16. Juli 2018, 08:00 Uhr

Autobahn-Raser

Wenn es blitzt, sind meistens Männer am Steuer

»Männer fahren häufiger zu schnell als Frauen«, sagt Aron Wöhe. Er muss es wissen: Der 47-Jährige ist bei der Butzbacher Autobahnpolizei und fast täglich mit dem Radargerät unterwegs.
16. Juli 2018, 08:00 Uhr

Autobahnpolizei

Hessens größte Autobahnstation befindet sich in Butzbach: Vom Bad Homburger Kreuz bis nach Homberg, von Altenstadt nach Haiger – das Arbeitsgebiet der Polizisten umfasst über 190 Autobahnkilometer. Was genau die Mitarbeiter tun? Die WZ hat nachgefragt.


Natürlich bin ich auch schon geblitzt worden«, sagt Aron Wöhe. Satte sieben Punkte hatte der Polizeioberkommissar zeitweise auf seinem Konto in Flensburg. »Das ist aber lange her und hat mir richtig wehgetan. Inzwischen habe ich mir einen passiven Fahrstil angewöhnt.«

Den haben viele andere Autofahrer nicht, weiß Wöhe. Der 47-Jährige ist Messbeamter der mittelhessischen Autobahnpolizei, die ihren Sitz in Butzbach hat. Fast täglich ist er mit einem Lasermessgerät oder Blitzer auf der A 5 oder der A 45 unterwegs. »Etwa einmal pro Minute kommt es im Durchschnitt zu einem Verstoß«, sagt Wöhe. »An manchen Messstellen ist es mehr, an anderen weniger.« Insgesamt rund 66 000 Geschwindigkeitsverstöße wurden 2017 registriert.

Drei Messgeräte sind im Einsatz. Ein Erlass regelt, wann und wo geblitzt wird: Zu Zeiten und Stellen, an denen sich Unfälle aufgrund zu hoher Geschwindigkeit häufen. Oft ist das laut Wöhe im Einfahrtsbereich von Baustellen der Fall. Ende Mai hat er in der Baustelle vor dem Gambacher Kreuz einen jungen Mann mit 190 Stundenkilometern erwischt. 90 zu viel. »Zum Zeitpunkt der Messung hatte er bereits zweimal das Tempo-100-Schild passiert, außerdem war die Baustelle zweimal angekündigt gewesen«, sagt der Polizist. Verstöße dieser Größenordnung seien die Ausnahme.

 

Präsenz zeigen und Fahrer erziehen

 

Wöhe selbst entscheidet, ab welcher Geschwindigkeit der Blitzer auslöst. Zahlen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Nur soviel: Er ist ziemlich kulant. »Bei uns geht es ja nicht ums Geld«, sagt er.

Die Polizei mache die Geschwindigkeitsmessungen, um Präsenz zu zeigen. »Sie dienen aber auch zur Verkehrserziehung, wodurch die Verkehrssicherheit erhöht werden soll. Geschwindigkeitsverstöße sind die Nummer eins der Unfallursachen.«

Wöhe nimmt auch Abstandsverstöße auf. Sie sind nur an bestimmten, speziell geeichten Stellen auf der Autobahn möglich. Gemessen wird von einer Brücke herunter. Und zwar mit »einer Kamera, die den Verkehr aufzeichnet. Die Auflösung ist aber so, dass Fahrer und Kennzeichen nicht zu identifizieren sind.« Hintergrund ist der Datenschutz. Weitere Kameras für jede Spur machten Bilder von Fahrern und Fahrzeugen, allerdings nur, wenn diese zu dicht auffahren. »Das Gerät erkennt die Verstöße von selbst.« Wöhe muss später trotzdem noch mal ran, übernimmt am Computer die Feinauswertung.

Rund 5000 Abstandsverstöße haben er und seine Kollegen 2017 aufgezeichnet. Wann geahndet wird? »Ab der Hälfte des halben Tachowertes.« Wöhe nennt ein Beispiel: Ein Fahrer, der 100 Stundenkilometer fährt, sollte 50 Meter Abstand zu seinem Vordermann halten. Ist er weniger als 25 Meter entfernt und wird von der Kamera erwischt, erhält der Fahrer Post, bekommt eine Geldbuße und einen Punkt oder zwei Punkte – je nach Schwere des Verstoßes.

Für alle, die das Fahrschulwissen nicht mehr präsent haben und sich mit Abständen schwer tun, hat Wöhe einen Tipp: »Auf der Autobahn kann man sich gut an den Leitpfosten orientieren. Sie sind im Abstand von 50 Metern aufgestellt.«

Mit 190 Stundenkilometern fährt ein junger Mann durch die Baustelle am Gambacher Kreuz. Polizist Aron Wöhe hat den Verstoß mit dem Radarmessgerät festgehalten. Mit diesem ist er fast täglich im Bereich der Autobahnpolizei unterwegs. (Fotos: nic)

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