Beim Konzert der »Verzauberwelt Baidergasse« mit dem Berliner Harfenisten Thomas Siener verschmolzen unter dem Dach von »Hannis Weinkontor« in der Baidergasse nicht nur Musik, Dichtkunst und Malerei (letztere aus der Hand von Hausherrin Johanna Siener-Blöcher) zu einer wohltuenden Einheit. Auch die Geschichte des über 300 Jahre alten Fachwerkhauses ließ die Gäste eintauchen in eine Welt voller Gefühle und Fantasie, die bei Kerzenschein und einem guten Tropfen Wein die Hektik des Alltags vergessen ließ.

Balladen von Goethe, Freiherr von Eichendorff, C.F. Meyer oder Otto Ernst verwoben sich im Wechsel mit den Klängen der Harfe zu einem harmonischen Ganzen. Sehr berührend trug Siener die meist bekannten Balladen vor und hauchte ihnen Leben ein. »Die Musik habe ich danach ausgesucht, ob sie von ihrer Stimmung her zu dem Gesagten passt«, erklärte er. Ob es sich dabei um einen berühmten oder um einen weniger bekannten Komponisten handelte, habe eine untergeordnete Rolle gespielt. »Wichtig war, dass die Harfe in ihrer Vielseitigkeit zum Tragen kam und die Musik die Einzigartigkeit dieses Instruments unterstrich.« So entlockte der Künstler seiner Konzertharfe eine Vielzahl von Klängen, die mal an das Säuseln des Windes in den Bäumen, und mal an das Gluckern eines Bächleins in der freien Natur erinnerten. Ob sanft oder geschmeidig, ob brausend und überschäumend, oder von klarer Dominanz geprägt - die Klänge entfalteten sich in ihrer ganzen Bandbreite, die diesem Instrument innewohnt. Die Frage »Wo ist der Prinz aus Schwanensee?«, die dem Konzert ihren Titel gab, bekam eine musikalische Antwort: Er ist dort, wo die Fantasie wohnt und die Gedanken ihren freien Lauf haben.

Der Ort unter dem Dach des Hauses Baidergasse 11 bot das passende Ambiente für diese Stimmungen. Man könnte den markanten Bau in der Altstadt von Ober-Rosbach auch als Kulturdenkmal bezeichnen, erläutert der heutige Besitzer Gottfried Blöcher.

Wohlhabende Besitzer

Erstmals erwähnt im Jahr 1702 hat das Haus viele Geschichte(n) mitgeschrieben. Sein Fundament ist ein in den Stein gemauerter Gewölbekeller, in dem heute Blöchers edle Tropfen gelagert werden. Hier trifft man sich gern zu einem Glas, um den Tag »ausklingen« zu lassen oder eine musikalische Weinprobe zu genießen. Seine Aufbauten bestehen aus besonders stabilen Eichenbalken, was auf den Reichtum seines Erbauers Georg Peter Baider hindeutet. Blöcher: »An der Dicke der Balken konnte man erkennen, wie wohlhabend die Besitzer waren.« Die Baidergasse ist eine Nebenstraße der heutigen Homburger Straße, einst die Durchgangsstraße für Handelsleute auf dem Weg von oder nach Frankfurt. Sie fanden in den Gasthäusern Übernachtungsmöglichkeiten und Unterstand für ihre Tiere. In der Baidergasse siedelten sich die reichen Bauern an, die von der Blütezeit Ober-Rosbachs am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit profitierten. Heute bezaubert das Gässlein durch seine teils liebevoll restaurierten Fachwerkbauten und ein besonderes Flair, was erst kürzlich durch die Grundsanierung der Straße zu neuem Leben erwachte. Künstler und Individualisten leben hier Tür an Tür mit den »Einheimischen« - manchmal treffen alle drei Bezeichnungen auf dieselbe Person zu. Straßen- und Weinfeste locken Besucher an und lassen sie teilhaben an einer fast verträumt anmutenden Atmosphäre, die durch Gründung des Vereins »Verzauberwelt« vor über 20 Jahren einen Namen erhielt.

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