ortenberg und Butzbach, teilgenommen hat. »Das bedeutete viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt«, macht Seum deutlich. Das von der Wirtschaftsförderung initiierte Projekt habe die Bürger mobilisiert, sich einzubringen. »Das hat sie näher zusammengebracht«, sagt Seum.

Als Beispiele nennt er unter anderem Eichelsdorf, wo die Bürger die Pflege ihres Parks übernehmen, Ulfa, wo die Menschen sich um die Nachbesetzung der Arztpraxis kümmern, Stornfels, wo sie das Backhaus wieder aktivieren, Ober-Lais, wo der Grillplatz nun wieder betreut ist, Wallernhausen, wo die Bürger sich des Freibads annehmen, und der Modellstadtteil Ober-Schmitten, wo zusammen mit den Bürgern an solchen Fragen gearbeitet wurde, wie leer stehende Gebäude wiederbelebt werden können, wie sich Hofreiten umnutzen lassen und wie man mit Problem-Immobilien umgeht.

Miteinander statt gegeneinander

Aus den Erkenntnissen der Modellkommunen soll nun eine Regionalstrategie erarbeitet werden, die auch den anderen Kommunen der LEADER-Region helfen soll. Konkrete Ansätze gibt es schon: So soll ein Kompetenznetzwerk Innenentwicklung gegründet werden. Außerdem soll eine Dorfakademie etabliert werden, um Bürger, aber ebenso Mitarbeiter von Kommunalverwaltungen in Sachen Ortsinnenentwicklung zu schulen.

Die Wirtschaftsförderer loben Nidda als Stadt, die sich als offen, entwicklungsorientiert und partnerschaftlich präsentiere. Auch das wirke sich langfristig auf den Wohnungsmarkt und die Wirtschaft günstig aus. Als einen Indikator nennt Domes, dass sich vor allem in der Kernstadt auffallend viele junge Menschen einbrächten und Investoren für die Revitalisierung stadtbildprägender Immobilien gewonnen worden seien. Beste Beispiele: das Lumos-Kino, das Pfleiderer-Gelände, das frühere Amtsgerichtsgebäude - und das ehemalige Kino. Hier betreibt Sandra Philipp mit ihrem Mann Ralf seit Mitte November eine Privatrösterei. Sie schwärmt von dem guten Miteinander unter den Geschäftsleuten: Einige ihrer Kaffeesorten sind außerhalb der Öffnungszeiten in zwei benachbarten Geschäften erhältlich.

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