06. Mai 2019, 19:27 Uhr

Weltkulturerbe zum Anfassen

06. Mai 2019, 19:27 Uhr
Eine Kirchenorgel gehört haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 b der Ernst-Ludwig-Schule schon, aber das direkte Erleben hat alle besonders fasziniert. (Foto: hms)

Sie nennen sich »Königskinder«, und sie erkunden die Orgel in der Dankeskirche gründlich. Zusammen mit ihrem Musiklehrer Andreas Ziegler und Kantor Frank Scheffler erarbeiten die 28 Fünftklässler aktuell das Projekt der Deutschen Orgelstraße, das Kindern die »Königin der Instrumente« näherbringen will.

»Das ist mega«: Til klettert ehrfurchtsvoll aus dem kleinen gedrängten Raum in der Orgel, wo er per Hand Hebelchen bedienen durfte, die draußen als Orgelton hörbar wurden. Hinter die Kulissen schauen, anfassen, Töne erzeugen, Funktionen und Begriffe lernen, das alles war faszinierend beim ersten Projekttreffen. Ziegler hatte die Klasse, von denen die meisten bereits ein Instrument spielen, sorgfältig auf diese außergewöhnlichen Unterrichtsstunden vorbereitet. So wussten sie schon, wie die unterschiedlichen Töne in den Pfeifen zustande kommen und wie Flöte oder Trompete auf der Orgel klingen. Scheffler erklärte zunächst den Aufbau der Orgel und der Pfeifen. Begeistert hören sie dem Fernwerk zu und wollten unbedingt auf den Dachboden, wo das Werk untergebracht ist. Wie viel die Pfeifen wiegen, wollten die Kinder wissen und wie das denn mit dem Wind funktioniert habe, als es noch keine Maschine gab. Die große sieben Meter hohe Pfeife wiege ungefähr 100 Kilogramm, meinte Scheffler. Früher hätten Männer mit einem Blasebalg die Luft in die Pfeifen gepumpt. »Pfeifen gleicher Bauart sind ein Register. Es können in einem Register bis zu 20 Pfeifen klingen, wenn man nur einen Ton anspielt«, erklärte er.

Mit den Füßen auf der Orgel

Während die einen ins Innere der Orgel schauten, konnten die anderen die Materialien aus dem umfangreichen Orgelkoffer anfassen oder in dem bebilderten Buch blättern, das den Orgelbau erklärt.

»Für diese Klasse ist es großartig, dass sie nicht nur eine Orgel kennenlernen sondern auch den Bau eines neuen Instruments mitverfolgen können. So wird uns das Thema noch über Jahre begleiten«, freut sich Ziegler. Eine Kirchenorgel gehört haben alle Schülerinnen und Schüler schon, aber das direkte Erleben faszinierte besonders. »So ein großes Instrument hat doch viel zu bieten«, meinte Lotta. Johanna und Rebecca waren schwer beeindruckt, dass man darauf mit den Füßen tanzen kann – Scheffler hatte ihnen zuvor das Pedalsolo aus Bachs Toccata C-Dur vorgespielt. Sie strahlten und fanden es »echt toll«, Königskinder zu sein. »Mich fasziniert, dass man mit einem solch majestätischen Instrument auch Gefühle ausdrücken kann. Das geht echt unter die Haut,« gab Tom zu. Johannes kann sich sogar vorstellen, Pfeifenpate zu werden und durch die Spende einen persönlichen Ton in der neuen Orgel zu bekommen. Denn auch das ist für die 5b klar: »So eine Orgel kostet für sie unvorstellbar viel Geld.« Ziel des Projektes ist es, das immaterielle Weltkulturerbe Orgelbau und Orgelspiel für die junge Generationen lebendig zu machen. So kam auch prompt die Frage: »Wie lange braucht man, um Orgel spielen zu können?«. Da konnte Frank Scheffler, der selbst schon mit drei Jahren beim Vater auf der Orgelbank saß, klar antworten: »Wenn ihr Klavier spielen könnt und intensiv übt, könnt ihr nach ein bis zwei Jahren schon einfache Sachen spielen.« Für die Klasse 5b des Ernst-Ludwig-Gymnasiums heißt es beim nächsten Orgeltreff aber erst einmal, Orgelmusik auf Band aufzunehmen und das Gelernte zu dokumentieren. Das Ergebnis soll im Schaukasten an der Dankeskirche ausgehängt werden.

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