18. April 2019, 11:00 Uhr

Hobby

Wie der elfjährige Max zum Tortenmeister wurde

Max hat ein ausgefallenes Hobby. Der Elfjährige aus Langgöns backt für sein Leben gern. Seine Torten sind kunstvolle Meisterwerke. Doch Konditor will er nicht werden.
18. April 2019, 11:00 Uhr
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Von Ursula Sommerlad

Manche sagen, dass Langeweile kreativ macht. Ob das stimmt? Bei Max aus Langgöns war es jedenfalls so. Eines schönen Tages vor bald fünf Jahren hatte er nichts zu tun. Während sich der Rest der Familie oben im Haus aufhielt, ging er runter in die Küche und buk Muffins. Max war damals sechs Jahre alt. Dass er sich ohne Aufsicht am Herd zu schaffen machte, fand seine Mutter Isabell Dern gar nicht toll. Aber die Muffins schmeckten köstlich. Spätestens ab diesem Zeitpunkt stand fest: Der Junge hat Talent fürs Backen. Und er hat sich weiterentwickelt. Mittlerweile kreiert der Fünftklässler Torten, die einem Konditor zu Ehre gereichen würde. Sogar im Fernsehen waren seine Werke schon zu sehen.

»Das mit dem Backen hat er von mir«, sagt Isabell Dern. Sie selbst hat schon als Kind mit der Oma Buttercreme-Torten produziert; im Freundeskreis schätzt man ihre opulenten süßen Kreationen. Max ist also quasi neben der Backschüssel aufgewachsen. Bereits als Zweijähriger durfte er Teig rühren. Das prägt.

 

37 Grad? Ganz schlecht für Buttercreme...

Max’ Meistertorten werden natürlich alle vor dem Verzehr fotografiert. Beim Betrachten der Bilder kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Für seine jüngere Schwester Anna-Maria, die das Back-Gen übrigens auch geerbt hat, gestaltete er eine Waldfee-Torte in Form einer Puppe, mit einem Korpus aus süßem Teig. Hammer! Die Mitglieder des Grünen-Kreisverbands, in dessen Vorstand Max’ Mutter sitzt, überraschte der Junge beim Sommerfest mit einer Torte, deren Deckel die bekannte Sonnenblume und die Namen der drei heimischen Landtagskandidaten zierten. Und als das Team vom HR daheim bei Derns einen Beitrag über Maxens Küchenkunst fürs Maintower-Magazin drehte, hatte der kleine Konditor ein Prachtstück aus Buttercreme vorbereitet, dessen Deko auf die Medienbranche anspielte.

Der Dreh im vergangenen August hatte es übrigens in sich. Das Thermometer zeigte damals 37 Grad. Ganz, ganz schlecht für Buttercreme. Die Reportage ließ sich nur realisieren, weil Max’ Eltern vorausschauend bei Freunden ein mobiles Klimagerät ausgeliehen hatten. Und da das HR-Team in vier Stunden die Produktion einer Torte dokumentieren wollte, für die man mindestens acht Stunden braucht, hielt Max gleich drei Torten in verschiedenen Zubereitungsstadien in petto. Fast drei Minuten dauerte der Maintower-Beitrag schließlich. »Ziemlich kurz«, fand Max, doch die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Goldbach belehrte ihn eines Besseren. Als Politiker bekomme man höchstens 60 Sekunden.

 

Hochzeitstorte für die Tante

Anfragen weiterer Fernsehleute hat die Familie dann abgelehnt. Und auch die Tortenwünsche von Freunden und Bekannten kann Max nicht erfüllen. Seit letztem Sommer besucht er das Weidig-Gymnasium in Butzbach und kommt erst um drei Uhr nachmittags nach Hause. Da fehlt die Zeit, um stunden- oder gar tagelang am Herd zu stehen.

Ausnahmen sind selten. Demnächst wird der Fünftklässler aber eine machen. Seine Tante will heiraten. »Sie hat mich gebeten, die Hochzeitstorte zu backen.« Und zum »Sonntag ma(h)l anders« der evangelischen Kirchengemeinde Langgöns vergangene Woche hatte Max ebenfalls eine seiner pfiffigen Kreationen beigesteuert. Eine Donauwelle aus hellem und dunklem Rührteig, Kirschen, Buttercreme-Füllung, schokoladiger Ganache und einem Überzug aus Fondant, einer geschmeidigen Zuckermasse.

 

Eine Backzutat: Kukident-Haftpulver

Der absolute Clou: Die Torte hatte die Form einer aufgeschlagenen Bibel, das Motto der Veranstaltung »God first« war in essbaren goldenen Lettern auf der linken Seite zu lesen. Die rechte war mit christlichen Symbolen wie Kreuz, Kelch und Fisch verziert. Max hatte die Deko, ebenso wie das verschlungene Lesezeichen in der Mitte, aus Fondant selbst hergestellt, eingefärbt und dann aufgeklebt. Übrigens ausnahmsweise, aus Zeitgründen, mit fertigem Lebensmittelkleber. Normalerweise produziert er auch den selbst. Wie? Er grinst. »Wasser und Kukident.« Die Packung steht griffbereit in der großen Schublade mit den Backzutaten: »Super-Haftpulver. Extra starker Halt für die Dritten.«

Dass Max gerne genau arbeitet, sieht man, sobald man ihm ein paar Minuten über die Schultern schaut. Doch warum ihm das Backen soviel Spaß macht – auf diese Frage weiß er nicht gleich eine Antwort. Ist halt so. Später fällt ihm doch etwas dazu ein. »Erst ist man ganz für sich. Und am Ende hat man etwas, das man vorzeigen kann.«

Konditor will er trotzdem nicht werden. Dem Maintower-Magazin hat er letzten Sommer seinen Berufswunsch verraten: Mathe-Professor. Doch er ist ins Grübeln geraten. Beim Girls- und Boys-Day am 28. März hat Max die Gießener Uni-Klinik kennengelernt. Jetzt findet er: »Arzt ist doch cool.«

Feinarbeit an der Torte: Erst wird die Ganache verteilt (links), dann der Überzug aus süßem Fondant glatt gestrichen (Mitte). Und auch die Deko ist selbst gemacht. (Fotos: Geck/us)



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