11. April 2018, 20:02 Uhr

»Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an«

11. April 2018, 20:02 Uhr
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Aus der Redaktion
Spielen mit absoluter Sicherheit: Maria Azova (Violine) und Adi Bar (Flügel). (Foto: pv)

Bad Nauheim (pm). Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an. Dieser Ausspruch des großen Dichters E. T. A. Hoffmann kann als Leitspruch über dieser Sammlung kleiner klingender Juwelen stehen. Im jüngsten Konzert der Kammermusikreihe, die das Amt für Sport und Kultur zusammen mit dem Kulturforum veranstaltet, spielte das Duo Maria Azova (Violine) und Adi Bar (Flügel) Kompositionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, unter anderem von Franz Schubert, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Claude Debussy und Camille Saint-Saëns. Mit dem Begriff »Stimmungen« versuchten die Musiker die Eigenart der dargebotenen Werke zu charakterisieren.

Nur darf man die dem Umfang nach als »Miniaturen« bezeichneten Kompositionen nicht als spielerische musikalische Nebenprodukte ihre Komponisten missverstehen. Maria Azova, Preisträgerin internationaler Violinwettbewerbe und erfolgreiche Solistin, unter anderem mit dem Frankfurter Museumsorchester, und Adi Bar, der als Pianist mit dem Leipziger Gewandhaus musizierte und auch als Dirigent tätig ist, boten ein überzeugendes Zusammenspiel. Sie, indem sie ihrem Instrument in jagenden Läufen und in tiefen wie höchsten Lagen den in ihm steckenden Möglichkeiten meisterhaft gerecht wurde, er, indem er am Flügel zwischen begleitenden und führenden Rollen sensibel zu wechseln verstand.

Franz Schubert erweitert im Andante seiner Sonatine D-Dur die klassische Sonatenform durch liedhafte Partien der Geige und einen deutlich akzentuierten Schritt-Rhythmus des Klaviers. Das anschließende Allegro dagegen lässt an ausgelassen spielende Kinder denken. Jahrzehnte später sprengt Claude Debussy die klassische Form der Sonate, indem er den Motiven keine Zeit lässt, sich organisch zu entwickeln. Diese wechselnden Stimmungen untermalt der Flügel mit vibrierenden dunklen Tönen, später mit wogend dahinfließenden Folgen. Auch bei den Walzer-Kompositionen von Tschaikowski und Debussy wird klar, dass diese Meister die traditionelle Bindung an musikalische Themen und Rhythmen lockern oder durchbrechen wollen. Ein Abend im Saal mit weniger bekannten Kompositionen, von den Musizierenden dargeboten mit einer Sicherheit, als könne es gar nicht anders sein.



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