21. Oktober 2019, 19:53 Uhr

Wenn zwei Züge kollidieren

21. Oktober 2019, 19:53 Uhr
Rettungskräfte eilen herbei, um die Lage zu sondieren.

Ein realistisches Szenario hatte am Samstag die Übung der Butzbacher Freiwilligen Feuerwehren, schließlich führen rund 22 Kilometer der Main-Weser-Bahn durchs Stadtgebiet. Unterstellt wurde die Kollision eines Personenzugs der Hessischen Landesbahn mit einem Güterwaggon mit Gefahrgut am Gleisdreieck zwischen Holzheimer Straße und Bleichweg.

Die Übung wurde als »Alarm-Übung« durchgeführt. Das bedeutet, dass die Feuerwehrleute vorher nicht darüber informiert waren, sondern den Alarm um 11.55 Uhr auf ihren Wachen zunächst als real annehmen mussten. Die Übung hatte das Ziel, den Erfahrungswert der Feuerwehrleute zu erhöhen und die Abläufe zu optimieren. Die Freiwilligen Feuerwehren der Kernstadt Butzbach, aber auch der Stadtteile Kirch-Göns, Hoch-Weisel, Griedel, Nieder-Weisel, Ostheim und Bodenrod waren beteiligt, ebenso der Rettungsdienst. Zusätzlich wurde aufgrund des unterstellten Unfalls mit Gefahrgut auch der »Rüstsatz Bahn« der Freiwilligen Feuerwehr Glauberg alarmiert.

Weniger als zehn Minuten nach dem Alarm ertönten die Sirenen der anrückenden Mannschaften. Die erste Herausforderung für die Rettungsmannschaften war das Bahngelände, das neben den Schienen steil abfällt und von Dornengestrüpp und Brennnesseln bewachsen ist. Die Feuerwehrleute mussten die örtlichen Gegebenheiten in voller Rettungsmontur überwinden und dabei erste Materialien wie Funkgeräte und Rettungskoffer mitbringen.

Die täuschend echt geschminkten Verletzten-Darsteller hockten oder lagen auf den Schienen oder im Personenzug und schrien um Hilfe. In kurzer Zeit machten sich die Einsatzkräfte ein Bild von der Lage und teilten die anrückenden Mannschaften in verschiedene Aufgabenbereiche ein. Bereits nach einer Dreiviertelstunde hatte sich die Lage so weit geklärt, dass die »Verletzten« größtenteils abtransportiert und in Sicherheit gebracht waren. Auch die Sicherung der vom Güterzug heruntergefallenen Fässer lief auf Hochtouren.

Auch Drohnen im Einsatz

Wie Andrea Bergens, verantwortlich für die Presse- und Medienarbeit bei der Butzbacher Feuerwehr, bestätigte, hatten die Einsatzkräfte sehr unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Die erste Anforderung war die Sondierung der Lage: was, wann, wo, wie viele Verletzte und welche Gefahren? Die verschiedenen Trupps mussten dabei intensive Absprachen über die notwendigen Maßnahmen treffen. Nach der Aufgabenverteilung folgte die Umsetzung in der richtigen Priorität.

Die Verletzten-Darsteller mimten dabei verwirrte, geschockte oder in Panik geratene Personen, die ein besonderes Einfühlungsvermögen der Rettungskräfte erforderten. Das galt auch für den »Unfall« mit dem Gefahrgut: In diesem Szenario waren zwei Menschen mit einer eventuell giftigen Substanz in Berührung gekommen. Hier mussten die Rettungskräfte besonders auf die Sicherheit der Verletzten, aber auch auf ihre eigene Unversehrtheit achten. Darüber hinaus erforderte die »Befreiung« einer im Gleisbett eingeklemmten Person sowie die »Rettung« einer Person von der Eisenbahnbrücke weiteres Gerät.

Bergens erklärte, dass jede der Stadtteilfeuerwehren regelmäßig Notfälle übe. Allerdings sei eine solch umfassende Übung mit allen Stadtteilwehren sehr selten. Neben den Einsatzkräften waren Beobachter vor Ort, die das Vorgehen der Mannschaften genau notierten. Auch drei Drohnen wurden für Filmaufnahmen eingesetzt, um den Fortschritt der Rettungsmaßnahmen zu dokumentieren. Die Auswertung aller Beobachtungen wird einige Zeit dauern, doch sicher eine weitere Verbesserung der Arbeit der Feuerwehren und Rettungskräfte bedeuten.

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