05. April 2019, 20:48 Uhr

Wie eine große Schwester

05. April 2019, 20:48 Uhr
Die 19-jährige Sophie Weihs aus Nieder-Florstadt begleitet den Alltag der Kinder, ist Ansprechpartnerin und Bezugsperson. (Foto: GERUNG_K)

Nationalparks mit Berggorillas, Schimpansen, Löwen und Zebras, die Quelle des Nils, Gebirgsketten und der größten See Afrikas: »Uganda wird meiner Meinung nach nicht grundlos als ›Perle Afrikas‹ bezeichnet«, weiß Sophie Weihs. Die 19-Jährige aus Nieder-Florstadt nimmt im Rahmen eines Freiwilligendienstes der Diakonie Hessen an einem einjährigen Projekt in Uganda teil, seit sieben Monaten ist sie schon dort.

Uganda gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt. »In den Städten, vor allem in der Hauptstadt Kampala, erlebe ich Arm und Reich dicht beieinander«, berichtet Weihs. Sie beschreibt eine staubige und mit Menschen überfüllte Großstadt, die im vielseitigen Stadtbild aber auch große Supermärkte, Hotels und Einkaufszentren bietet. In besonders ländlichen Regionen Ugandas sehe das Leben der Menschen hingegen ganz anders aus.

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Im »Baraka African Culture Center« in Uganda leben alle wie in einer großen Familie zusamm...

Zusammen mit einer Mitfreiwilligen lebt Weihs in einer Kleinstadt, circa 45 Minuten von der Hauptstadt entfernt. Obwohl sie es in dem Haus, in dem sie leben, »sehr viel besser« als ein großer Teil der Bevölkerung hätten, bekommen auch die beiden jungen Frauen die Armut dort zu spüren. Stromausfälle, Wäsche waschen von Hand und nicht immer fließend Wasser sind für sie schon lange zur Normalität geworden. »Duschen mit kaltem Wasser ist bei der ugandischen Hitze dafür eher unproblematisch.«

Mit den Einheimischen verständigen sich die beiden hauptsächlich auf Englisch. Die unterschiedlichen Volksstämmen des Landes sprechen jedoch weit mehr Sprachen.

»Muzungu«, dieses Wort hören die beiden oft auf der Straße. Es stammt aus der regionalen Sprache Luganda und bedeutet übersetzt so viel wie »weiße Person«. »Als Weiße ist man hier oft nicht zu übersehen. Sehr häufig winken uns Kinder zu, grüßen uns aufgeregt und erfreuen sich an unserem Anblick.«

 

Zuhause für 60 Kinder

 

Weihs arbeitet im »Baraka African Culture Center«. Das Center befindet sich in der Kleinstadt Gayaza und ist das Zuhause von über 60 Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 19 Jahren, die aus sozial schwachen Familien kommen. »Es lässt sich aber auch als Kulturzentrum mit Tanzakademie beschreiben«, sagt Weihs. Im Center würden sich alle als Bruder und Schwester bezeichnen, und auch als Mitglied des Freiwilligenteams sei man Teil der großen »Baraka Familie«. »Von der Offenheit, dem Interesse und der Liebe der Kinder gegenüber uns waren wir ab Tag eins gerührt und beeindruckt«, beschreibt Weihs die Atmosphäre im Center. Das Center ermöglicht den Kindern den Schulbesuch und gibt ihnen eine Zukunftsperspektive. Gleichzeitig dreht sich der Alltag dort rund um Musik und Tanz. Der Fokus liegt hier besonders auf den traditionellen ugandischen Tänzen. Für die Kinder steht fast täglich Tanztraining auf dem Programm. An den Wochenenden wird das Gelernte bei Auftritten auf verschiedenen Veranstaltungen präsentiert. »Beim Tanzen scheinen alle Probleme und Unzufriedenheiten in Vergessenheit zu geraten.« Schule, Tanz, Spiel und mehr: Sophie Weihs und ihr Team begleiten und betreuen den ganzen Alltag der Kinder. »Wir sind auch Vorbild, Ansprechpartner und Bezugsperson.«

Ende Juli wird Weihs’ Zeit in Uganda vorüber sein. Auch wenn sie sich freut, Freunde und Familie wiederzusehen, fällt ihr der Gedanke an die Heimreise schwer: »Ich weiß, dass ich mit dem Freiwilligendienst nicht die Welt rette«, sagt sie. Es seien aber die kleinen Dinge, die ihre Aufgabe in Uganda so besonders machen: »Die Aufmerksamkeit und die Liebe, die wir den Kindern und dem Projekt schenken.«

Info

Hilfe für das Center

Martin Male, Gründer der Organisation, hat große Pläne für das »Baraka African Culture Center«. Er plant eine eigene Schule, denn mit der wachsenden Zahl der Kinder wird Schulbildung finanziell immer schwieriger. Unterstützt werden kann das Center über www.leetchi.com/c/baraka-school-project. Die dort zusammenkommenden Spenden fließen direkt in den Bau der Schule. Nur so kann die Bildung der Kinder sichergestellt werden. Außerdem werden Partner für eine deutsch-ugandische Zusammenarbeit gesucht. Weitere Informationen gibt es unter barakaculturalcenter.org

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