23. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Neue Selbsthilfegruppe

Wenn Essen krank macht

Sabine Busch aus Nidda hat eine besondere Allergie: Sie verträgt kein Nickel. Die Diagnose war schwierig. Jetzt möchte sie anderen Betroffenen helfen.
23. Oktober 2019, 08:00 Uhr
Das Glas Milch wird bei einer Laktoseintoleranz nicht vertragen und kann zu Bauchschmerzen und Übelkeit führen.

Sabine Busch aus Nidda hatte nach dem Essen bestimmter Lebensmittel starke körperliche Reaktionen: Darmprobleme, Migräne, Übelkeit, Schwindel. Sie hatte bereits eine Vermutung: eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine Allergie. Doch viele Ärzte, die sie zunächst aufsuchte, konnten ihr nicht helfen: »Alle Tests waren immer negativ«, sagt Busch. Es war eine Odyssee. »Schließlich haben selbst Freunde und die Familie gesagt, es sei alles psychisch und ich solle mich nicht so anstellen«, erinnert sie sich. Sie stellte sich nicht an. Sie litt. Selbst bei den aus dem Fernsehen bekannten »Ernährungsdocs« suchte sie Hilfe. Wirklich geholfen haben etliche stationäre Klinikaufenthalte und dabei besonders der Austausch mit anderen Betroffenen.

Schließlich war klar: Sabine Busch leidet unter einer besonderen Form der Nickelallergie: eine sogenannte orale Nickelallergie. Viele Menschen kennen die Kontaktallergie auf Nickel, die beim Tragen von Uhren, Schmuck oder Gürtel Quaddeln auslöst.

Nickelallergie: Der Kochtopf ist schuld

Eine orale Nickelallergie ist anders. Was viele nicht wissen: Es gibt Lebensmittel, die Nickel enthalten, und da der Darm auch zum Großteil aus Haut und Schleimhaut besteht, treten dort die Reaktionen auf. Übelkeit und Durchfall, um nur zwei zu nennen. Und besonders tückisch: Gerade wer meint, sich bei solchen Beschwerden besonders gesund ernähren zu wollen, kommt in einen Teufelskreis. In bestimmten Hülsenfrüchten, in Vollkornprodukten, in Tees, in glutenfreien Produkten, die aus sogenannten Pseudogetreiden bestehen, steckt viel Nickel. Nach deren Verzehr werden die Beschwerden erst richtig schlimm.

Außerdem steckt Nickel in Edelstahltöpfen. Wer darin dann salzhaltige und säurehaltige Speisen kocht, nimmt noch mehr Nickel auf. Dass es Busch so schlecht ging, hatte noch weitere Ursachen: Ihr Körper kann aus genetischen Gründen Histamin nicht gut abbauen, außerdem leidet sie an einer Fruktoseintoleranz und verträgt keine Salicylate. Chemisch stecken diese in Aspirin (Salicylsäue) sowie in der Natur in bestimmten Pflanzen und Beeren.

»Die Umwelt spielt eine entscheidende Rolle. Viele Gifte können beispielsweise aus Duftstoffen, Putzmitteln, Lösungsmitteln oder Konservierungsstoffen in den Körper gelangen. Irgendwann ist es einfach zu viel. Dann reagiert der Körper«, erklärt Busch.

Ähnlich verhalte es sich bei Allergien. Da kann es nur weitaus gefährlicher sein: Kleinste Bestandteile in Lebensmitteln oder aus der Umwelt können bei Allergikern heftige Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock auslösen. Ein Beispiel ist die Nussallergie. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten ist es individueller. Da kommt es auf die Menge an, bis eine Reaktion ausgelöst wird. Meist leiden Menschen aber aus einer Kombination aus beidem und es geht den Betroffenen sehr schlecht.

Sabine Busch weiß mittlerweile, was sie verträgt und was nicht. Nachdem sie die Diagnose hatte, war sie erleichtert: »Ich konnte endlich sagen, was es ist und wurde nicht als verrückt hingestellt.« Darum hat sie zusammen mit der Selbsthilfekontaktstelle des Wetteraukreises eine neue Selbsthilfegruppe gegründet. Diese hat bereits regen Zulauf. »Der Austausch untereinander hilft allen. Jeder kann aus den eigenen Erfahrungen und dem Leidensweg etwas beitragen und damit anderen helfen.« Das sei bei Ärzten nicht immer der Fall. Viele Ärzte würden sich nicht richtig auskennen und hätten kaum Zeit für eine aufwendige Diagnostik. »Darum helfen wir uns am besten selbst.«

Monatliche Treffen

Rund ein Viertel der Deutschen hat in einer Umfrage angegeben, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, weil sie diese nicht vertragen. Nahrungsmittelunverträglichkeit ist ein Thema, das immer mehr Menschen angeht, für das aber Nichtbetroffene oft wenig Verständnis aufbringen. In Nidda hat sich jetzt eine Selbsthilfegruppe gegründet. Verantwortlich für die Nahrungsunverträglichkeit können Stoffe in Lebensmitteln sein, wie Histamin, Fructose, Laktose, Gluten, Glutamat, Sorbit, Nickel, Salicylsäure und andere Stoffe. »Echte Allergien auf Nickel, Hausstaub, Histamin oder Pollen können eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz auslösen oder verstärken«, sagt Sabine Busch. Die neue Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in Nidda. Wo genau, teilt Sabine Busch unter Tel. 0 60 43/9 84 11 60 oder E-Mail an SHGHistamin-Nidda@web.de mit. Das Treffen wird fachlich nicht angeleitet und versteht sich nicht als Therapieersatz.

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