28. Mai 2018, 08:00 Uhr

Feuerwehr

Wenn Feuerwehren im Einsatz gegen Unwetter sind

Wegen schwerer Unwetter laufen Keller voll, umgestürzte Bäume müssen beseitigt werden, zuletzt in Reichelsheim. Der Wetterauer Kreisbrandinspektor Lars Henrich über die Auswirkungen.
28. Mai 2018, 08:00 Uhr
(Symbolfoto: dpa) (Foto: Daniel Bockwoldt (dpa))

Herr Henrich, am Dienstag gab es wieder ein schweres Unwetter, dieses Mal sind in Reichelsheim die Keller vollgelaufen. Nehmen schwere Unwetter an der Zahl zu?

Lars Henrich: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Feuerwehr-Einsätze im Bereich der Hilfeleistung zugenommen. Dies gilt auch für Einsätze bei Unwetter. Die Zahl der Unwetter ist gestiegen.

Wie viele Unwettereinsätze hatten die Wetterauer Feuerwehren 2017?

Henrich: Im Jahre 2017 mussten die Feuerwehren im Wetteraukreis 92 Unwettereinsätze bewältigen.

Welches waren die gravierendsten Unwetter 2017 im Wetteraukreis?

Henrich: Glücklicherweise kann man sagen, dass gravierende Unwetterlagen im Jahre 2017 ausgeblieben sind. Bei den 92 Ereignissen kam es in der Regel zu kleineren Einsätzen: einzelne Keller auspumpen, Straßen sichern, umgestürzte Bäume beseitigen.

 

Lars Henrich 	(Archivfoto: prw)
Lars Henrich (Archivfoto: prw)

 

An welche großen Unwetterereignisse der letzten zehn Jahre erinnern Sie sich?

Henrich: Ich erinnere mich an einen gravierenden Einsatz am 13. Juli 2014 während des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft. Gegen 16 Uhr zog eine Unwetterfront über den Wetteraukreis. Der Niddaer Stadtteil Wallernhausen wurde durch eine Schlammlawine überschwemmt. Auch Gedern, Ortenberg und Hirzenhain waren betroffen. Hunderte ehrenamtliche Einsatzkräfte konnten den Sieg der Deutschen Fußballmannschaft nur über Radio miterleben.

Die Aufgaben der Feuerwehr umfassen längst viel mehr als Brandbekämpfung und Brandschutz. Wie viel Anteil an Ihren Gesamteinsatzstunden haben Wetterereignisse?

Im Jahre 2017 mussten die Feuerwehren im Wetteraukreis 92 Unwettereinsätze bewältigen

Lars Henrich

Henrich: Im Jahre 2017 haben die Feuerwehren 12 307 Einsatzstunden an Hilfeleistung erbracht. Eine Abgrenzung der Unwettereinsätze ist detailliert nicht möglich. Grundsätzlich kann man sagen, dass bei einem Tätigwerden der Feuerwehr eine kleinere Einsatzstelle etwa einen einstündigen Einsatz erfordert.

Manche Feuerwehren haben bereits ein Nachwuchsproblem oder können am Tag ihre notwendige Einsatzstärke nicht mehr garantieren. Wie wirken sich die Unwettereinsätze darauf aus?

Henrich: Die Arbeitsplatzsituationen und die steigenden Anforderungen im Arbeitsalltag ihrer aktiven Mitglieder müssen die Feuerwehren in der Alarmplanung berücksichtigen. Dies wird auch flächendeckend durch die kommunalen Feuerwehren beachtet. Die Verfügbarkeit von ehrenamtlichen Einsatzkräften wirkt sich grundlegend auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren aus. Deshalb werden jeweils mehr Einsatzkräfte alarmiert, um eine ausreichende Einsatzstärke zu erreichen, beispielsweise werden relativ früh weitere Stadtteil- oder Ortsteilfeuerwehren alarmiert.

Hat sich mit den Unwettern die Ausbildung der Feuerwehr geändert?

Henrich: Eine Notwendigkeit zur Änderung der Ausbildung ergibt sich durch die Unwetterlagen nicht. Die Ausbildung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte ist im Wetteraukreis, wie im gesamten Land Hessen, auf einem guten Niveau. Die Ausbildung der Führungskräfte wird im Bereich der Stabsarbeit aufgefrischt, weil in der Regel bei Unwetterlagen kommunale Führungsstäbe, die Einsatzleitung, eingerichtet werden. Diese Führungsstäbe entscheiden über die Prioritäten der Bearbeitung auf kommunaler Ebene.

Es wird verstärkt zu punktuellen Ereignissen kommen. Die Zahl der Einsätze wird weiter steigen

Lars Henrich

Welche Trainingsmöglichkeiten in Bezug auf Hochwasser oder umgestürzte Bäume gibt es überhaupt?

Henrich: Hier werden überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte im Bereich der Führungsaufgaben geschult. Es werden fiktive Lagen über eine größere Fläche theoretisch eingespielt, und diese müssen dann nach den einsatztaktisch-organisatorischen Grundsätzen bearbeitet werden. Als praktische Ausbildungsmöglichkeit bietet der Wetteraukreis Lehrgänge im Bereich der Motorkettensägen-Anwendung an.

Welche Auswirkung hat der Kampf gegen Wassermassen oder Windwürfe auf den Ausrüstungsbedarf der Wehren?

Henrich: Während der Bewältigung von Unwettereinsätzen werden die Ausrüstungsgegenstände wie Pumpen und Schläuche sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Leistungsdauer der Gerätschaften verkürzt sich hierdurch. Weiterhin wachsen die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung wie die Einsatzkleidung.

Sind die Wetterauer Wehren da auf dem aktuellen Stand beziehungsweise woran fehlt es?

Henrich: Die kommunalen Feuerwehren im Wetteraukreis sind grundsätzlich auf einem guten Niveau ausgestattet. Die Kommunen haben die Notwendigkeit der finanziellen Ausstattung der Feuerwehren für Beschaffungen schon vor Jahren erkannt und stellen dies auch im möglichen Umfang sicher.

Was sind beim Einsatz gegen Wind und Wetter die größten Herausforderungen für die Einsatzkräfte?

Henrich: Die größten Herausforderungen sind die zusätzlichen Gefahren und deren Beurteilung.

Ein kleiner Blick in die Zukunft? Wie sehen Sie unter dem Aspekt Unwetter die künftige Entwicklung der Feuerwehren?

Henrich: Grundsätzlich werden die Anforderungen an die Feuerwehren und deren Aufgabenumfang in den nächsten Jahren steigen. Im Bereich der Unwetterlagen wird dies ebenfalls der Fall sein, da Meteorologen eine Zunahme der Zahl und der Intensität von Unwettern vorhersagen. Es wird außerdem verstärkt zu punktuellen Ereignissen kommen. Die Zahl der Einsätze wird weiter steigen.

Info

Unwetter in Reichelsheim

In Reichelsheim hatten 70 Feuerwehrleute wegen des Unwetters am vergangenen Dienstag einen wahren Einsatzmarathon zu bewältigen. Regen, Hagel und Gewitter wüteten, vor allem Reichelsheim und Heuchelheim waren betroffen. Keller liefen voll, ein Blitz schlug in einen Stromkasten in Blofeld ein. Die Einsätze dauerten von etwa 18.30 bis 0.30 Uhr, und auch am Mittwoch waren die Einsatzkräfte wegen der Unwetter-Folgen gefordert. (agl)

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