22. Mai 2018, 17:00 Uhr

Heimbesuch

Wenn sie die alten Lieder spielen

Manche weinen. Andere lächeln, aber alle hören genau hin, wenn Adolf Domes und Erna Dauselt aus Butzbach Lieder von früher spielen. Seit Jahren fahren die Rentner in Altenheime und spielen.
22. Mai 2018, 17:00 Uhr
Der Hut gehört dazu. Ist schon immer so gewesen, sagt Adolf Domes. Er und Erna Dauselt besuchen seit Jahren Altenheime und spielen die Lieder von früher. (Foto: sda)

Die meisten Bewohner sind um dieselbe Zeit geboren. Und irgendwie, sagt Adolf Domes, sind sie auch wie eine Familie. »Fast wie Geschwister.« Eine ziemlich große Familie allerdings, verteilt auf Butzbach, Langgöns, Espa. Dort sind nur einige der Altenheime, in denen der 89-jährige Domes und seine Lebensgefährtin Erna Dauselt regelmäßig mit Instrumenten vorbeischauen und die alten Lieder spielen.

An die 400 Lieder sind es, erzählt Domes. »Schön ist es, auf der Welt zu sein« gehört zum Beispiel zum Repertoire, »Liebeskummer lohnt sich nicht« oder »Yesterday«. Und so wie in diesem Lied ist es auch ein bisschen, wenn das Duo spielt. »Yesterday, all my troubles seemed so far away« – so sangen es die Beatles damals. Und es ist wohl genau dieses »Gestern, als die ganzen Sorgen noch so weit weg zu sein schienen«, in das sich die Menschen zurückversetzt fühlen. Einmal, erzählt Domes, hat die Leiterin eines Heims zu ihm gesagt: »Manche Leute sprechen kein Wort, aber Eure Lieder singen sie mit.« Eben weil die Lieder sie an früher erinnern, glaubt er. »Manchmal kommen ihnen die Tränen, wenn wir spielen.« Und manchmal bringt die Musik Freude; gerade wenn die zwei Musiker die fröhlichen Evergreens spielen. »Und dann die Hände zum Himmel, komm lasst uns fröhlich sein« – dann heben viele für einen kurzen Moment wirklich die Hände zum Himmel.

Für das Duo ist das Musizieren eine zeitaufwendige Beschäftigung. Mindestens ein Termin pro Woche, manchmal sind es auch mehr. »Aber wir freuen uns, wenn wir den Leuten eine Freude machen können.«

Wir machen das, solange wir können

Adolf Domes

Dabei sind die zwei selbst nicht mehr die jüngsten. Domes wird kommendes Jahr 90, Erna Dauselt dieses Jahr 80. Die Ziehharmonika, die er trägt, ist kein Leichtgewicht; an die 15 Kilo wiegt das gute Stück, schätzt er. Ja, das merkt er schon. »Ich werde auch langsam alt.« Aber noch nicht so alt, dass er keine Musik mehr machen will. Vor Kurzem erst hat er sich ein neues Akkordeon gekauft. Außerdem bleibt gar keine Zeit, ans Aufhören zu denken, Adolf Domes und Erna Dauselt sind schon für das ganze Jahr ausgebucht, erzählen sie. Da ist es gut, dass sie so ein eingespieltes Team sind: »Sie regelt alles, und ich stelle mich dümmer als ich bin«, sagt Domes.

Und so fahren sie von Heim zu Heim, kennen die meisten Bewohner mit Namen, wie Domes sagt. Domes und Dauselt haben auf diese Weise einige Menschen kennengelernt, viele sind schon gestorben, und viele sind dazugekommen. »Wir machen das, solange wir können«, sagt Domes. Aufhören könne er ohnehin nicht. »Ich kann gar nichts dafür.« Er sei eben mit Musik aufgewachsen – der Vater habe schon Orgel gespielt. Außerdem gibt es diese Momente, die immer wieder zeigen, dass er das Richtige tut. Eine Heimbewohnerin zum Beispiel. Seit Jahren liege sie im Bett, rühre sich nicht, reagiere nicht auf andere. Das Musiker-Duo habe immer eine Sondervorstellung für sie am Bett gegeben. »Und irgendwann hat sie auf die Musik reagiert.«

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