09. Juni 2019, 06:00 Uhr

Windenergie

Windpark soll um zwei Anlagen erweitert werden

Der Energieversorger EnBW, Betreiber des Windparks südlich von Friedberg, will zwei weitere Windkraftanlagen aufstellen. Sie sollen 78 Prozent aller Privathaushalte der Kreisstadt mit Strom versorgen.
09. Juni 2019, 06:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner
Friedberg Windkrafträder Blick Richtung Bruchenbrücken Bruchenbrücken Foto: Nici Merz

Im Sommer 2017 stritten die Stadtverordneten noch leidenschaftlich um das Für und Wider von Windkraftanlagen auf heimischem Grund. Mit großer Mehrheit wurde ein Vorranggebiet für Windräder auf dem Winterstein abgelehnt, gegen den Windpark in Bruchenbrücken wehrte sich nur die FDP. Schon damals war klar, dass zu den drei Windrädern auf den Feldern zwischen dem Industriegebiet Süd, Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt im Laufe der Jahre zwei weitere hinzukommen werden. Dafür wurde ein Erweiterungsgebiet ausgewiesen. Entsprechend nüchtern nahmen die politischen Gremien nun die Nachricht auf, dass EnBW den Windpark jetzt erweitern will.

Das Vorranggebiet schließt sich östlich an die drei bestehenden Windräder an. Im Norden und im Süden des Gebiets sollen zwei weitere Anlagen mit einer Höhe von 240 Metern errichtet werden. Die bestehenden Anlagen sind 130 Meter hoch. Das nördliche Windrad soll eine Stromleistung von 5,6 Megawatt erzeugen, das südliche 4,2 Megawatt. Damit würde sich die Stromerzeugung um das Vierfache gegenüber der bisherigen Leistung erhöhen.

Wie Projektleiter Thomas Niemz erläuterte, lag der durchschnittliche Energieertrag des Windparks zwischen 2012 und 2018 bei 9,78 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Das entspreche einer Versorgung von etwa 22 Prozent der Privathaushalte in Friedberg. Durch die Erweiterung sollen 25,96 Millionen Kilowattstunden dazukommen. Das würde einer Versorgung von etwa 78 Prozent der Privathaushalte entsprechen.

Bürgerbeteiligung vorgesehen

Niemz und seine Kollegen erläuterten auch, wie die Grundstückseigentümer vergütet werden und wie sich die Bürger an dem Windpark beteiligen können. Eine Vergütung erhalten alle Eigentümer der Erweiterungsfläche, also nicht nur jene, auf deren Grundstück die Anlagen errichtet werden. EnBW hat verschiedene Beteiligungsmodelle aufgelegt, auch kleinere Beteiligungen sind möglich. Für die Bürger der Standortgemeinde wird ein Spezialtarif für günstigen Ökostrom angeboten.

Noch steht die Erweiterung des Windparks ganz am Anfang. Roger Götzl (FDP, Ortsbeirat Bruchenbrücken) wollte wissen, ob die Windräder nicht im Einzugsbereich des Flughafen-Funkfeuers stehen. Niemz sieht kein Problem, geht von einer Genehmigung der Anlagen durch die Aufsichtsbehörde aus. Der Regionalverband muss dem Vorhaben noch zustimmen. Niemz machte auch deutlich, dass EnBW am Sponsoring heimischer Vereine interessiert sei.

Schattenwurf und Geräuschpegel

Auch das Thema Schattenwurf wurde diskutiert. Für Bruchenbrücken schließt Niemz dies aufgrund der Entfernung aus. Anders verhält es sich wohl mit den Aussiedlerhöfen in der Görbelheimer Hohl. Wie ein Landwirt berichtete, legt sich der Schlagschatten der Rotoren bei ungünstigem Sonnenstand direkt auf seinen Schreibtisch. Mit der Erweiterung des Windparks rücken die Windräder näher an die Aussiedlerhöfe heran. Niemz sagte, bei ungünstigem Sonnenstand würden die Anlagen abgeschaltet, um den Schlagschatten zu verhindern. Alle gesetzlichen Richtwerte würden eingehalten.

Die Anwohner sorgen sich auch um den Geräuschpegel. Ein Windrad der vorgesehenen Bauart erzeugt 104 Dezibel. Bei einem Pkw sind es etwa 80. Die Schallemission reduziere sich aber, je weiter das Windrad entfernt sei. »Eine Auto, das direkt vor dem Haus vorbeifährt, ist deutlich lauter als ein Windrad in 700 Meter Entfernung«, sagte EnBW-Mitarbeiter Maximilian Grundl.

Das Projekt steckt planerisch noch im Anfangsstadium. Manche Fragen aus den Reihen der Kommunalpolitik, etwa zur CO2-Ersparnis der Anlagen, konnten die EnBW-Vertreter noch nicht beantworten. Das zeigte sich auch bei der Visualisierung des Windparks. Die Fotos, die Niemz zeigte, ließen allenfalls erahnen, wie hoch die beiden neuen Windräder über die drei bestehenden hinausragen. EnBW versprach, bessere Visualisierungen nachzureichen. (Foto: Nici Merz)

Foto: Nici Merz



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