29. Januar 2019, 08:00 Uhr

Erzürnter Tangolehrer

Wieder Streit im Sprudelhof: Mieter wehrt sich gegen Kündigung

Wieder mal platzt einem Mieter von Räumen im Bad Nauheimer Sprudelhof der Kragen. Mark John Leder, der im Badehaus 5 Tango Argentino anbietet, hat die Kündigung erhalten, muss aufhören.
29. Januar 2019, 08:00 Uhr
Im tollen Ambiente des Jugendstil-Badehauses 5 wird regelmäßig Tango getanzt. Damit dürfte es Ende Januar vorbei sein. (Foto: pv)

Seit November 2016 bietet Tanzlehrer Mark John Leder im Badehaus 5 argentinischen Tango an. »Ein schwieriger, aber auch faszinierender Tanz. Die Termine werden gut angenommen, meist kommen 30 bis 40 Leute«, sagt der 51-Jährige. Ende Januar ist Schluss, denn Leder erhielt kürzlich die Kündigung. »Mir ging eine kurze E-Mail der Stiftung zu. Das Mietverhältnis wurde ohne Begründung beendet.« Der Tanzlehrer ist stinksauer, hat sich an die Stiftungsaufsicht gewandt und eine Online-Petition gestartet. Überschrift: »In der Stiftung Sprudelhof stinkt’s gewaltig!«

Es gibt keine Planungssicherheit

Tanzlehrer Mark John Leder

Von Beginn an hangelt sich Leder von Monat zu Monat. Stets erhält er einen Vertrag über einen Monat. »Es gibt keine Planungssicherheit. Nie weiß ich im Voraus, ob das Badehaus wirklich frei ist«, sagt er. Das Gebäude wird nämlich auch für Privatfeiern und Veranstaltungen genutzt, die laut Leder deutlich höhere Einnahmen bringen. Normalerweise würden 500 Euro pro Tag fällig, er zahle als Dauergast 50 Euro.

 

Schlüssel nicht zurückgegeben

Im Oktober kam es zum Gespräch zwischen Leder und Thielmann. Der Tanzlehrer äußerte den Wunsch, den Tango Argentino nicht mehr jeden Sonntag, sondern an zwei Sonntagen und an einem Samstag im Monat anbieten zu können. »Thielmann stimmte zu und bot von sich aus einen Mietvertrag über sechs Monate an«, berichtet der 51-Jährige.

Als im Januar noch kein Vertrag vorgelegen habe, sei er erneut bei der Stiftung vorstellig geworden. Ein kurzes Telefonat, plötzlich habe er die Kündigung erhalten. »Das ist völlig willkürlich geschehen. Der Stiftung geht’s nur ums Geld«, sagt Leder. Die Kündigung sieht er als rechtswidrig an. Die Aufforderung Thielmanns, den Badehaus-Schlüssel am Montag zurückzugeben, hat er ignoriert.

Der Stiftung geht’s nur ums Geld

Tanzlehrer Mark John Leder

Leder ist es leid, ständig als Bittsteller aufzutreten. »Die Arschkriecherei, die mir abverlangt wurde, ist eklig«, sagt der Tanzlehrer. Er hat nicht mehr das Gespräch mit der Stiftung gesucht, will sich auf anderen Ebenen wehren – durch den Brief an die Stiftungsaufsicht, die Petition und bei Bürgermeister Klaus Kreß. Die Aufsicht hat bereits geantwortet, will sich nicht einmischen.

 

Thielmann weist Vorwürfe zurück

Laut Leder kümmert sich die Stiftung in keiner Weise um Denkmalpflege, hat kein Interesse an stabiler Vermietung. »Wen Sie auch fragen, jeder weiß es: Es wird nicht gearbeitet im Büro der Stiftung Sprudelhof«, heißt es im Petitionstext. Nach jeder Privatfeier habe er das Badehaus verdreckt vorgefunden. Auf den Erhalt der »wunderschönen historischen Marmorfliesen« des Bodens und der Wand werde nicht geachtet.

Schwere Möbel mit Metallbeinen würden rumgeschleift, der Marmor sei mit Frittierfett verunreinigt. Pflege, Versiegelung, Reparatur – Fehlanzeige. »Mehrfach habe ich auf beschädigte Fliesen hingewiesen, nur eine wurde instand gesetzt.« Die »Ignoranz der Verwaltung« nimmt Leder nicht länger hin. Vier andere Sprudelhof-Mieter hätten Unterstützung zugesagt.

Frank Thielmann weist alle Vorwürfe zurück. Von einer sechsmonatigen Vertragslaufzeit sei nie die Rede gewesen. Bislang sei das Badehaus 5 pro Jahr für fünf bis zehn Privatfeiern gebucht worden. »2019 dürften es mehr werden, weil das Badehaus 7 bald nicht zur Verfügung steht.«

 

Bürgermeister als Schlichter?

Reparaturen würden erledigt, auf Sauberkeit werde geachtet. Das Mietverhältnis mit Leder sei wegen Beschwerden des Bridge Clubs beendet worden, der dienstags und donnerstags im Badehaus Karten spielt. Nach dem Tango sei der Raum verdreckt gewesen. Leder hat sich inzwischen mit dem Club geeinigt. Eine Putzfrau ist engagiert, die Kosten werden geteilt.

Bürgermeister Kreß will sich mit Thielmann über den Streit unterhalten. »Der Tango wird gut angenommen. Ich habe Verständnis für den Wunsch Leders nach mehr Planungssicherheit.« In den Badehäusern hat allerdings der Geschäftsführer das Sagen, Kreß kann nur schlichten. Das hat er 2018 schon mal erfolgreich getan, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Bistro-Betreiber im Badehaus 3 und Thielmann kam. Auch dem Gastronom war kurzfristig gekündigt worden. Nach Intervention des Bürgermeisters blieb das Bistro geöffnet.

 

Info

Baubeginn Ende 2019?

Ende August 2016 hatte eine private Kita im Badehaus 5 wegen Insolvenz geschlossen. Wenige Monate später zog Mark John Leder an einigen Tagen pro Monat mit seinem »Tango Argentino« ein. Zudem können die Räumlichkeiten für private Feiern angemietet werden. Seit Kurzem gehen dort auch Mitglieder des Bridge Clubs ihrem Hobby nach. Allzu lange wird das Badehaus aber nicht mehr für diese Zwecke zur Verfügung stehen. Wie Frank Thielmann, Geschäftsführer der Stiftung Sprudelhof, erklärt, sei die Planung für Sanierung und Umbau des Jugendstilgebäudes im Gange. »Bald gehen wir ins Genehmigungsverfahren, Ende dieses Jahres könnte mit den Arbeiten begonnen werden.« Die Stiftung hat es eilig, denn zum Schuljahresbeginn 2021/22 soll die Konitzky-Pflegeakademie, die Gesundheitszentrum Wetterau und Kerckhoff-Klinik gemeinsam betreiben werden, als Dauermieter einziehen.

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