07. August 2018, 18:54 Uhr

Wenn die USA rausfliegen

Einmal Delegierter der Vereinten Nationen (UN) sein – drei Schülerinnen des Friedberger Burggymnasiums haben das (fast) geschafft. In Bonn erlebten sie eine von Schülern simulierte UN-Sitzungswoche, bei der es zu hitzigen Debatten kam. Besonders skurril wurde es, als der Vertreter Nordkoreas über Menschenrechte sprach.
07. August 2018, 18:54 Uhr
Hinter den 150 Delegierten liegt eine ereignisreiche Sitzungswoche. Die jungen Menschen sind aus ganz Deutschland, aus einigen Nachbarländern und sogar aus Bolivien angereist . (Foto: Schülerplanspiel United Nations, www.spun.de)

Ein Raunen geht durch den Sitzungssaal. Nachdem der Delegierte Nordkoreas erst erfolglos einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat beantragt hat, fordert er nun den Rauswurf der Vereinigten Staaten aus der UN. Die Ausschussvorsitzenden rufen die Länder einzeln zur Abstimmung auf. Sollen die USA wirklich von den Vereinten Nationen ausgeschlossen werden?, fragen sich die Delegierten der Generalversammlung. Der Delegierte Nordkoreas hat seinen Antrag damit begründet, dass die USA seit Jahren die Menschenrechte verletzen würden und die Trennung der Kinder von ihren Eltern »das Fass zum Überlaufen« gebracht habe. Die Stimmen werden ausgezählt – und tatsächlich: Mit einer knappen Zweidrittelmehrheit wird beschlossen, die USA aus den Vereinten Nationen zu verweisen.

Diese Szene spielte sich während der 22. Sitzungswoche des Schülerplanspiels United Nations (SPUN) in Bonn ab. Das diesjährige Motto lautete »Freiheit ist kein Privileg, sondern eine Aufgabe«. Zusammen mit Clara Neisel und Tabea Gruß – beide ebenfalls Schülerinnen des Burggymnasiums in Friedberg – und zwei weiteren Freunden aus München habe ich Südafrika bei der Sitzungswoche vertreten. Etwa 150 Jugendliche kamen aus ganz Deutschland zusammen, um eine Woche lang in die Rolle von UN-Delegierten zu schlüpfen, zu debattieren und neue Freunde zu finden.

Eröffnet wurde SPUN mit den Reden der Vertreter der einzelnen Länder im Plenarsaal im »Haus der Geschichte«,wodurch ein erster Überblick über die einzelnen Positionen der Mitgliedsstaaten entstand.

Gnade für die Vereinigten Staaten

Es folgten die erste Sitzung und die sogenannte Nations Night, zu der jede Delegation Spezialitäten des zu vertretenden Landes mitbrachte. Von japanischem Seetang bis zu gefüllten Weinblättern aus der Türkei – an Köstlichkeiten mangelte es nicht.

Alle Mitglieder unserer Delegation nahmen an den Sitzungen eines Ausschusses teil und beschäftigten sich dort mit verschiedenen Themen. Ich war diesmal Delegierte in der Generalversammlung, die Menschenhandel, das Problem des internationalen Drogenhandels und die Flüchtlingskrise behandelte und Resolutionen zu diesen Themen verabschiedete. Bevor SPUN begann, hatten wir uns selbstständig über die Themen und in den Ländern vorkommende Ansichten zu informieren. Dadurch habe ich viel über Südafrika gelernt, zum Beispiel, dass das Land ein erhebliches Flüchtlingsproblem hat und es zu den großen Aufnahmeländern gehört.

Um eine echte Sitzung der Vereinten Nationen möglichst gut simulieren zu können, mussten alle Delegierten Ausschusskleidung tragen und die Geschäftsordnung, die sich an die Charta der Vereinten Nationen anlehnt, beachten. So mussten wir unser Länderschild heben, wenn wir etwas sagen wollten, und von uns selbst immer in der dritten Person sprechen.

Im Laufe der Sitzungen kam es immer wieder zu außergewöhnlichen Auseinandersetzungen oder Forderungen, wie zum Beispiel der nach dem Rauswurf der USA aus den Vereinten Nationen. Die Delegierten der Vereinigten Staaten wurden daraufhin von den Sitzungen jedes Ausschusses ausgeschlossen – allerdings nur für eine halbe Stunde, da das Generalsekretariat nicht zu hart sein wollte.

Gemeinschaft in der Jugendherberge

Nach der zwar interessanten, aber anstrengenden Arbeit im Ausschuss fand der inoffizielle Teil der Sitzungswoche, das Abendprogramm statt, das vom Carpe-Noctem-Team organisiert wurde. Die 150 Jugendlichen waren bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, bei der UN-Jugenddelegierte Antonia Kuhn mit Professoren und Lehrern über das deutsche Schulsystem diskutierte.

Das Besondere an SPUN ist auch, dass alle Schüler in einer Jugendherberge untergebracht sind. Dadurch ist es möglich, abends noch lange zusammenzusitzen, sich zu unterhalten und neue Freundschaften zu schließen.

Insgesamt ist SPUN eine einzigartige Erfahrung, und meine Mitdelegierten und ich freuen uns schon auf die 23. Sitzungswoche im nächsten Jahr.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ausschüsse
  • Flüchtlingsfrage
  • Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Jugendherbergen
  • Menschenhandel
  • Menschenrechte
  • Nationen
  • Sitzungen
  • UNO
  • Vertreter
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen