04. September 2019, 20:32 Uhr

»Wir sind das Volk!«

04. September 2019, 20:32 Uhr

Am 9. November 2019 jährt sich zum 30. Mal der Fall der Berliner Mauer. Landrat Jan Weckler hat am Dienstag die Ausstellung »Von der friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit« eröffnet.

Vor genau 30 Jahren, am Montag 4. September, entrollten zwei junge Frauen vor der Leipziger Nikolaikirche Banner mit der Aufschrift: »Für ein offenes Land mit freien Menschen«. Kaum waren die beiden jungen Frauen losgelaufen, stürzten sich zwei Stasi-Beamte auf sie und rissen hektisch das Bettlaken herunter. Eine der Frauen hielt an dem Laken fest, fiel zu Boden und wurde mitgeschleift. Die Bilder waren noch am gleichen Abend in der Tagesschau. Es war nicht die letzte Demonstration in Leipzig. Fortan demonstrierten immer mehr Menschen in Leipzig, später auch andernorts und läuteten das Ende der DDR ein.

Aktuell sind zwei Kunstausstellungen im Friedberger Kreishaus zu sehen. Hinzu kommt eine Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Diese Ausstellung wirft Schlaglichter auf die Jahre 1989 und 1990 und erinnert an den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, die Fluchtbewegungen im Sommer und die Massenproteste im Herbst.

Videos per QR-Code

Die Ausstellung umfasst 20 Poster mit insgesamt mehr als 100 zeithistorischen Fotos und Dokumenten. Wer ein Smartphone mit in die Ausstellung nimmt, kann anhand von QR-Codes einen Link öffnen, der zu Videointerviews mit Akteurinnen und Akteuren der friedlichen Revolution in der DDR führt.»Gerade der mitunter wieder auftretenden DDR-Nostalgie und der Sehnsucht nach gesicherten Verhältnissen wird hier ein Spiegel vorgehalten, nämlich die Realität in der späten DDR, die geprägt war durch Wahlfälschung, durch Unzufriedenheit, durch lange Schlangen vor den Geschäften«, sagte Weckler.

Ein Riss in der Mauer entstand mit dem Abbau des Stacheldrahtverhaus an der Ungarisch-Österreichischen Grenze. Erst sind es Hunderte, dann Tausende DDR-Urlauber, die dort einen Weg in den Westen finden.

Im September 1989 sind 6000 Menschen in der Prager Botschaft und warten auf ihre Ausreise bis zu jenem denkwürdigen Abend, als Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Botschaftsflüchtlingen mitteilt: »Ich bin heute gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise...«. Der Rest des Satzes geht unter dem Jubel der Flüchtlinge unter.

Der entscheidende Tag

Wie kritisch die Situation war und wie anders die Geschichte hätte verlaufen können, zeigen die Hintergründe der Montagsdemonstration am 9. Oktober in Leipzig. 70 000 Menschen rund um die Nikolaikirche rufen: »Wir sind das Volk!«. Im Hintergrund standen massive Polizeieinheiten bereit, um den Protest zu unterdrücken. Glücklicherweise hat niemand den Einsatzbefehl erteilt.

Der 9. November 1989 ist schließlich der entscheidende Tag. Günter Schabowski erläutert damals bei einer Pressekonferenz vor den Westmedien die neuen Reiseregelungen, die »Westreisen auch ohne Vorliegen von Voraussetzungen erlauben, und zwar ab sofort.« Noch am Abend und in der Nacht ziehen Männer und Frauen los, noch ganz ungläubig zu den Grenzübergängen. 20 000 Menschen fordern: »Tor auf! Tor auf!«. Eine halbe Stunde vor Mitternacht kapitulieren die Grenzwächter und öffnen den sogenannten Eisernen Vorhang, der Berlin mehr als 28 Jahre getrennt hat.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Berliner Mauer
  • Friedliche Revolutionen
  • Günter Schabowski
  • Hans-Dietrich Genscher
  • Jan Weckler
  • Völker der Erde
  • Friedberg
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.