07. März 2019, 08:00 Uhr

Ernährung

Wetterauer Ernährungsberaterin: Es darf auch mal Schokolade sein

Heute ist der Tag der gesunden Ernährung. Doch was ist eigentlich gesund? Ernährungsberaterin Sabine Reichhold aus Friedberg gibt Antworten und Tipps.
07. März 2019, 08:00 Uhr

Um das Thema Gesundheit ranken sich viele Mythen und Theorien. »Zu viel Fett ist ungesund«, »keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr« oder »Fastfood macht dick« sind nur einige davon. Doch was stimmt? Ich habe Ernährungsberaterin Dr. Sabine Reichhold erzählt, was ich an einem typischen Tag im Büro esse.

Frau Reichhold, ich esse fünf Mahlzeiten am Tag, weil ich mal gehört habe, dass das gesünder ist, als drei große Mahlzeiten zu essen. Stimmt das?

Dr. Sabine Reichhold: Bei den Mahlzeiten ist es so wie ganz häufig in der Ernährungslehre: Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt Menschen, die kommen sehr gut mit drei Mahlzeiten aus und sind dabei gut versorgt und leistungsfähig. Andere brauchen den ein oder anderen Snack, damit sie keinen Leistungsabfall oder Heißhunger bekommen. Man muss auf den eigenen Körper hören.

Dann fangen wir doch gleich Mal mit dem Frühstück an. Vor der Arbeit muss es schnell gehen, deshalb gibt es bei mir Müsli mit Haferflocken, Nüssen und weil ich es gerne süß mag Schokolade. Dazu Milch mit 1,5 Prozent Fett. Zu viel Fett ist ja ungesund, oder?

Reichhold: Davon sind wir in der Beratung mittlerweile weg. Wir brauchen Fette, damit der Organismus gut funktioniert. Deswegen darf es auch eine Vollmilch sein. Beim Schokomüsli würde ich Ihnen raten, darauf zu achten, dass nicht zu viel Zucker zugesetzt ist. Eine schöne Alternative ist ein ganz normales Basismüsli mit ein bisschen Kakao oder geraspelter dunkler Schokolade.

Kein einzelnes Lebensmittel macht eine gute Ernährung aus

Dr. Sabine Reichold

Vormittags brauche ich noch einen Snack, ich halte es nicht bis zum Mittagessen durch. Da gibt es bei mir meistens Joghurt mit Obst und Chiasamen. Die sind ja als Superfood bekannt. Wie viel bringen diese Superfoods?

Reichhold: Kein einzelnes Lebensmittel macht eine gute Ernährung aus. Nur weil ich Chiasamen oder Gojibeeren esse, geht es mir nicht besser. Und außerdem gibt es auch tolle einheimische Superfoods, wenn man sie so nennen will, die uns mindestens genauso gute Inhaltsstoffe liefern. Zum Beispiel Heidelbeeren, Grünkohl oder Wirsing.

Zum Mittagessen gibt es entweder eine Kleinigkeit wie einen Salat, Reste vom Vortag oder auch mal ein Fertiggericht aus dem Supermarkt. Sind Fertiggerichte oder die Pizza vom Lieferservice immer ungesund?

Ernährungsberaterin Dr. Sabine Reichhold (r.) erklärt WZ-Redakteurin Anna-Luisa Hortien, was alles zu einer gesunden Ernährung gehört. 	 (Fotos: Müller/dpa)
Ernährungsberaterin Dr. Sabine Reichhold (r.) erklärt WZ-Redakteurin Anna-Luisa Hortien, w...

Reichhold: Davon, dass ich mal eine Pizza esse, werde ich nicht krank und auch nicht dick, es kommt immer auf das Maß an. Die gute Nachricht ist, dass es im Supermarkt, aber auch in den Restaurants zunehmend gute Dinge gibt, die ich mir aussuchen kann. In den Kühltheken, gibt es relativ wenig verarbeite Suppern oder auch mal kleiner Fertiggerichte wie Gemüsepfannen. Die thailändische und asiatische Küche bietet eine ganze Menge gesünderer Gerichte. Beim Italiener ist der Vorspeisenteller die bessere Alternative, ich kann mir aber auch mal einen vegetarischen Döner gönnen.

Gegen das Tief am Nachmittag darf es dann auch Mal etwas Süßes sein. Die Kollegen bringen auch Mal ein Stück Kuchen oder ein paar Gummibärchen mit. Darf ich auch mal etwas Süßes essen? Oder ist das gleich ungesund?

Reichhold: Ich vergleiche die Ernährung manchmal mit einem Topf. Da packe ich erstmal alles rein, was der Körper braucht. Gute Nährstoffe, Eiweiße, Vitamine und Kohlenhydrate für die Energie. Wenn dann noch so ein bisschen Platz in meinem Topf ist, gibt es noch ein kleines Schmankerl obendrauf. Das ist wichtig, der Genuss darf nicht zu kurz kommen.

Abends nach der Arbeit wird dann zu Hause richtig gekocht. Da kann es aber auch schon Mal 20 Uhr werden, bis ich zum Essen komme. Sollte ich so spät abends noch eine große Mahlzeit essen?

Reichhold: Am Ende des Tages zählt die Energiebilanz, wie viel ich insgesamt gegessen habe, unabhängig davon zu welcher Uhrzeit. Zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen sollten schon rund zwei Stunden liegen, damit der Körper die Chance hat das Essen zu verdauen. Es kann den Schlaf stören, wenn man abends zu reichhaltig isst. Gedünstetes Gemüse ist zum Beispiel leichter verdaulich, als eine Rohkostplatte oder ein T-Bone Steak.

Es macht einen Unterschied, ob das Gemüse roh oder gekocht ist

Dr. Sabine Reichold

Drei Mal die Woche gibt es bei mir Fleisch. Wie viel Fleisch gehört zu einer gesunden Ernährung?

Reichhold: Die Fachgesellschaften empfehlen bei einer Mischkost zwei bis dreimal in der Woche eine Portion Fleisch zu essen, so etwa 300 bis 600 Gramm. Am besten abwechslungsreich, also nicht immer Schwein, es darf auch mal Rind oder Geflügel sein. Dabei macht die Qualität schon einen Unterschied. Fleisch von Weidetieren oder Bio-Fleisch ist von der Zusammensetzung deutlich hochwertiger und hat weniger Inhaltsstoffe, die den Stoffwechsel belasten. Das ist besser für den Körper.

Ich versuche immer auch Gemüse in meine Mahlzeiten einzubauen. Ist Gemüse immer gesund? Oder kann ich was falsch machen?

Reichhold: Es macht einen Unterschied, ob das Gemüse roh oder gekocht ist. Rohes Gemüse kann den Magen-Darm Trakt ganz schön herausfordern. Es gibt auch Menschen, die rohes Gemüse nicht so gut vertragen, genauso wie Obst. Deswegen ist der Begriff »gesund« immer relativ. Das ist eine Frage der Zubereitung und der Mengen.

Bedeutet Übergewicht immer, dass ich mich ungesund ernähre?

Reichhold: Ganz und gar nicht. Man kann sich auch mit guten und gesunden Lebensmitteln so gut ernähren, dass man anfängt dabei zuzunehmen.

Davon, dass ich mal eine Pizza esse, werde ich nicht krank und auch nicht dick

Dr. Sabine Reichold

Was bedeutet gesund eigentlich?

Reichhold: Gesund bedeutet letztlich, dass ich mich sowohl körperlich als auch seelisch gut ernähre, dass ich meinen Körper mit allem versorge, was er braucht. Dass ich fit bin, aber dass auch der Genuss nicht zu kurz kommt. Es gibt nichts, das für alle gilt.

Wie schaffe ich es, mich trotz Stress und viel zu tun gesund zu ernähren? Die Versuchung einfach zum Fertiggericht für die Mikrowelle zu greifen ist groß.

Reichhold: Es gibt mittlerweile gute Fertiggerichte, man muss sich nur die Mühe machen und auf die Verpackungen schauen. Das A und O ist Planung. Mahlzeiten planen, den Einkauf planen, damit eben auch die entsprechenden Sachen da sind. Und dann kann man sich auch mit einem kleinen Zeitbudget gut ernähren. Wer sich im Büro häufiger etwas beim Lieferservice bestellt, kann vorher markieren, was bessere Alternativen sind.

Was sollte ich besser nicht essen?

Reichhold: Eigentlich gibt es keine Verbote in einer guten Ernährung. Man muss darauf achten, dass es dem Körper gut geht. Natürlich sind ein Hamburger, oder eine Pizza lecker, aber wenn ich merke, dass mich das in meiner Leistungsfähigkeit beeinflusst, sollte ich mir doch mal Gedanken machen, ob es nicht anders geht. Aber ich würde das ganze auch gerne entspannter sehen. Es wird heutzutage so viel darüber geredet was ich alles nicht essen soll. Keine Laktose, kein Gluten, keine Fruktose. Ich schaue lieber, was ich alles essen kann, damit es mir gut geht. Und da gehören auch mal Schokolade oder ein Stück Kuchen dazu, solange es ein Maß behält.

Info

Der Verzicht auf Fleisch

Vegetarische und vegane Ernährung liegen immer mehr im Trend. »Aus gesundheitlicher Sicht spricht einiges für eine vegetarische Ernährung, auch bei der Mischkost sollte man einen moderaten Umgang mit Fleisch und Fleischprodukten wahren«, sagt Ernährungsberaterin Dr. Sabine Reichhold. Bei einer veganen Ernährung hingegen müsse man aufpassen, dass der Körper trotzdem gut versorgt sei, das sei nicht einfach. »Bestimmte Nährstoffe sind eben hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthalten.« Deshalb werde auch empfohlen, bei Kindern und Jugendlichen auf eine vegane Ernährung zu verzichten.

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