Jeden dritten Donnerstag im Monat ist das Junity fest in der Hand älterer Menschen, die nicht der eigentlichen Zielgruppe der städtischen Jugendeinrichtung entsprechen. Verantwortlich dafür ist das Repair-Café der Ehrenamtsagentur (EAG). Im November 2014 fand es zum ersten Mal statt. Nach fünf Jahren ist es längst zu einer festen Institution geworden.

»Ich freue mich über jedes generationenübergreifende Projekt«, sagt Junity-Leiter Lukas Hölzinger und fügt lachend hinzu: »Und über den leckeren Kuchen natürlich auch.« Die 20 ehrenamtlich tätigen Helfer des Repair-Cafés reparieren nicht nur Elektrogeräte und Fahrräder oder nähen Löcher und offene Nähte von Kleidungsstücken; einige bringen auch frisch gebackenen Kuchen mit. Die gibt es ebenso kostenlos wie die Reparaturen, wobei Spenden willkommen sind.

Die stets bis zu 40 Besucher, die etwas zu reparieren haben, freuen sich über die Kuchentheke ebenso wie die junge Junity-Stammkundschaft, die auch mal beim Auf- und Abbau hilft. Sie freue sich, dass das Repair-Café so gut angenommen werde und sich viele Menschen bereiterklärten, sich ehrenamtlich zu engagieren und ihre Fachkenntnis einbringen, sagt EAG-Vorsitzende Jutta Fenske. Ihre Vorgänger Joachim K. Siebert und Sarah Reichel, damals Leiterin des Caritas-Projekts »SoNAh« (Sozialraumorientierte Netzwerke in der Altenhilfe), hatten damals die Idee zu dem Reparaturprojekt, das schnell zur Erfolgsgeschichte wurde.

Werkzeuge selbst mitgebracht

An mehreren Tischen im großen Saal versuchen die Ehrenamtler, Elektrogeräte aller Art wieder gangbar zu machen. So wie André Kestler. Der 58-Jährige repariert gerade einen Lichterbogen, den Helmut Koller mitgebracht hat. Koller ist nicht das erste Mal im Repair-Café. »Das ist eine sinnvolle Einrichtung - und ich lerne noch was«, sagt Koller. Er unterstützt Kestler bei der letztlich erfolgreichen Reparatur, was beim Repair-Café durchaus gewünscht wird.

Neben Peter Muth (60), der seit dem ersten Repair-Café dabei ist, hat auch Heinrich Musch (74) sein Werkzeug selbst mitgebracht. Der gelernte Elektriker gilt als »Nähmaschinen-Spezialist«. »Ich habe mal in einer Firma gearbeitet, die war Generalvertretung für eine Schweizer Nähmaschinenmarke«, berichtet er und erklärt dann einer Friedbergerin, dass die Thermosicherung des mitgebrachten Adapters durchgebrannt ist. Sein Rat: »wegwerfen und einen neuen kaufen.«

Meistens aber gelingen die Reparaturen, gerade bei älteren Geräten. Peter Muth erinnert sich an ein Röhrenradio aus den 50er Jahren oder an eine »Uhr mit Bienchen«, die er wieder zum Laufen gebracht hat. Derweil repariert Franz Harbich einen Radiowecker, den Helmut Weidemann mitgebracht hat.

Gefragt im Repair-Café sind auch die Künste der Näherinnen, die alle vier Wochen mit ihrer Nähmaschine ins Junity kommen. »Ich habe mal einen langen Reißverschluss in einen Mantel genäht, das war wirklich viel Arbeit«, erinnert sich Katja Weiser, die die Näherei von der Pike auf gelernt hat. »Manchmal nehme ich ein Stück mit nach Hause. Ich kann ja nicht alles, was ich zum Nähen brauche, mitbringen«, sagt die Ockstädterin.

Die Helfer des Repair-Cafés nutzen zudem die Fahrradwerkstatt des Junity. Uwe Bergmann, Herbert Kaufhold und Helmut Guba bilden das »Radschrauberteam«. »Der Uwe ist der Chef, ich bin nur die Hilfskraft«, erzählt Kaufhold lachend. »Man sieht den Helfern, aber auch unseren Besuchern den Spaß an, den sie beim Reparieren haben«, sagt Bärbel König-Guba, die als EAG-Vorstandsmitglied für das Repair-Café verantwortlich zeichnet. Ihr Stellvertreter ist Kurt Kretschmer, der zum Empfangsteam vor dem Saaleingang gehört und den »Neukunden« das Prozedere erklärt. »Die Leute sind uns so dankbar.«

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