02. Januar 2018, 17:00 Uhr

Experten-Interview

Wie Bitcoins die Welt verändern

Bitcoins sind am Finanzmarkt der letzte Schrei. Was steckt eigentlich dahinter? Zwei Bad Nauheimer Experten geben Antworten.
02. Januar 2018, 17:00 Uhr
Kurssprünge von über 1000 Prozent in weniger als einem Jahr: Die Digitalwährung Bitcoin boomt – vor allem im asiatischen Raum, so wie hier an der Börse von Südkorea.

Wertsteigerungen von über 1000 Prozent – was wie der Traum eines jeden Anlegers klingt, ist dank des Bitcoin in diesem Jahr für viele Technikfreaks wahr geworden. Inzwischen sind aber auch private und gewerbliche Anleger auf die sogenannte Kryptowährung aufmerksam geworden – nicht zuletzt, da man an der Chicagoer Börse nun auch auf Kursentwicklungen wetten kann. Doch was sind Bitcoins überhaupt? Wo kommen sie her? Und wer steckt eigentlich dahinter? Zeit für ein Grundlagengespräch bei zwei Experten: den Bad Nauheimer Finanzberatern Thomas Noske und Shige Yamakata der NK Akademie GmbH.

Der Bitcoin ist mit seinen Kurssprüngen und -einbrüchen seit einigen Wochen in den Schlagzeilen. Was war der Ursprung?

Thomas Noske: Die Idee war: Sei deine eigene Bank. Das Ziel ist es, die Kosten für Überweisungen einzusparen, denn letztlich braucht man nur ein Smartphone und Internet. Die Deutschen erkennen nicht, dass es absoluter Schwachsinn ist, für eine Überweisung Geld zu bezahlen, weil ihnen suggeriert wird, dass es normal ist. Das ist es aber nicht.

Shige Yamakata: Ich betreue viele japanische Kunden, und die Übertragung von Geld zwischen Europa und Japan ist immer noch kompliziert und teuer, gerade bei kleineren Beträgen beträgt die Gebühr bis zu 15 Prozent. Außerdem gibt es viele Menschen auf der Welt, die überhaupt kein Bankkonto haben, etwa in Entwicklungsländern. Aber sie haben ein Smartphone und können damit Überweisungen empfangen, wenn etwa ein Familienmitglied in Europa oder Amerika arbeitet.

Noske: Das Thema ist ein Grund, warum deutsche Banken und auch die EZB vor den Kryptowährungen warnen, weil ihnen natürlich ein Markt verloren ginge. Denn das Grundprinzip des Bitcoin ist ein Zahlungsmittel face-to-face, das schnell geht und keine Gebühren kostet. Das ist die Grundidee jeder kryptischen Währung.

Die Menge des Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt. Deswegen gibt es keine Inflationsgefahr.

Shige Yamakata

Wie wichtig ist dabei der Gedanke der Unabhängigkeit von der Stabilität einer Notenbank?

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S. Yamakata

Yamakata: Diesen Gedanken hatte der Erfinder des Bitcoin, den man unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto kennt, als er den Bitcoin 2008 nach der Pleite von Lehmann-Brothers und dem Beginn der Finanzkrise erfand. Die Menge des Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt. Deswegen gibt es keine Inflationsgefahr.

Noske: Der Grundgedanke war, aus dem Bankensystem herauszugehen und eine inflationssichere Anlageform zu schaffen. Denn wenn wir uns die letzte Finanzkrise anschauen, hat sie nur ein einziger bezahlt: der Bürger. Außerdem darf man eines nicht vergessen: Bitcoins sind unfälschbar, und über das sogenannte Blockchain-Verfahren, also ein Kassenbuchverfahren, wird genau dokumentiert, von wo nach wo Zahlungen geflossen sind. Das ist zu 100 Prozent kontrollierbar.

Sind Bitcoins angesichts ihrer Wertschwankungen überhaupt ein Zahlungsmittel?

Noske: Man kann etwa in Japan in über 300 000 Geschäften mit Bitcoins zahlen, in Berlin sind es vielleicht 100 oder 120.

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In Deutschland ein seltener Anblick, in anderen Teilen der Welt bereits Alltag: ein Automa...

Yamakata: Dadurch, dass der Wert sehr stark schwankt, die Gebühren teurer werden und es immer mehr Tr

ansaktionen gibt, die dadurch langsamer werden, sind sie derzeit eigentlich kein gutes Zahlungsmittel. Aber es gibt über 1000 Kryptowährungen, die sich gerade entwickeln. Auch der Bitcoin entwickelt sich noch. Mittlerweile gibt es andere Währungen, die tatsächlich das bessere Zahlungsmittel sind, Bitcoins sind eher eine zukünftige Wertanlage wie heutzutage Gold.

Wie kann man mit Kryptowährungen bezahlen?

Noske: Man kann sich auf dem Smartphone einen Wallet installieren, einen digitalen Geldbeutel, und dort Kryptowährungen speichern. Wenn ich damit einen Kaffee für 1,80 Euro bezahlen möchte, erzeugt der Laden einen QR-Code, den ich abfotografieren kann, der Betrag wird umgerechnet und innerhalb von einer Sekunde von meinem Geldbeutel auf den des Ladens umgebucht – ohne Gebühren. Ethereum, Lite Coin oder Dash sind die neue Generation von Kryptowährungen, die sich eher als Zahlungsmittel eignen, weil sie schneller und günstiger sind.

Kryptische Währungen werden in zehn Jahren einen Grossteil unserer Zahlungen ausmachen.

Thomas Noske

Was hat es mit dem sogenannten Blockchain-Verfahren auf sich, das im Zusammenhang mit Kryptowährungen immer wieder genannt wird?

Yamakata: Mit dem Blockchain-Verfahren ist es möglich, Geld oder Wert wie eine E-Mail zu verschicken – und zwar ohne, dass etwas kopiert werden kann, und ohne, dass es einen Mittelsmann geben muss. Das ist die Revolution. Das kann aber nicht nur Geld sein, sondern etwa auch Verträge oder Identität.

Noske: Man merkt, dass diese Entwicklung des Bitcoin noch viel, viel größer ist. Das Blockchain-Verfahren wird unsere gesamte Industrie verändern. Es gibt bereits jetzt ein Verfahren für Gebrauchtwagen, mit dem keine Papiere mehr gefälscht werden können. Es entsteht eine industrielle Revolution, bei der auch Notare unnötig werden, denn als Besitzer einer Immobilie wird man sich über einen PIN seinen Grundbuchauszug über ein gesichertes Verfahren selbst ziehen können. Das Gleiche gilt für Pässe. Durch den Bitcoin ist also eine Technologie entstanden, die viel mehr Anwendungsbereiche hat, als nur Zahlungsmittel zu sein. Die australische Börse hat bereits Anfang 2018 auf ein Blockchain-Verfahren umgestellt, und es wird nicht mehr lange dauern, dann müssen die Europäer nachziehen, weil die Kontrakte so schlicht schneller, einfacher und sicherer gehen – auch wenn dadurch natürlich erst einmal Personal wegfällt. Wir glauben: Kryptische Währungen – egal wie sie heißen – werden in zehn Jahren einen Großteil unserer Zahlungen ausmachen. Und das Prinzip ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten. (Fotos: phk/dpa)

NK Akademie GmbH

Thomas Noske ist seit 30 Jahren Finanzdienstleister, seit rund zehn Jahren arbeitet er in seiner Bad Nauheimer Firma mit Finanzberater Shige Yamakata zusammen. Bereits vor zwei Jahren begannen die beiden, sich mit Kryptowährungen und besonders mit dem Bitcoin auseinanderzusetzen. Seit einem Jahr investieren sie nach eigenen Angaben täglich ein bis zwei Stunden pro Person, um sich mit dem Markt für Bitcoin und Co. auseinanderzusetzen. Zu ihren rund 1000 Kunden gehören sowohl Firmen als auch Privatpersonen. Über einen eigenen Youtube-Kanal und über Facebook werden fachliche Themen rund um Börsengeschäfte und Bitcoin vermittelt.

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