18. September 2019, 19:08 Uhr

Wie schlimm ist die Situation im Kreis?

18. September 2019, 19:08 Uhr

Das Votum von Reinigungskräften aus dem Wetteraukreis ist gefragt: Die 1780 Gebäudereinigerinnen und Glasreiniger sollen bei einer bundesweiten Online-Umfrage mitmachen. »Ziel ist es, das Ausmaß von Lohndrückerei und Urlaubskürzung zu ermitteln«, sagt Karl-Otto Waas von der IG BAU Gelnhausen-Friedberg. In der Branche gehe es nämlich gerade hoch her: Viele Reinigungskräfte würden regelrecht dazu gedrängt, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft hat die Umfrage gestartet, um »schwarze Schafe unter den Arbeitgebern gezielt zu orten«. Davon gebe es nämlich Tag für Tag mehr: Seit der Kündigung des Rahmentarifvertrages für das Gebäudereiniger-Handwerk durch die Arbeitgeber scheuten viele Unternehmen nicht davor zurück, ihren Beschäftigten die Arbeitsbedingungen neu zu diktieren. »Die Reinigungskräfte bekommen deutlich weniger Lohn - schon dadurch, dass ihnen die Zuschläge bei Überstunden oder für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen teilweise komplett gestrichen werden. Und sie werden mit einem Minimum an Urlaubstagen abgespeist«, sagt Waas. Die Frage, die dem Vorsitzenden des IG BAU-Bezirks Gelnhausen-Friedberg dabei auf den Nägeln brennt: »Wie schlimm ist die Situation im Wetteraukreis?« Er appelliert daher an die Reinigungskräfte, beim Online-Check zur Arbeit in der Gebäudereinigung mitzumachen.

Gleichzeitig warnt die IG BAU heimische Reinigungskräfte davor, sich auf Änderungen im Arbeitsvertrag einzulassen. »Denn wer im Juli schon in der Branche gearbeitet hat, für den gelten die alten Bedingungen genau so auch weiter - von Zuschlägen für Überstunden und bei schwerer Arbeit bis zum Urlaub«, klärt Waas auf. Der von den Arbeitgebern gekündigte Rahmentarifvertrag sei nämlich allgemeinverbindlich gewesen und wirke deshalb nach.

Zudem setze die IG BAU alles daran, bei der nächsten Tarifverhandlungsrunde am 30. September den Arbeitgebern noch einmal deutlich zu machen, dass Sauberkeit ihren Preis habe. »Und dass man Tricksereien mit Arbeitsverträgen nicht macht - schon gar nicht bei Menschen, die ohnehin hart für ihr Geld arbeiten müssen«, fasst Waas zusammen.

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