21. Juni 2018, 11:06 Uhr

Grusel-Fund im Kurpark

Wer versenkt tote Katzen im großen Teich?

Sich von einem geliebten Haustier zu verabschieden, fällt schwer. Katzenbesitzer haben in Bad Nauheim einen ungewöhnlichen Weg der Bestattung gewählt, der nicht zur Nachahmung empfohlen ist.
21. Juni 2018, 11:06 Uhr
Unangenehmer Fang: Am Steg auf der Ostseite des großen Teichs hat der ASV-Vorsitzende zwei verpackte und mit Beigaben versehene Katzenkadaver aus dem Wasser gezogen. (Foto: Nici Merz)

Im großen Kurpark-Teich lässt sich mit Glück und Geschick schon mal ein kapitaler Hecht oder Wels fangen. Doch was Ralph Ollmann, Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV) Bad Nauheim, zweimal innerhalb weniger Tage an Land zog, ließ ihm keineswegs das Wasser im Mund zusammenlaufen, sondern drehte eher seinen Magen um. Katzenbesitzer hatten ihre toten Tiere verpackt, mit Steinen beschwert und eine »Seebestattung« vollzogen. »Den Geruch hatte ich eine ganze Woche in der Nase«, sagt Ollmann.

Am Abend des 31. Mai war der ASV-Vorsitzende wie so oft zu einem Steg auf der Ostseite des großen Teichs unterwegs, um seinem Hobby zu frönen. Zu dieser Zeit war der Weg zwischen Teich und Usa wegen der Amphibienwanderung gerade gesperrt. Beim Angeln spürte er plötzlich gewaltigen Widerstand und machte sich daran, die offensichtlich viele Kilogramm schwere Beute an Land zu hieven. Die unerfreuliche Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Vor ihm lag ein nasser Rucksack, den er aufschnitt. Darin befanden sich große Steine, darunter eine Blechbüchse.

 

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Déjà-vu am großen Teich: Erneut hat Ralph Ollmann einen Katzenkadaver aus dem Wasser gezog...

Als Ollmann das Behältnis geöffnet hatte, sah er den Kadaver, außerdem Abschiedsbrief, Lieblingsspielzeug und Plastikblume. »Das Ganze war wohl mindestens eine Woche im Wasser. Der Duft des Todes legte sich über den gesamten abgesperrten Bereich«, berichtet der Angler. Außerdem befand sich in der Büchse eine lilafarbene Schleife. Tage später sah Ollmann ein ähnliches Band an dem Steg befestigt. Offenbar war der trauernde Katzenhalter zum Teich zurückgekehrt.

Den Geruch hatte ich eine ganze Woche in der Nase

ASV-Chef Ralph Ollmann

Am Montag dieser Woche gab es für Ollmann ein Déjà-vu. Er war nachmittags zum Teich gegangen und holte mit der Angelschnur eine schwere Reisetasche vom Grund nach oben. »Diesmal habe ich allerdings darauf verzichtet, die Büchse zu öffnen«, sagt Ollmann. Wieder habe er den städtischen Bauhof verständigen müssen, damit der Kadaver als Sondermüll entsorgt werden konnte. »Das kostet einen Haufen Geld«, weiß der ASV-Vorsitzende. Ähnliche Vorfälle haben er oder seine Vereinskollegen bislang nicht erlebt. In Ober-Mörlen habe man mal ein totes Schaf aus der Usa gezogen. Dieses Tier sei aber offenbar ertrunken.

 

Stadt erstattet Anzeige

Ollmann appelliert an Tierhalter, dem schlechten Beispiel der zwei Katzenfreunde auf keinen Fall zu folgen. Möglicherweise seien die Katzen ja auch an einer schweren Krankheit verendet, auf jeden Fall bilde sich Leichengift, das im Wasser lande. Ohnehin hat der Verein, der sich zusammen mit der Stadt um eine Verbesserung der Wasserqualität des großen Teichs bemüht, ständig mit Abfällen zu tun, die in das Gewässer geworfen werden. Es sammele sich dann im Schilf und werde deshalb von Spaziergängern gar nicht gesehen. »Von Flaschen bis zur Verpackung – alles wird achtlos in die Gegend geschmissen.«

Steffen Schneider, Fachbereichsleiter Kur und Service, will Anzeige erstatten, auch wenn er nicht weiß, um welchen Tatbestand es genau geht. »Es kann nicht sein, dass Leute Taschen mit Kadavern in den Teich werfen«, sagt er. Auch im zweiten Fall hätten sich in der Tasche neben dem toten Tier Beigaben wie Spielzeug befunden. Beseitigt wurden die Kadaver von einer Firma, welche die Überreste zur Tierkörperbeseitigungsanlage bringt.

Info

Begraben oder verbrennen

In Deutschland leben rund 12 Millionen Katzen und 7,4 Millionen Hunde. Was tun, wenn ein Haustier verstirbt? Hartgesottene Halter dürfen die Mülltonne benutzen, falls es sich um ein Kleintier handelt. Für größere Tiere gilt dagegen ein gesetzliches Verbot. Generell ist es untersagt, Hund, Katze und Co. im Wald zu beerdigen. Bei einer solche Ordnungswidrigkeit droht ein Bußgeld von bis zu 15 000 Euro. Im eigenen Garten hat der Tierhalter dagegen freie Hand. Kleintiere dürfen alle begraben werden, bei größeren Exemplaren ist eine Erlaubnis des Veterinäramts erforderlich. Sofern das Tier nicht an einer meldepflichtigen Krankheit verstorben ist, gibt es meist keine Probleme. Allerdings darf sich das Grundstück nicht in einem Wasser- oder Naturschutzgebiet befinden, das Grab muss mindestens einen halben Meter tief sein. Weitere Bestattungswege sind Tierfriedhöfe oder spezialisierte Firmen, die eine Einzel- oder Gemeinschaftsverbrennung anbieten. Nur wenige Haustierbesitzer wählen die Tierkörperbeseitigungsanlage. (bk)

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