15. Mai 2018, 20:33 Uhr

Hubertus

Wieder-Öffnung erwünscht

Seit einem Jahr steht das ehemalige Jugendgästehaus Hubertus im Wald bei Bodenrod leer. Viele finden: Das soll sich ändern. Allerdings gibt es vonseiten des Wetteraukreises andere Prioritäten.
15. Mai 2018, 20:33 Uhr
Das Jugendgästehaus Hubertus im Wald bei Bodenrod – vonseiten der Kreisverwaltung heißt es, eine Instandsetzung sei nicht zu empfehlen. (Foto: Nissen)

Immer mehr Kinder besuchen die Wetterauer Grundschulen. Laut Statistischen Landesamt sind es gut 10 000 Jungen und Mädchen. Sie brauchen nicht nur zusätzliche Klassenräume, sondern auch ein Schullandheim. Das fordert der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises. Dieses Gremium besteht aus Kreis-Politikern und Vertretern von Verbänden der Jugendarbeit. Nach langer Diskussion und Recherche fordert der Ausschuss nun vom Kreis die Wieder-Öffnung des Hauses Hubertus bei Butzbach-Bodenrod.

Das einst von Herbert Rüfer geschaffene Areal liegt seit Sommer 2017 wie ein Dornröschenschloss still und groß mitten im Wald. Es umfasst drei Hektar mit Bolzplatz, Gruppenräumen, 85 Betten für Kinder und Jugendliche und drei leerstehende Lehrer- und Hausmeisterwohnungen. Zuletzt gab es 2015 Jugend-Freizeiten im Haus, danach brachte man unbegleitete minderjährige Flüchtlinge darin unter. Nun steht Hubertus leer. Der Kreis wollte unter Landrat Joachim Arnold die Unterhaltskosten einsparen, mutmaßt Jochen Dittrich. Der SPD-Politiker und evangelische Referent für gesellschaftliche Verantwortung beantragte Ende 2017 im Ausschuss, Hubertus wieder zu öffnen.

Mehrere Ortstermine und Diskussionen später schlossen sich die meisten Fachleute Dittrichs Meinung an. Neun Ausschuss-Mitglieder stimmten vorige Woche für die Wieder-Öffnung des Schullandheims. Vier waren dagegen, zwei enthielten sich.

Zuvor hatte der Jugendhilfe-Ausschuss den Kreis beauftragt, bei den Schulen den Bedarf an Jugendfreizeiten auf Hubertus anzufragen. Viele meldeten sich: »Das Haus eignet sich hervorragend für Theater-, Musikarbeitstage«, schrieb das Kollegium des Bad Nauheimer Ernst-Lugwig-Gymnasiums. »Für Fahrten mit einzelnen Gruppen würden wir es gut nutzen.« Und die Gesamtschule Konradsdorf würde gern mit den fünften Klassen jeweils fünf Tage auf Hubertus verbringen. Ältere Schülerinnen und Schüler könnten dort ungestörte Probentage für den Chor, für Musik und Theater verbringen. Diverse Grundschulen bekundeten ebenfalls Interesse an Schulfreizeiten auf Hubertus.

Ob es dazu wirklich kommt, bleibt offen. »Im Moment ist es die oberste Priorität, Schulraum zu schaffen«, betonte Landrat Jan Weckler (CDU) vor dem Jugendhilfe-Auschuss. Kein Wort sagte er zur Zukunft von Hubertus. Auch von der Kreis-Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) ist dazu nichts zu hören. Zwei Debatten zum Thema im Jugendhilfe-Ausschuss blieb sie fern. Die Kreisverwaltung scheint gegen die Wieder-Öffnung von Hubertus zu sein. Der Betrieb des Hauses habe den Kreis früher rund 250 000 Euro pro Jahr gekostet, heißt es im Faktenpapier aus dem Landratsamt. »Eine Nutzung/Belegung sowie eine Instandsetzung der Nur-Dach-Häuser kann durch die erheblichen Baumängel nicht empfohlen werden.«

Allerdings fanden die Mitglieder des Jugendhilfe-Ausschusses die fast 3000 Quadratmeter großen Unterkünfte und Säle bei der Besichtigung in einem deutlich besseren Zustand vor als befürchtet. Und der Wetterauer SPD-Parteitag beschloss Ende April, auf die Wieder-Öffnung zu drängen.

Spannend ist nun, ob die SPD über einen Kreistagsbeschluss nun wirklich in der Koalition mit der CDU die Hubertus-Rettung durchsetzt. Sie steht nicht im Koalitionsvertrag, und CDU-Politiker äußern sich skeptisch. »Die Kinder wollen nicht jedes Jahr ins gleiche Haus«, meinte Rosa Maria Bey aus Friedberg im Jugendhilfe-Ausschuss. Die von ihr befragten Lehrerinnen fänden es besser, wenn der Kreis Zuschüsse für Klassenfahrten gäbe. Die Bedarfsabfrage bei den Schulen sei nicht verbindlich genug, bemängelte der Christdemokrat Dirk Vogel aus Bleichenbach. Außerdem bevorzugten Schulklassen Freizeiten fern der Heimat – nicht innerhalb der eigenen Kreisgrenzen. Vogel stimmte gegen die Wieder-Öffnung von Hubertus. Der Mann ist sozialpolitischer Sprecher der Wetterauer CDU und gehört zum Kreis derer, die für den im Herbst zu besetzenden Posten des weiteren Kreisbeigeordneten gehandelt werden.

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