31. Mai 2018, 19:46 Uhr

Stadtwald

Widerstand gegen die FSC-Zertifizierung

Die FSC-Zertifizierung soll den Bad Nauheimer Stadtwald ökologisch aufwerten. Doch das Siegel ist keineswegs unumstritten, wie sich jüngst im Parlament zeigte.
31. Mai 2018, 19:46 Uhr
FSC-Zertifizierung für den Stadtwald? Darüber streitet die Politik. (Foto: nic)

Die Bewirtschaftung des Bad Nauheimer Stadtwalds hat in der Vergangenheit immer wieder für Kritik aus der Bevölkerung gesorgt. Es werde zu wenig Rücksicht auf den Erholungswald genommen, so der Vorwurf. Damit in dem 237 Hektar großen Gebiet ein wenig mehr nach ökologischen Gesichtspunkten vorgegangen wird, wurde der Wald 2008 erstmals nach den Richtlinien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Die Abnahme muss alle fünf Jahre wiederholt werden, im August 2018 ist der Stadtwald erneut an der Reihe. Deshalb stellten die Grünen in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments den Antrag, den Wald erneut zu zertifizieren.

Wer geglaubt hatte, dieser Vorstoß würde ohne große Debatte einstimmig abgenickt, sah sich getäuscht. Grünen-Fraktionschefin Claudia Kutschker sprach zunächst von einer Erfolgsgeschichte. Es gelte, die Standards zu halten und für eine nachhaltige Wertschöpfung zu sorgen. Nach dem FSC-Siegel müsse auf zehn Prozent der Waldfläche eine natürliche Entwicklung ohne Holznutzung zugelassen werden. Zehn geschützte Habitatsbäume pro Hektar stärkten die Lebensraumvielfalt. »Der Stadtwald ist ein sehr artenreiches Ökosystem«, sagte Kutschker. Zudem wirke sich die Zertifizierung positiv auf den Holzpreis aus. Alle Naturschutzverbände seien für FSC. Lasse die Stadt die Regelung auslaufen, dürften überall breite Rückeschneisen angelegt werden, wertvolle Altholzinseln würden gefährdet.

Bürgermeister Klaus Kreß hat nichts gegen eine erneute Zertifizierung einzuwenden. Die notwendigen Haushaltsmittel seien bereits etatisiert. Eine finanzielle Förderung dafür gebe es allerdings nicht.

Ganz anders sieht Peter Heidt (FDP) die Lage. »Die FSC-Zertifizierung läuft aus, und das ist gut so«, sagte er. Es handele sich um ein grünes Symbolthema, das nichts bringe. Nicht nur Hessen Forst sehe FSC kritisch, selbst Greenpeace sei aus dem Unterstützerkreis ausgeschieden. Hessenweit gingen 8 bis 10 Millionen Euro pro Jahr verloren, weil der Holzertrag sinke. Da die Ernte nicht ausreiche, müsse viel Holz aus Russland importiert werden. Aufgrund des langen Transportwegs sei das eine ökologisch unsinnige Einfuhr.

Liberaler Spott

Wie Untersuchungen zeigten, sei die Artenvielfalt auf bewirtschafteten Waldflächen höher als auf nicht bewirtschafteten. »Tiere und Pflanzen machen eben nicht das, was die Grünen wünschen«, spottete Heidt. Die Ökoziele würden mit FSC nachweislich nicht erreicht, deshalb habe sich Schleswig-Holstein von der Zertifizierung verabschiedet.

Die CDU beantragte eine Überweisung in den Umweltausschuss, die auch beschlossen wurde. Nach Aussage von Fraktionschef Manfred Jordis ist nicht nur Greenpeace ausgestiegen, auch der World Wildlife Fund kritisiere einige Punkte der FSC-Vorgaben.

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