12. März 2019, 08:00 Uhr

Immobilienverkauf

Wer den Makler bestellt, bezahlt - Das halten Experten vom Bestellerprinzip beim Hausverkauf

Um den Kauf von Wohneigentum zu erleichtern, will die Bundesverbraucherministerin das Bestellerprinzip für die Maklercourtage einführen. Eine gute Idee? Experten aus Bad Nauheim sind skeptisch.
12. März 2019, 08:00 Uhr

Von Bernd Klühs , 1 Kommentar
Gabriele Stein (l.) und Simone Behrens (Engel & Völkers) halten nichts von den Plänen der Bundesregierung. Sie plädieren für eine Teilung der Maklercourtage. (Foto: nic)

Norbert Witzel ist als Vorsitzender des Bad Nauheimer Vereins Haus & Grund so etwas wie der lokale Lobbyist der Immobilieneigentümer. Trotzdem sagt er über die geplante Einführung des Bestellerprinzips beim Verkauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung: »Wer bestellt, der bezahlt – das ist vom Prinzip her gar nicht falsch.« Diese Botschaft werden manche Hausbesitzer nicht gerne hören, denn sie sollen nach dem Willen von Bundesverbraucherministerin Katarina Barley künftig die Maklercourtage von 6 Prozent zahlen. Bislang wird der Betrag in Hessen dem Käufer berechnet.

Witzel ist allerdings skeptisch, was die gewünschte Wirkung der Änderung angeht. Eine finanzielle Entlastung des Käufers werde wohl kaum erreicht. »Die meisten Verkäufer werden die Mehrkosten über den Immobilienpreis auf den Käufer abwälzen«, ist der Haus & -Grund-Vorsitzende überzeugt. Wenn der Kaufpreis steigt, erhöhen sich auch Grunderwerbssteuer und Notarkosten – letztlich würde der Erwerb eines Hauses möglicherweise sogar teurer als bisher.

 

Know-how bei Immobilienbesitzern?

Werden viele Bad Nauheimer Immobilienbesitzer künftig beim Verkauf auf einen Makler verzichten, um die Courtage zu sparen? Das glaubt Witzel nicht. Das funktioniere vielleicht bei der Veräußerung eines Grundstücks oder einfachen Reihenhauses. Grundsätzlich verfügten Eigentümer aber nicht über genügend Zeit und Fachkenntnisse, um ein solches Geschäft abzuwickeln

Bei Mietwohnungen gelte das Bestellerprinzip bereits seit 2015. Der Vorsitzende kennt viele Mitglieder, die es zunächst selbst versucht haben, dann aber doch einen Makler beauftragt haben. Allein die Aufgabe, bei der Vielzahl von Interessenten die Spreu vom Weizen zu trennen, überfordere viele Eigentümer.

Die Geschäftsführerinnen des Bad Nauheimer Büros der Maklerfirma Engel & Völkers, Simone Behrens und Gabriele Stein, fürchten mittelfristig keine großen Einbußen, sollte das Bestellerprinzip auf den Verkauf ausgeweitet werden. »Am Anfang hätten wir weniger Kunden, im Lauf der Zeit würde es sich aber wieder anpassen«, sagt Behrens. Ähnliche Erfahrungen hat das Büro 2015 gemacht, als das Bestellerprinzip bei Vermietung kam. Laut Stein gingen ein halbes Jahr lang wenige bis gar keine Aufträge ein, dann habe sich die Lage normalisiert. »Heute haben wir mehr Vermietungen denn je.«

 

Profis sehen sich als Vermittler

Hausverkauf ohne Makler – das wird künftig vielleicht öfter als bisher der Fall sein.	(Symbolfoto: dpa)
Hausverkauf ohne Makler – das wird künftig vielleicht öfter als bisher der Fall sein. (Sym...

Gerade beim Immobilienverkauf sei das Know-how von Fachleuten unerlässlich. Die Geschäftsführerinnen nennen einige von vielen Aufgaben, die ein Makler zu erledigen habe: Bewertung der Immobilie, Beschaffung von Unterlagen, Marketingkonzept, Beratung bezüglich Schönheitsreparaturen und Verkaufsverhandlungen.

»Viele Eigentümer wissen gar nicht, wie viel sie für ihr Haus verlangen sollen«, sagt Behrens. Auch mit der Werbung für das Objekt oder den Gesprächen mit Kaufinteressenten seien die meisten Verkäufer überfordert. »Dafür gibt es Profis, die bislang zwischen Verkäufer und Käufer vermitteln«, erklärt Stein.

Sollte das Bestellerprinzip eingeführt werden, sei diese Rolle gefährdet. Wenn der Eigentümer die Courtage zahlen müsse, werde er vom Makler verlangen, nur noch die Verkäuferinteressen zu vertreten. Auch deshalb lehnt der Immobilienverband Deutschland das Reformvorhaben ab. Wie Haus & Grund gehen die Engel & Völkers-Chefinnen davon aus, dass Verkäufer die Maklercourtage auf den Hauspreis draufsatteln.

 

Steuersenkung gefordert

Behrens: »Durch Grunderwerbssteuer und Notargebühren würde das Gesamtpaket der Nebenkosten größer.« Ebenso wie Witzel fordern Behrens und Stein eine Absenkung der Grunderwerbssteuer, um den Hauskauf zu erleichtern. »Diese Steuer wurde von der Landesregierung in den letzten acht Jahren fast verdoppelt, von 3,5 auf 6 Prozent«, erklärt Behrens.

Die Geschäftsführerinnen sprechen sich für eine bundesweit einheitliche Regelung der Maklercourtage aus. »Wir sind dafür, die Kosten zwischen Verkäufer und Käufer zu teilen. Diese Regelung gilt bereits in den meisten Bundesländern.« Mit einer solchen Reform könnte sich auch Haus & Grund-Vorsitzender Witzel anfreunden.

 

Info

Wer bestellt, bezahlt?

Wer den Makler beauftragt, zahlt die Courtage: Dieses Prinzip, das seit 2015 bei der Vermietung gilt, soll nach dem Willen des Bundesverbraucherministeriums auf den Immobilienverkauf übertragen werden. Bislang wird die Courtage in fast allen Bundesländern zwischen Verkäufer und Käufer geteilt. Hessen ist eines von nur vier Ländern, in denen allein der Käufer zahlt. In Hessen wird mit knapp 6 Prozent die bundesweit geringste Courtage verlangt, fast überall in Deutschland sind es gut 7 Prozent. Wer ein Haus erwirbt, muss bei der Finanzierung enorme Nebenkosten berücksichtigen. Beispiel für Hessen: Bei einem Kaufpreis von 300 000 Euro fallen derzeit rund 40 000 Euro an Grunderwerbssteuer, Maklercourtage und Notargebühren an. Durch die Einführung des Bestellerprinzips sollen diese Kosten verringert werden. (bk)

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