29. Oktober 2019, 11:00 Uhr

Selbsthilfegruppe

Wenn die Angst überhandnimmt

Zittern, Herzklopfen, Enge-Gefühl: Angst kann ein Leben komplett bestimmen. Doch was können Betroffene tun, wenn Panikattacken plötzlich über sie hereinbrechen? Eine Wetterauer Selbsthilfegruppe befasst sich mit diesem Thema - einige Plätze sind noch frei.
29. Oktober 2019, 11:00 Uhr
Zum Ausbruch kommen Panikattacken häufig in schwierigen Lebenssituationen. Hilfe bekommen Betroffene in einer Selbsthilfegruppe in Friedberg. (Symbolfoto: dpa)

Die Angst schlich sich langsam in das Leben von Laura M. (Name geändert ). Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt die Frau aus dem Wetteraukreis offen über ihr Problem, dessentwegen sie Selbsthilfegruppen in Butzbach und Friedberg gründete. Für die Gruppe in Friedberg sucht sie noch Mitglieder, die jeden Alters sein dürfen. »Ob 20, 40 oder 60 Jahre - Krankheit kennt kein Alter«, sagt sie.

Es begann vor 15 Jahren, als M. einen Autounfall hatte. Ihr war zwar nichts passiert, »ich dachte, ich hätte es gut weggesteckt«, erzählt sie. Doch sie begann anschließend, Autobahnen zu meiden. Die Angst weitete sich auf Parkhäuser aus, schließlich auf Kliniken, bis M. plötzlich vor fast allem außerhalb ihres Wohnhauses Angst entwickelte. Daheim war alles gut, fühlte sie sich sicher und geschützt.

Als sie und ihr Mann eines Tages eine Autofahrt nach Köln abbrechen mussten, weil sie es im Pkw nicht mehr aushielt, suchte sie ihren Hausarzt auf. Der Doktor verschrieb Tabletten und eine Verhaltenstherapie. »Der Therapeut gab mir dann den Tipp, dass auch eine Selbsthilfegruppe etwas für mich sein könnte«, schildert sie. M. probierte verschiedene Angebote aus, bis sie sich in einer Gießener Gruppe gut aufgehoben fühlte. Neun Jahre ging sie dorthin, obwohl das Thema dort vor allem Depressionen war. »Eine Angstgruppe gab es nicht«, erzählt sie. Anfangs fuhr ihr Mann sie hin, bis sie stark genug war, den Weg allein zu bewältigen. Als sie wegen einer Terminkollision nicht mehr nach Gießen fahren konnte, beschloss sie, eine eigene Angst-Gruppe zu gründen. Über einen Kontakt zur Diakonie Butzbach gelang dies. Die Diakonie schaltete eine Zeitungsanzeige, auf die sich Betroffene melden konnten. Dies ist nun sieben Jahre her.

Handy muss aus sein

»Der Zuspruch war rege, es waren zehn Leute beim ersten Treffen«, erzählt M. Beinahe habe sie überlegt, die Teilnehmer auf zwei Gruppen zu verteilen. Stets hat sie eine Sanduhr dabei, die fünf Minuten läuft. Reihum bekommen die Teilnehmer die Sanduhr und können fünf Minuten erzählen, was sie bewegt. M. achtet darauf, die zehn Gruppen-Regeln einzuhalten. So sollen die Mitglieder keine Zweiergespräche halten und bohrende Fragen stellen, sie sollen die Termine ernst nehmen und das Handy muss aus sein. Falls es doch zu Zweiergesprächen kommt, läutet sie ein Glöckchen.

Wichtig ist M. ein harmonisches Klima. Die Ängste sind vielfältig, jeder hat einen anderen Auslöser. Angst, in den Fahrstuhl zu steigen, Zukunftsangst oder Angst, zur Arbeit zu gehen sind Beispiele. Symbol der Gruppe in Butzbach ist ein Rettungsanker. Die Teilnahme tue gut, ihre Ängste konnte M. dadurch gut bearbeiten. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben, gründete sie eine zweite Gruppe in Friedberg, die seit einem Jahr besteht. Symbol ist dort ein gelbes Boot.

Was hilft es? »Es ist das Gefühl, im selben Boot zu sitzen - alle haben eine Angst, aber auf andere Weise.« In der Gruppe könne sie sich öffnen, alles erzählen, jeder verstehe sie. »Ich erzähle, was mir geholfen hat und man kann etwas übernehmen.« Wichtig ist ihr, dass es keine »Trauergruppe« ist. Bei Erstkontakten sagten Interessenten oft, sie hätten Bedenken, durch die Probleme anderer runtergezogen zu werden. »Dann sage ich: ›Das ist nicht so. Wir lachen auch viel.‹« Es sei ein Aufbauen, kein Runterziehen.

Während die Butzbacher Gruppe derzeit voll ist, kann das Friedberger Angebot noch Zuwachs gebrauchen. Menschen mit Ängsten, die sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen, sind eingeladen, sich zu melden.

Zweimal pro Monat Treffen

Die Selbsthilfegruppe »Gelbes Boot« für Menschen, die unter Ängsten und Panik leiden, trifft sich stets am ersten und dritten Donnerstag im Monat in Friedberg (18-19.30 Uhr). Um Anmeldung wird gebeten, entweder bei der Selbsthilfekontaktstelle des Wetteraukreises unter E-Mail Anette.Obleser@wetteraukreis.de), bzw. Telefonnummer 0 60 31/83 23 45 oder unter Telefonnummer 01 51/1 50 62 09 35.

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