29. Januar 2018, 19:56 Uhr

Wenn Indiana Jones arbeitslos wird

29. Januar 2018, 19:56 Uhr

Über neue Forschungen und Entwicklungen in der Archäologie berichtete Sascha Piffko kürzlich beim Kultur- und Geschichtsverein. Vor fast drei Jahren gründete er eine kleine Grabungsfirma namens SPAU (Sascha Piffko – Archäologische Untersuchungen), die inzwischen auf 24 feste Mitarbeiter angewachsen ist.

Ein Herzensanliegen sei ihm die Schaffung fester und unbefristeter Arbeitsstellen für Archäologen, da deren Arbeitsbedingungen in Deutschland immer noch katastrophal seien. Befristete Stellen, oft ohne soziale Absicherung in Werkverträgen, und der Gang zum Arbeitsamt seien insbesondere in den Wintermonaten nicht unüblich, die drohende Altersarmut werde oft zu spät registriert. Piffko selbst blieb das erspart, da er viele Jahre beim Land Hessen als Grabungsleiter angestellt war. Dennoch wolle er mit seiner Firma einen nachhaltigen Weg beschreiten. Er berichtete von der Verurteilung eines Unternehmers, der ins Gefängnis müsse, weil er zahlreiche Archäologen als Scheinselbstständige beschäftigt habe.

Piffko berichtete den Zuhörern aber auch von aktuellen Ausgrabungen und anderen Projekten, die seine Firma in Hessen und Bayern durchführt. Im Wetteraukreis etwa habe man beim Bau eines Autohauses in Bad Nauheim Reste einer bandkeramischen Besiedlung vor über 7000 Jahren entdeckt, beim Bau einer großen Landwirtschaftshalle in Echzell Spuren der Römer, und in Butzbach in der Nähe des Marktplatzes bei Aushubarbeiten die Fundamente der mittelalterlichen Bebauung – mit außergewöhnlichen Funden aus Leder aus jener Zeit. In Altenstadt untersuchte man eine keltische Siedlung aus der Zeit des Glauberg-Fürsten, worüber eine SPAU-Mitarbeiterin gerade ihre Abschlussarbeit an der Uni Marburg schreibe. Die größten Ausgrabungen habe die Firma aber im Main-Kinzig-Kreis in Erlensee, wo bei der Voruntersuchung eines Baugebietes in einer bronzezeitlichen Siedlung auch ein ungewöhnlicher Grabhügel untersucht werde. In Neuberg habe sein Team eine steinerne Grabkammer ausgegraben.

Sehr hilfreich erwies sich laut Piffko die Einrichtung einer professionellen archäologischen Restaurierungswerkstatt in der Firma. Auch dank der Einstellung einer Anthropologin könne eine hohe Qualitätsstufe erreicht werden. Inzwischen betreue SPAU fast 50 Projekte pro Jahr in drei Bundesländern. Neue Herausforderungen für die Archäologie gebe es durch die aktuelle rege Bautätigkeit und künftige Großprojekte wie die geplante Windstromtrasse »Südlink«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Agentur für Arbeit Haßfurt
  • Arbeitslosigkeit
  • Arbeitsämter
  • Indiana Jones
  • Philipps-Universität Marburg
  • Rockenberg
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos