27. August 2019, 20:47 Uhr

Wissen, das Früchte trägt

Wie heißt diese kleine gelbe Frucht nochmal? Warum sind Baumstämme unterschiedlich dick? Und: Wachsen in Karben eigentlich auch Bananen? Um Grundschülern Wissen rund um das Biotop Streuobstwiese mit auf den Weg zu geben, hat die IG Streuobst nun zu »Schnuppertagen« eingeladen - und ihren Besuchern dabei eindrucksvoll gezeigt, dass Obst frisch von der Wiese ganz anders schmeckt als jenes aus dem Supermarkt.
27. August 2019, 20:47 Uhr
Eckhard Neitzel kontrolliert die Blätter am Birnbaum. Den Unterschied zwischen Birnen und Äpfeln erklärt er während der Streuobst-Aktionstage für Grundschüler. Im Foto durften die jungen Besucher beim Erkunden der Obstwiese allerdings nicht festgehalten werden. Schade. (Foto: jkö)

Den Apfel bekommen noch alle hin. Bei der Birne wird es, zumindest bei Sorten ohne die sehr charakteristische Birnenform, schon kniffliger: Könnte das nicht doch auch ein Apfel sein? »Bei Zwetschgen und Quitten hört es dann aber in jedem Fall auf«, sagt Eckhard Neitzel halb lächelnd, halb kopfschüttelnd. »Das bekommen wirklich die allerwenigsten Kinder hin.«

Um das zu ändern, ist der Vize-Vorsitzende der Karbener Interessengemeinschaft (IG) Streuobst an diesem Morgen auf einer Wiese unweit des Waldfriedhofs in Klein-Karben im Einsatz. Mit ihm vor Ort: Streuobstpädagogin Anika Hensel und zwei Kloppenheimer Grundschulklassen mit ihren Lehrkräften. Die nächsten Schüler sind für ihren Besuch bereits auf dem Weg. Die IG hat sie zu den jährlichen »Streuobst-Schnuppertagen« eingeladen.

»Unser Ziel ist es, Wissen rund um die Streuobstwiese zu vermitteln«, erklärt Neitzel. Denn: Streuobstwiesen sind Biotope mit hoher Biodiversität und prägende Landschaftsbestandteile speziell im Rhein-Main-Gebiet, vielen Kindern jedoch erst einmal kein Begriff. »Bei uns lernen sie die verschiedenen Baum- und Obstsorten kennen. Dazu gehört auch, das Obst mal zu probieren und den Unterschied zum Bekannten aus dem Discounter zu schmecken.«

Stämme erkunden

Der Weg zu diesem neuen Wissen ist spielerisch: Auf einer Rallye durch die verschiedenen Bäume lernen die Kinder die verschiedenen Arten kennen: Während die Birne etwa einen stabilen, rauen, geradezu aufgeplatzt wirkenden Stamm hat, wirkt die Zwetschge deutlich weniger robust. Die Dicke des Stamms verrät dabei einiges über das Alter: Hier in Karben treffen die Kinder den ein oder anderen bis zu 80 Jahre alten Baum an. Doch: Welches Obst gehört zu welchem Stamm?

Durch all diese Fragen leitet Hensel, die als Umweltpädagogin im gemeinnützigen Streuobstzentrum MainÄppelHaus am Frankfurter Lohrberg tätig ist und von der IG Streuobst als Referentin gewonnen werden konnte. »Eine Banane kann hier nicht wachsen«, erklärt sie auf die Nachfrage eines Erstklässlers. »Dafür ist es bei uns nicht warm genug.«

Das Vorwissen, das die Kinder mitbringen, ist höchst unterschiedlich: Zwar liege in der Frühstücksbox regelmäßig Obst, erklären die Lehrerinnen.

Nachfrage gestiegen

Aber: »Das Wissen, woher das Obst stammt, geht auch hier in Karben immer mehr verloren«, beobachtet Neitzel. Da gebe es nicht unbedingt einen Unterschied zwischen dem Aufwachsen in der Großstadt oder eher ländlich geprägten Gebieten.

Bei allem fehlenden Wissen: Interesse ist durchaus da, sagt Neitzel, der die Lehr-Vormittage in diesem Jahr betreut. Vor allem für die Kinder mit Migrationshintergrund, die etwa eine Quitte in ihrer Heimat tatsächlich noch nie gesehen haben können, seien die Streuobst-Schnuppertage ein echter Gewinn.

So ist auch die Nachfrage durch die Grundschulen groß: Die IG Streuobst bietet die Tage explizit an, die Karbener Grundschulen können sich daraufhin dann anmelden. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage dabei so deutlich gestiegen, dass in diesem Jahr erstmals ein dritter Vormittag angeboten worden ist: Insgesamt zehn Klassen waren diesmal zu Gast. Am Ende ihrer Ausflugs-Doppelstunde wartet auf die Grundschüler ein »Schatz«: Saft von der Streuobstwiese. »Spätestens beim Saft staunen dann wirklich alle, dass dieser ganz anders schmeckt als der Saft, den man bisher aus dem Supermarkt gekannt hat«, sagt Neitzel. »Wenn nur eines der 30 Kinder am Ende des Schnuppertages weiß, welchen Baum es vor sich hat oder warum eine Streuobstwiese ein wichtiger Ort ist, dann haben wir unser Ziel doch schon erreicht.« Hier werde Wissen vermittelt, das Früchte trägt.

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