14. Februar 2019, 20:38 Uhr

Weg frei für Ärztehaus

14. Februar 2019, 20:38 Uhr
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Von Oliver Potengowski
Eine Entwurfsskizze des Architekten zeigt, wie das Praxisgebäude aussehen könnte. (Grafik: pv)

Ein zentrales Argument für die von Bürgermeister Bertin Bischofsberger favorisierte Bebauung der Brachflächen an der Raiffeisenstraße durch einen Investor war, dass dort Praxisräume für Reichelsheimer Ärzte entstehen sollten. In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch sprach sich das Gremium einstimmig für das Projekt eines Ärztehauses an der Ecke Bad Nauheimer Straße aus.

Die Firma Depant hatte geplant, vier Wohnblöcke auf dem Gelände zu bauen, die auch Raum für Arztpraxen bieten sollten. Als dieses Konzept scheiterte, warnte Bischofsberger, dass damit Ärzte aus der Stadt wegziehen könnten. Der eigene Neubau von Dr. Matthias Hermann gemeinsam mit einem Partner ist dagegen ein klares Bekenntnis zu dem Standort.

 

Bislang in angemieteten Räumen

 

Überlegungen, ein solches Praxisgebäude selbst zu bauen, gab es bei Hermann offenbar schon länger. »Meine Partner haben das nach vier Jahren nicht mehr weiter verfolgen wollen«, erklärte der Reichelsheimer Arzt, der mit zwei Kollegen eine Gemeinschaftspraxis in angemieteten Räumen in der Sudetenstraße in Reichelsheim betreibt. Mit dem Installateur Michael Kessler aus Bindsachsen hat er einen neuen Partner für das Projekt eines eigenen Praxisgebäudes gefunden.

Zusammen hatten sie ihr Projekt eines Gebäudes gegenüber dem Netto-Markt der Stadt vorgestellt und ein Kaufangebot für die benötigte Fläche unterbreitet. Die Stadtverordneten hätten eigentlich darüber abstimmen sollen, das Projekt in den Ausschuss zurück zu überweisen und dort weiter zu diskutieren. Bischofsberger hatte in der Vorlage darauf hingewiesen, dass auf eine Ausschreibung der Gesamtfläche an der Raiffeisenstraße keine Angebote eingegangen seien.

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Nach der Sitzung diskutieren die potenziellen Bauherren Michael Kessler (l.) und Dr. Matth...

»Der Magistrat war der Meinung, er benötigt mehr Informationen«, erläuterte Bischofsberger auf Nachfrage der WZ. »Wir wissen noch nicht genau, was er bauen will.« Zur Stadtverordnetensitzung lagen Entwürfe vor, die ein eingeschossiges Gebäude mit Pultdach mit rund 400 Quadratmetern Grundfläche darstellten. »Das ist eine sehr schemenhafte Skizze«, kommentierte Bischofsberger.

Der Magistrat hatte aber am Dienstag diesen Antrag, die Entscheidung zu vertagen, überraschend von der Tagesordnung nehmen lassen. Stattdessen nahmen die Stadtverordneten einen Dringlichkeitsantrag aller Fraktionen auf, in dem sie dem Bauvorhaben von Hermann und Kessler zustimmten. Auch die dafür nötigen Abweichungen vom Bebauungsplan akzeptierten die Stadtverordneten und beauftragten den Magistrat, diese schnellstmöglich zu beantragen. Ergänzend soll die Ausschreibung für die restlichen Flächen an der Straße abgeändert werden.

Der Beschluss, das Projekt des Praxisgebäudes zu unterstützen, fiel einstimmig in nicht öffentlicher Sitzung. Bischofsberger sagte, dass für eine Genehmigung der B-Plan hinsichtlich der Höhe und der Dachform geändert werden müsse. In diesem Bereich seien zweieinhalbgeschossige Gebäude mit Satteldach vorgesehen. Auch müsse eine Abweichung von der Stellplatzsatzung genehmigt werden, da bei dem Projekt weniger Parkplätze als vorgeschrieben eingeplant seien.

 

Quadratmeterpreis deutlich niedriger

 

Für die Stadt bedeute die Entscheidung zunächst finanzielle Einbußen gegenüber dem Depant-Projekt, da nur ein Drittel des Quadratmeterpreises, den der Investor angeboten hatte, gezahlt würden. Die Vermarktung der Restflächen werde ohne einheitliches Konzept schwieriger. »Wir werden nicht so eine einheitliche Bebauung hinbekommen wie bei Depant«, so Bischofsberger. Dennoch gehe er nicht davon aus, dass die Stadt bei der Vermarktung der übrigen Grundstücke wesentliche Abschläge hinnehmen müsse.

Kessler erklärte, dass mit dem modernen Praxisgebäude sich die Arbeitsbedingungen für die Ärzte und Arzthelferinnen, aber auch die Atmosphäre für Patienten verbessern werde. Durch die neuen größeren und helleren Räume werde dem Patient die Angst genommen, erläuterte Hermann, ganz anders, als wenn er in engen Räumen warte.

Kessler sagte, er habe noch am Abend den Architekten beauftragt, sich mit der Stadt in Verbindung zu setzen. »Im Frühjahr 2020 sollte das stehen, vorausgesetzt, wir kriegen die Baugenehmigung.«



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