16. Januar 2018, 11:00 Uhr

Sprudelhof

Widerstand gegen Hölzinger-Modell formiert sich

Die Debatte über das Hölzinger-Modell zur Neugestaltung des Areals rund um den Bad Nauheimer Sprudelhof nimmt Fahrt auf, Jetzt hat sich eine Initiativgruppe gegründet, die das Konzept ablehnt.
16. Januar 2018, 11:00 Uhr
Halten nicht viel vom Hölzinger-Modell für den Sprudelhof: Anne Schneider und Dr. Erik Meyer. (Foto: Nici Merz)

In den Gremien und der Bevölkerung scheint eine breite Mehrheit hinter dem städtebaulichen Konzept für den Sprudelhof zu stehen, das vom Bad Nauheimer Architekten Prof. Johannes P. Hölzinger und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha stammt. Dieser Eindruck ist nach Ansicht der Gegner des 100-Millionen-Projekts falsch – zumindest was die Haltung der Bürger angeht.

»Nachdem mein kritischer Leserbrief erschienen ist, habe ich 30 positive Rückmeldungen bekommen«, berichtet Dr. Erik Meyer. Aufgrund dieser Resonanz rief er jene Bürger zu einem Treffen auf, die im Modell Hölzingers keinen großen Wurf sehen – im Gegenteil. Am Donnerstag hat sich eine Initiativgruppe gebildet. Ob daraus eine Bürgerinitiative entsteht, ist offen. Eines ist dagegen klar: »Wir wollen kein Bürgerbegehren, das würde die Gräben vertiefen«, sagt der 76-Jährige.

Befürchtung: Blick wird zugemauert

Die 66-jährige Anne Schneider gehört zu den acht Bürgern, die einen von Meyer formulierten Fragenkatalog an die Stadtverordneten diskutiert haben. Aus Sicht der Gruppe sprechen zahlreiche Argumente gegen das Konzept. Es geht auch, aber nicht nur um die geplante Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße. »Dieser Riegel würde den wunderschönen Blick auf das europaweit einmalige Jugendstilensemble, den Kurpark und Johannisberg zumauern. Dessen müssen wir uns bewusst sein«, betont Schneider.

Damit sich die Bürger ein besseres Bild von der Wirkung der Bebauung machen können, fordert die Gruppe zum einen eine 3 D-Animation, die den Blick auf den Sprudelhof nach Realisierung des Projekts zeigt. Zum anderen soll an der Ludwigstraße ein Elf-Meter-Gerüst aufgestellt werden – so hoch wie die Häuser. »Wenn das Gerüst steht, fällt die Argumentation für das Modell in sich zusammen«, ist die 66-Jährige überzeugt. Von den zehn Meter breiten Durchgängen zwischen den Gebäuden hält sie nichts. Es entstehe ein »Tunnelblick« – eher abschreckend als anziehend.

Zweifel an Parkplatz-Konzept

Aufs Hotel könne ebenfalls verzichtet werden. Hotel und Wohnbebauung würden die Therme aus Richtung Ludwigstraße unsichtbar machen. Für eine Mogelpackung halten Meyer und Schneider die Parkplatz-Argumentation der Befürworter. Zwar entstünden in zwei Tiefgaragen 400 Stellplätze, 160 mehr als bisher an der Therme und auf dem Parkdeck.

Durch Hotelgäste und -beschäftigte, Bewohner der neuen Häuser und Sprudelhof-Besucher verwandele sich dieses Plus aber in ein Minus. »Wird das Konzept realisiert, bräuchten wir 600 Plätze«, sagt Schneider. Die Gruppe spricht sich für Parkdeck-Erweiterung und Tiefgarage an der Therme aus.

Magistratsvorlage ein "Witz"

Die Kritiker halten einen möglichst schnellen Thermalbad-Neubau samt Anbindung ans Badehaus 2 für wünschenswert. »Diese Konzeptbestandteile sind sinnvoll, ihre Finanzierung ist durchgerechnet«, erklärt Meyer. Die Magistratsvorlage zum Gesamtkonzept sei dagegen ein »Witz«, auch was die Finanzierbarkeit angehe. Darin würden die Kosten auf 100 Millionen Euro geschätzt, wobei die Stadt 25 und private Investoren 75 Prozent tragen sollten.

Auf dieser dürftigen Grundlage könnten Stadtverordnete keine solch weitreichende Entscheidung treffen. Meyer: »Warum soll der Grundsatzbeschluss in drei Monaten durchgezogen werden? Lasst uns ein halbes Jahr inne halten und ausgiebig diskutieren.« Magistrat, Verwaltung und Architekt gehe es darum, alles möglichst rasch zu beschließen, bevor größerer Widerstand aufkomme. Die Stadtverordneten würden instrumentalisiert.

Verzicht auf Polemik

Für Hölzinger finden Meyer, Schneider & Co. auch positive Worte. Seinem Denkanstoß sei eine breite Debatte über die Gestaltung des Sprudelhof-Umfelds zu verdanken. »Auf den ersten Blick fand ich das Modell toll, doch wenn man in die Tiefe geht, sieht man viele Schwachpunkte«, sagt Schneider.

Sie und Meyer ziehen sich nicht den Schuh an, Ewiggestrige oder typische Nörgler zu sein. Diesen Eindruck hatten die Sprecher der BI pro Hölzinger-Modell, Klaus Ritt und Johannes Lenz, erweckt. Auf die derbe Kritik der beiden gehen die Mitglieder der Initiativgruppe nicht ein: »Wir wollen sachlich diskutieren, verzichten auf Polemik.«

 

Infokasten

Hölzinger-Modell

Nach mehrjähriger Vorarbeit hatten Architekt Prof. Hölzinger und Fachbereichsleiter Patscha Anfang November das städtebauliche Konzept für das Sprudelhof-Umfeld vorgestellt. Der Inhalt: Neubau von Therme (samt Anbindung ans Badehaus 2) Hotel, zwei Tiefgaragen, terrassierten Grünflächen, Wohnhäusern und Kleinkunst-Spielstätte im Behälterraum des Badehauses 3. Die Kosten werden auf 100 Millionen Euro geschätzt, 75 Prozent davon sollen Privatinvestoren aufbringen. Der Magistrat hat das Hölzinger-Modell abgesegnet, der Ortsbeirat hat es einstimmig gebilligt. Heute (19.30 Uhr, Rathaus-Sitzungssaal) befasst sich der Bauausschuss mit dem Thema, am kommenden Donnerstag (19.30 Uhr, Rathaus-Sitzungssaal) der Haupt- und Finanzausschuss. Am 25. Januar (19.30 Uhr, Trinkkuranlage) soll das Parlament einen Grundsatzbeschluss zur Realisierung des Konzepts fassen und die Aufstellung des B-Plans »Sprudelhof« beschließen. (bk)

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