06. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Podiumsdiskussion zur Landtagswahl

»Wetterau im Wandel«: Nachhaltigkeit gibt’s nicht ohne eigene Anstrengungen

Wie sieht nachhaltige Politik aus? Das wollte die Initiative »Wetterau im Wandel« von fünf Landtagsdirektkandidaten wissen. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es Unterschiede.
06. Oktober 2018, 11:00 Uhr
Nachhaltige Diskussion (v. l.): Volkmar Heitmann (Wetterau im Wandel), Gabi Faulhaber (Linke), Tobias Utter (CDU), Brigitta Nell-Düvel (Grüne), Moderatorin Gila gertz, Wolfgang Patzak (FDP), Mirjam Fuhrmann (SPD) und Helmut Francke (WiW). (Foto: Wagner)

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Gila Gertz, von 1989 bis 1993 erste Wetterauer Umweltdezernentin, nannte als Beispiel Schüler, die anderen Schülern beim Lernen helfen und davon selbst profitieren. Das weist darauf hin, dass Nachhaltigkeit auch eine soziale Seite hat. Im Fokus steht freilich der Klimawandel, und da sind sich die (meisten) Parteien einig: Der Mensch muss gegensteuern. Wird die Erderwärmung nicht deutlich gebremst, ist das Leben von zig Millionen Menschen bedroht und der Fluchtdruck wird massiv steigen. Was tun?

Liest man sich die Antworten von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken auf die »16 Wahlprüfsteine« der Initiative »Wetteraue im Wandel« (WiW) durch, wird erkennbar, dass alle Parteien Klimaschutzprogramme befürworten. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, was auch in der Diskussion zum Ausdruck kam. Insbesondere Wolfgang Patzack (FDP) setzte sich von seinen Mitdiskutanten ab, wenn er die Sinnhaftigkeit von Windkraftanlagen in Zweifel zog, beim Klimaschutz eine »planwirtschaftliche Bevormundung« ablehnte und den Grünen bescheinigte, sie lebten »Emotionen« aus, während die FDP auf »Vernunft« setze. Gelächter unter den rund 70 Zuhörern im Saal. Der Grünen-Slogan zur Hessenwahl lautet ausgerechnet »Vernunft gestaltet geiler«.

Tobias Utter (CDU) warb für die Pariser Klimaschutzziele, betonte aber auch, dass die Umstellung der Weltwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit bedeute, dass jeder einzelne sein Leben umstellen muss. Zum Beispiel bei der Ernährung, wo man mehr auf regionale Produkte setzen und den verbrauch von Lebensmitteln insgesamt reduzieren müsse – nicht weil Utter Werbung für eine Diät machte, sondern weil ein großer Teil der Nahrung heutzutage im Müll landet.

 

"Wahlgeschenke der Regierung"

Gabi Faulhaber (Linke) warb für die »soziale und ökologische Wende«, forderte den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (»Der ÖPNV wurde massiv ausgedünnt«) und stellte fest, bei dem von der Landesregierung initiierten Jobticket handele es sich »um ein Wahlgeschenk für die eigene Klientel«: Ärzte von Krankenhäusern dürften kostenlos fahren, Krankenschwestern erst nach Protesten und die Putzfrauen immer noch nicht.

Um die Unzufriedenheit der Menschen zu begegnen, müsse die Wohnraum-Frage gelöst werden, sagte Mirjam Fuhrmann (SPD). Neue Wohnformen, in denen die Generationen zusammentreffen, müssten unterstützt werden. Industriebrachen müssten zu Wohngebieten umgewidmet werden. Dennoch müsse man weiterhin Bauland ausweisen. Brigitta Nell-Düvel (Grüne) hielt die Ansiedlung des Rewe-Lagers bei Wölfersheim dagegen: »Wir haben Flächennutzungspläne, die eingehalten werden müssen. In Wölfersheim wurde das ausgehebelt.« Grüne und Linke fordern einen »Netto-Null-Flächenverbrauch«. Drei Hektar Fläche gehe in Hessen pro Tag für die Natur verloren, sagte Nell-Düvel. »Wir dürfen keine weiteren Flächen versiegeln. Bauen muss anders laufen.«

 

Zur Vorbereitung hatte das Netzwerk »Wetterau im Wandel« 16 Prüfsteine entwickelt. Die Stellungnahmen der fünf Landtagsparteien sind auf der Internetseite www.wetterauimwandel.de nachzulesen.

Info

Stichwort "Nachhaltigkeit"

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft und bedeutet dort, auf eine einfache Formel gebracht, dass »nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann«. Heute wird dieses Prinzip auch auf andere Lebensbereiche angewendet, etwa beim nachhaltigen Bauen (Niedrig- oder Nullenergiehäuser). Im politischen Sinne meint Nachhaltigkeit laut Duden ein »Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann«. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist überschrieben mit dem Slogan »Der Weg in eine enkelgerechte Zukunft«. »Enkelgerecht« als Synonym für Nachhaltigkeit meint ein Wirtschaftssystem, das die Chancen nachfolgender Generationen nicht mindert (»Generationengerechtigkeit«). (jw)

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