21. Mai 2019, 20:18 Uhr

Wie von Zauberhand

21. Mai 2019, 20:18 Uhr
Tote Puppen werden von den »getarnten« Schauspielern im Hintergrund lebendig. Das hat die Lioba-Schauspieler vor große Herausforderungen gestellt. (Foto: Alexander Benthaus)

»Ein Leben für eine Rose«, brüllt das Biest den Vater von Belle an, der sich des Diebstahls einer Rose schuldig gemacht hat. Was das Tier aber eigentlich erhofft, ist nicht den Vater zu töten, sondern seine Tochter Belle ins Schloss zu locken. Durch sie erhielte er eine klitzekleine Chance, von seinem Fluch erlöst zu werden. Aber welch ein Fluch ist das? Die Antwort auf diese Frage konnte man während vier Aufführungen der Theater-AG der Sankt-Lioba-Schule auf der hauseigenen Bühne erleben. Auf der Grundlage alter französischer Märchen wurde dort diese Geschichte neu erzählt.

Doch das wirklich Besondere dieser Aufführungen war, dass die Schöne, ihr Vater und das Biest nicht als Schauspielerinnen und Schauspieler die Bühne betraten, sondern als lebensgroße Spielfiguren, die von den jugendlichen Akteuren bewegt wurden. Ganz in schwarz gekleidet, mit Handschuhen und mit dunklen Masken versehen, führten sie zu zweit oder zu dritt die leblosen Hauptdarsteller des Stückes und erweckten sie mit faszinierender Dynamik und Abstimmung zum Dasein, sodass alle Zuschauerinnen und Zuschauer schwärmten, schon nach wenigen Minuten der Illusion erlegen zu sein, echte »Wesen« vor sich zu sehen, die gar keiner Führung bedurften.

Das sind die Hürden

Man sah die Puppenspieler klar vor sich und sah sie zugleich auch wieder nicht. Aber das war noch nicht alles. Das Publikum war fasziniert von den vielen verschiedenen Konstellationen, die sich dadurch ergaben. Sehr viel Lob erhielten aber auch das Bühnenbild, die Ton- (Matthias Nickel) und die Lichttechnik (Maximilian Sammeth), die es schafften, viele verschiedene Räume ohne allzu großen Umbauaufwand auf die Lioba-Bühne zu zaubern.

Dabei war nicht von Anfang an klar, ob das Projekt überhaupt erfolgreich sein könnte. Die selbst gebauten Figuren überstanden häufig die Proben nicht und mussten repariert und weiterentwickelt werden. Die Spieltechnik an den Figuren musste aufwendig geübt und einstudiert werden. Viele Kleinigkeiten, die im »normalen« Theater unbedeutend sind, stellten die Gruppe vor große Hürden. Also zog man sich für ein paar Tage in die Jugendherberge nach Bad Homburg zurück und reüssierte dort aber zunehmend. Dabei waren die Motivation und die Disziplin der Gruppe ein entscheidender Faktor, die Leitung und Unterstützung der Proben durch Beatrice Schmidt, selbst Schülerin an der Lioba-Schule und sehr ballett- bzw. theatererfahren, ein anderer. Sie schaffte es, zusammen mit Georg Jung, Lehrer an der Lioba-Schule und dort seit vielen Jahren im Darstellenden Spiel aktiv, die Gruppe exzellent anzuleiten, sich aber auch kreativ entfalten zu lassen.

Die Fassung des Märchens in der aufgeführten Form wurde von Georg Jung kompiliert. Er verwendete für seine Bühnenfassung in wesentlichen Teilen die alten französischen Volksmärchen von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve (1740) oder Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1756), rückte aber die Frage nach dem Grund beziehungsweise der Schuld des Biestes für seine Verwandlung stark in den Fokus.

Die Antworten der genannten Quellen sind in dieser Hinsicht wenig aussagekräftig: Deshalb griff er auf Neufassungen von »La Belle et la Bête« im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts zurück, die damals zunehmende Beliebtheit fanden: In den Träumen der Schönen erfährt Belle von einem Prinzen, der seine eigene Frau, die Tochter des Waldgottes, versehentlich tötet und dafür mit seiner abstoßenden Gestalt büßen muss.

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