08. April 2018, 15:00 Uhr

Streit um Besuchsrecht

Wenn Väter den Kontakt zu ihren Kindern verlieren

Ulf Hildebrand versteht die Welt nicht mehr. Seit einem Jahr hat er seine Kinder nicht mehr gesehen. Seine Frau zog ins Frauenhaus, er ist sich keiner Schuld bewusst.
08. April 2018, 15:00 Uhr
Gerne würde Ulf Hildebrand etwas mit seinen Jungs unternehmen. Die Mutter verhindert das. Er weiß nicht einmal, wo sich seine Kinder derzeit aufhalten. (Symbolfoto: dpa) (Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa))

Die Anklage, Ulf Hildebrand (Name geändert) habe seine Frau misshandelt, wurde vor Gericht abgewiesen. Seine Frau sei nicht erschienen, erzählt er. Er schwört: »Ich habe meine Frau nicht geschlagen. Ich habe sie weggestoßen, nachdem sie auf mich eingeschlagen hat.« Mehr aber auch nicht. »Im März 2017 hatten wir Streit. Am anderen Tag war sie weg und hat die beiden Jungs mitgenommen.« Wo sich Fynn (7) und Luca (4) aufhalten und ob es ihnen gut geht – Hildebrand weiß es nicht. »Das macht mich nervlich fertig. Manchmal sitze ich einfach nur da und heule.«

Hildebrand ist ein sportlicher junger Mann Mitte 30. Er trägt Tattoos auf den Armen, lächelt bei der Begrüßung, doch dann verfinstert sich seine Miene. »Ohne meine Mutter und meine Freunde wäre ich längst verhungert.« Die Schulden drücken. Nach einem Unfall konnte er seinen Beruf als Installateur nicht mehr ausüben. Er hat eine Umschulung absolviert und den Arbeitsvertrag schon in der Tasche.

Drogenabhängigkeit bewältigt

Seine Frau lernte er in Thailand kennen. Dass er eine Drogenabhängigkeit hinter sich hat, habe sie von Anfang an gewusst. »Ich bin seit zehn Jahren weg von dem Zeug.« Lange Zeit sei alles gut gegangen in der Ehe, dann kam es immer wieder zum Streit. Aber Gewalt in der Ehe? »Nicht mein Ding.« Auch die beiden Jungen habe er nie geschlagen.

Als seine Frau mit den Kindern auszog, begann für Hildebrand eine harte Zeit. »Ich weiß nicht, wo meine Kinder wohnen und wo der Älteste zur Schule geht. Ab und zu kann ich mit ihnen telefonieren, meistens ist mein Anschluss blockiert.« Einmal habe er beim Telefonat gehört, wie seine Frau auf die Frage eines der Söhne, warum der Papa nicht da sei, geantwortet habe: »Weil er Euch hasst.« Hildebrand kann das nicht fassen. »Ich liebe meine Kinder. Alles soll doch zum Wohle der Kinder sein. Für mich bedeutet das: Papa und Mama müssen Zugang zu ihnen haben.« Dieser werde ihm aber verwehrt.

Suche per Auto

So ganz richtig ist das nicht. Eine Gerichtsverhandlung zum Besuchsrecht hat er versäumt, sich aber nachher entschuldigt. Das Jugendamt habe ihm angeboten, er könne die Kinder sehen, es müsse aber eine Begleitperson dabei sein. »Das will ich nicht. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.«

Und so fährt Hildebrand mit dem Auto durch den Main-Kinzig-Kreis, wo er Frau und Kinder vermutet, und klappert die Schulen ab, wo er den ältesten Sohn zu sehen hofft. Ohne Erfolg. Die Geburtstage seiner Kinder hat er verpasst. »Wer spricht mit meinen Kindern Deutsch? Meine Frau kann nur Thai-Deutsch.« Sie vernachlässige die Kinder, lasse sie abends spät noch Fernsehen schauen. »Dem Siebenjährigen sind schon zwei Backenzähne verfault.«

20 000 Euro Schulden

Ulf Hildebrand hat Wut im Bauch. Er versteht das alles nicht. Langsam weiß er auch nicht mehr, wie er seine Schulden bezahlen soll. »Meine Frau kriegt Hartz IV, besitzt aber ein Grundstück in Thailand, das wir von meinem Geld gekauft haben.« Ihren Auto-Führerschein habe sie vom Sparkonto des ältesten Sohnes bezahlt, dafür habe sie eine Unterschrift gefälscht. Durch Krankheit, Arbeitslosigkeit und die Kündigung der gemeinsamen Wohnung habe er rund 20 000 Euro Schulden aufgehäuft. »Das soll ich jetzt alleine abbezahlen.«

Wird der Unterhalt für die Kinder vom Konto abgebucht, blieben ihm 100 Euro zum Leben. Für die Rechtsstreitigkeiten hat Hildebrand Prozesskostenhilfe bewilligt bekommen. Er hat sich einen Anwalt in Frankfurt gesucht. Eine große Hilfe sei der nicht. »Von dem habe ich im November letztmals etwas gehört.« Er kriege Gänsehaut, wenn er an all das denke. »Das frisst mich auf, da wird man depressiv«, beschreibt er seine Stimmung. »Als Vater sind einem vor dem Gesetz die Hände gebunden.«

Das ist Ulf Hildebrands Geschichte. Wie seine Frau sie erzählen würde, steht auf einem anderen Blatt. Er habe sich neu verliebt, erzählt er am Ende. Jetzt zeichnet sich ein Lächeln auf seinen Lippen ab. Bald wird er zum dritten Mal Vater. Aber ob das den Verlust der Söhne wettmachen kann?

 

Infokasten

Entscheidung liegt beim Gericht

Frauenhäuser geben Frauen und Kindern Schutz und Geborgenheit, wenn es zu Fällen von Gewalt in der Ehe kommt. Viele Väter sehen sich aber im Nachteil, wenn es um die Besuchsrechte geht. In Frankfurt hat sich deshalb der Verein »Väteraufbruch« gegründet. Über das Besuchsrecht entscheidet das Familiengericht. Die Jugendämter seien an die gerichtlichen Verfügungen gebunden, sagt ein Sprecher des Jugendamtes beim Wetteraukreis. Der eigene Spielraum sei sehr begrenzt. Mit dem Besuchsrecht unter Beteiligung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters habe man gute Erfahrungen gemacht. Auch sei dies nur der erste Schritt auf einem langen Weg. Die Besuche würden protokolliert, die Berichte in die Entscheidungen des Familiengerichts einfließen. Mit der Zeit könne die Begleitung dann wegfallen. Eine solche Regelung von Anfang an abzulehnen, mache die Sache aber nicht einfacher, sagt der Sprecher. (jw)

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