06. November 2018, 20:27 Uhr

Wie nach einem schönen Traum

06. November 2018, 20:27 Uhr
Das Streichorchester der Kammerphilharmonie Bad Nauheim, Ulrich Knapp am Cello, und Karin Hendel am Pult. (Foto: hms)

Es war ein Sonntagnachmittag der schönsten Überraschungen beim Galakonzert der Kammerphilharmonie. Und eine Hommage an Frankreich. Werke von Lully, Debussy, Fauré, Bizet standen auf dem Programm und ein junges deutsches Komponistentalent. Aus Marseille stammt Françoise Friedrich, Soloharfinistin an der Frankfurter Oper. Überraschend und begeisternd für das Publikum: Karin Hendel am Pult. Als Konzertmeisterin des Orchesters bekannt, erfüllt sie sich nun, nach dem Ausscheiden aus dem HR-Sinfonieorchester, als Dirigentin einen lang gehegten Wunsch.

Von Liebesromanzen, Empfindungen nach einem schönen Traum, den Verwirrspielen der Götter, aufkommendem Sturm und entzückenden Tänzen erzählte die Musik und Karin Hendel die Geschichten dazu. Jean Baptist Lully zum Beispiel wurde ursprünglich als Page aus Italien an den Hof des Sonnenkönigs nach Paris geholt. Er gründete dort ein Streichensemble, ließ junge Mädchen als Solotänzerinnen auftreten und starb, nachdem er sich mit einem Zweimeter-Taktstock beim Dirigieren den Fuß verletzt hatte. Seine Ballettsuite umfasst neben zarten französischen Tänzen auch ein orchestrales Durcheinander beim ›Eintritt der vier Winde‹.

Das hatten Karin Hendel und die Streicher aber gekonnt im Griff. Bestimmt und dennoch ruhig, energisch und gefühlvoll führte sie den Klangkörper, der ihr achtsam folgte. Es war eine Wohltat ihr zuzusehen und ihre Interpretation in Dynamik, Farb- und Klangnuancen zu verfolgen.

Gespannte Aufmerksamkeit entstand dann bei Debussys »Danse sacrée et profane«, als sich Françoise Friedrich an die Harfe setzte. Die Professorin an der Musikhochschule zeigte mit diesem virtuosen Werk kaum zu beschreibende Fingerfertigkeit. Oft lagen die Griffe beider Hände dicht beieinander, dann weit entfernt. Sie bespielte das Instrument samt der die Halbtöne erzeugenden Pedale in einer Art, dass einem der Atem wegblieb.

Nicht jedem Komponisten war es vergönnt, dass seine Werke zu Lebzeiten Anerkennung fanden.

Poesie ohne Worte

Bei »Tempestas surgit« – ein Sturm kommt auf des erst 24-jährigen Nik Bohnenberger, ist das anders. Erst im Oktober begann er sein Kompositionsstudium in Berlin, doch seine spannende, hörbare Musik ist schon sehr reif. Hendel hatte ihn zufällig kennengelernt und gab ihm eine Chance, die vom Publikum mit Hochachtung und Erstaunen aufgenommen wurde. Dynamisch und temporeich breitete sich eine Klangvielfalt aus, in der Celli und Bass eine eindringliche Rolle spielten. Gebändigte Melancholie hingegen sagt man Gabriel Fauré nach. In »Après un rêve – nach einem schönen Traum« legte Ulrich Knapp traumhaften Schmelz in sein Cello und spielte Poesie ohne Worte.

Den Abschluss bildete die durch ihr marschartiges Unisono-Motiv bekannte »L’Arisienne Suite« von Georges Bizet. In den vier anspruchsvollen Sätzen entfaltet das Streichorchester einen beeindruckenden Klangfächer. Das Publikum in der Trinkkuranlage spendete dankbaren und bewundernden Applaus.

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