Wetterau

Wie besessen durch die Stadt

»Morgens bin ich immer müde.« Eine Klage, die vielen – sei es Schülern oder Berufstätigen – nicht unbekannt ist, nicht selten aus eigener Erfahrung. In der gleichnamigen Geschichte der 21-jährigen Studentin Laura Nold, gewinnt dieser Seufzer jedoch eine dramatische Dimension: Ihre Figur ist eine manisch Besessene, die jede Nacht nach dem gleichen Ritual, welches sich an bestimmte Uhrzeiten und Zahlen klammert, die Straßen ihrer Stadt abläuft. Sie ist derart vertieft in ihr Tun, dass sie sogar die Vergewaltigung einer Frau an einer Tankstelle kaltlässt.
26. März 2018, 20:57 Uhr
Redaktion
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Stellen ihre Geschichten vor (v. l.): Pia Bonn, Kerstin Uebele und Laura Nold. (Foto: pv)

»Morgens bin ich immer müde.« Eine Klage, die vielen – sei es Schülern oder Berufstätigen – nicht unbekannt ist, nicht selten aus eigener Erfahrung. In der gleichnamigen Geschichte der 21-jährigen Studentin Laura Nold, gewinnt dieser Seufzer jedoch eine dramatische Dimension: Ihre Figur ist eine manisch Besessene, die jede Nacht nach dem gleichen Ritual, welches sich an bestimmte Uhrzeiten und Zahlen klammert, die Straßen ihrer Stadt abläuft. Sie ist derart vertieft in ihr Tun, dass sie sogar die Vergewaltigung einer Frau an einer Tankstelle kaltlässt.

Auf die Idee zu ihrer Kurzgeschichte kam Laura Nold, als sie an einem späten Abend in ihrem Wohnort Grünberg erstaunt feststellte, dass eine Ampel von Rot partout nicht auf Grün umsprang. »So kam mir zunächst der Gedanke, eine Geschichte über Ampeln zu schreiben. Zudem habe ich seit jeher ein Faible für Außenseiter. Deshalb habe ich diese beiden Ansätze kombiniert«, beantwortete sie eine der Fragen von Schülern der Singbergschule.

Seit einigen Tagen sind die insgesamt 23 Gewinner des Jugend-Literaturpreises der Ovag des Jahres 2017, der 14. Ausgabe dieses Wettbewerbs, in unterschiedlicher Zusammensetzung auf »Tour« durch rund vierzig Schulen in Oberhessen, wo sie ihre Werke den jeweiligen Schülern vortragen. So auch in der Singbergschule.

Einer ganz anderen Thematik hat sich Kerstin Uebele (Bad Nauheim) zugewandt, die mit ihrer Geschichte »Nordviertel« im vergangenen Jahr den ersten Preis des Wettbewerbs gewann. Die 20-Jährige beschäftigte sich nämlich mit dem heiklen Thema Prostitution. »Man hört und liest viel darüber, aber nur wenige kennen den Hintergrund von den Frauen, die der Prostitution nachgehen«, sagte sie. Sie wählte für ihren Text Budapest als Ort der Handlung, als Hauptperson eine Alleinerziehende, die diesem Gewerbe nachgeht, und eine Erzählerin, die das schildert, was sie beobachtet. Dabei beschreibt Kerstin Uebele präzise Details, die ein gutes Stimmungsbild ergeben.

Schließlich las Pia Bonn (17) aus Friedberg, dort Schülerin des Burg-Gymnasiums. In »Weißer Teddy« umreißt sie in einer einfachen Geschichte eindrucksvoll die Schrecken des Krieges.

Das Buch »Gesammelte Werke« mit den Geschichten aller Preisträger ist erhältlich unter Tel. 0 60 31/68 48 11 18 oder silke.scriba@ovag-energie.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Wie-besessen-durch-die-Stadt;art472,409203

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