13. November 2018, 21:38 Uhr

Wenn Laien lesen und predigen

13. November 2018, 21:38 Uhr
Propst Matthias Schmidt (l.) beauftragt in einem Gottesdienst in Okarben 13 Lektoren. Sie haben eine elfmonatige Ausbildung absolviert, die die Pfarrer Michael Neugber (2. v. l.), Ernst Rohleder (3. v. l.) Ulrike May (2. v. r) und Johannes Misterek (r.) organisiert haben. (Foto: pv)

In der evangelischen Kirche dürfen auch Ehrenamtliche predigen. Nach evangelischem Verständnis ist Verkündigung nicht alleine Sache ordinierter Pfarrerinnen und Pfarrer. Auch Schreiner, Zahnärztinnen oder Finanzbeamte dürfen auf die Kanzel, wenn sie entsprechend ausgebildet und beauftragt sind. Propst Matthias Schmidt hat am Sonntag in einem Gottesdienst in Okarben 13 Lektorinnen und Lektoren in ihr Amt eingeführt. Elf Monate sind die Christen für dieses Amt ausgebildet worden. Nun sind sie selbstständig in der Lage einen Gottesdienst zu gestalten und eine Lesepredigt zu halten. Dekan Volkhard Guth machte deutlich, dass sich der biblische Verkündigungsauftrag an alle Gläubigen richte.

Nach der Vorbereitungszeit und ihrer Beauftragung als Lektoren dürfen die vier Frauen und neun Männer nur ihren Dienst in den Gemeinden aufnehmen. Lektor oder Lektorin kann jeder werden, der Mitglied der evangelischen Kirche ist. Zu den Unterrichtsstunden kommen Eigenstudium und ein Gemeindepraktikum unter der Anleitung eines Mentors hinzu, teilt das evangelische Dekanat Wetterau mit. Der Kirchenvorsteher Matthias Hellenau hat sich durch die Beschäftigung mit den Gedanken Martin Luthers im vergangenen Jahr zu der Ausbildung inspirieren lassen. Seit Jahresbeginn hat er sich elf Samstage mit Liturgie und dem eigenen Auftreten im Gottesdienst beschäftigt. »Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch die weiterführende Ausbildung zum Prädikanten absolvieren möchte«, verrät er. »Während Lektoren Predigten nur verlesen, lernen Prädikanten eigene Predigten zu verfassen,« erklärt Pfarrer Ernst Rohleder, der zusammen mit Pfarrer Johannes Misterek, Pfarrerin Ulrike May und Pfarrer Michael Neugber für die Ausbildung der Lektoren und Prädikanten zuständig ist.

Propst Matthias Schmidt führte in seiner Predigt aus, dass Gottesdienste immer wieder neue Impulse brauchen. »In unserer Event-Gesellschaft wird der Gottesdienst immer mehr zur Nebensache.« , bedauerte der Geistliche. »Ob Menschen berührt werden, haben wir nicht in der Hand«, weiß Schmidt.

Prädikanten-Ausbildung folgt

Für Peter Hohmann aus Bruchenbrücken ist die Ausbildung eine Bereicherung. »Zu predigen ist für mich eine spirituelle Erfahrung«, sagt er. Die Lektoren seien in der Ausbildung zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen und hätten sich entschieden, miteinander weiterzulernen. »Ich glaube, dass es für die Gemeinden wichtig ist, dass das Evangelium auf verschiedene Art und Weise und von ganz unterschiedlichen Menschen verkündigt wird«, erklärt Schmidt.

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