13. März 2019, 17:00 Uhr

Unter einem Dach

Was gegen Einsamkeit hilft

Brigitte Mergner ist schon einige Jahre auf der Suche nach dem richtigen Wohnprojekt. Oft seien die Pläne aber gescheitert. An der Politik zum Beispiel.
13. März 2019, 17:00 Uhr
In Brigitte Mergners Vorstellung von Wohnprojekten geht es um Gemeinschaftlichkeit, um die Mischung von Jung und Alt, dass man sich gegenseitig unterstützt, statt Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. (Symbolfoto: dpa)

Die Zeit ist reif, wir müssen mehr zusammenrücken, uns unterstützen. Davon ist Brigitte Mergner überzeugt. »Viele können es sich nicht mehr leisten, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.« Alleinerziehende meint sie zum Beispiel. Oder Senioren. »Ich glaube, man kann Probleme im Zusammenleben gemeinschaftlich lösen.« Sowohl die Pflege der Älteren als auch die Erziehung der Kleinen.

Brigitte Mergner beschäftigt sich schon lange mit gemeinschaftlichem Wohnen. 1983 sind sie, ihr Partner und die Kinder mit zwei anderen Paaren aus Frankfurt in die Wetterau gezogen. Alle sympathisierten sie mit der Idee, in einer Gemeinschaft zu leben – und gingen das Projekt an. Allerdings nur bis 1999. »Wir haben als Hausgemeinschaft Fehler gemacht und viel daraus gelernt«, sagt Brigitte Mergner. Gesprochen worden sei eigentlich nur über Konflikte. Dabei gehe es in einem Wohnprojekt um mehr. Um die gegenseitige Unterstützung, dass man mit seinen Mitbewohnern etwas unternimmt, mit ihnen in Kontakt ist (»Freuden, Sorgen und Nöte teilt«), unabhängig von der Organisation des Alltags und der Frage »Wer kümmert sich um was?«.

»Wohnprojekte werden zu wenig gefördert«

Sie und ihr Partner zogen deswegen aus, sie fanden ein Haus in der Friedberger Altstadt. Für zehn Jahre bleiben wir maximal hier, haben sie sich damals gesagt; in diesem Jahr sind es 20. Doch, erzählt sie, der Auszug ist in Aussicht: In etwa vier Jahren will das Paar wieder zurück in die Stadt; auf dem ehemaligen Uni-Campus im Stadtteil Bockenheim sollen mehrere Wohnprojekte entstehen. Brigitte Mergner und Dieter Fitsch wollen dabei sein.

Dabei wären sie auch in der Wetterau geblieben. Das Problem war eher: »Es hat nicht geklappt.« Zahlreiche Wohnprojekt-Ideen seien nicht umsetzbar gewesen. Da war zum Beispiel der Plan, in der Housing Area in Friedberg eine Gemeinschaft aufzubauen. Das Projekt scheiterte, »aus politischen Gründen«, wie Dieter Fitsch sagt. Die Politik sei ohnehin ein Problem: Wohnprojekte würden zu wenig gefördert. »Es hängt vom politischen Willen ab, ob es in Zukunft eine Stadtplanung gibt, die Kommunikation und aktive nachbarschaftliche Beziehungen architektonisch ermöglicht und die Planung fördert.« Nur in wenigen Städten funktioniere es (siehe Kasten) – in solchen, die gemeinschaftliches Wohnen in ihre Satzung aufgenommen haben.

Architektonische Herausforderung

Es sei ein finanzielles Problem: »Die Städte treiben die Grundstückspreise in die Höhe, Neubaugebiete werden in einen Investorenzirkel gegeben, die Preise steigen«, sagt Brigitte Mergner. Dabei müssten wir aufhören, immer mehr Land zu bebauen – erst recht mit Einfamilienhäusern, sagt sie. »Nebeneinanderstehende Einfamilienhäuser mit Vorgarten sind der beste Weg, um Einsamkeit zu produzieren.«

Gemeinschaftliches Wohnen sei deswegen auch eine architektonische Herausforderung: Das Ziel sei, Gemeinschaftsflächen zu schaffen, Innenhöfe etwa, die Treffpunkte sein könnten. Für Bewohner, aber auch für Außenstehende – denn, das zeige sich an bestehenden Wohngemeinschaften: »Sie strahlen auf die Umgebung ab«, einige haben Cafés, andere bieten Veranstaltungen an.

Vorbereitung für die Gemeinschaftsbibliothek

Eine Gemeinschaftsfläche könne auch eine Bibliothek sein – ein Thema, mit dem sich Brigitte Mergner gerade insofern beschäftigt, als sie Bücher aussortiert. Im jetzigen Zuhause in Friedberg, in dem sie nur zu zweit leben, hat sich über die Jahre eine Menge angestaut. Vor allem Bücher. Und weil sie nicht alle mitnehmen kann, hat sie angefangen, jeden Tag drei auszusortieren. Das Kriterium: »Passt das Buch in eine Gemeinschaftsbibliothek?« Das sei sowieso ein Vorteil von gemeinschaftlichem Wohnen: Man brauche weniger Einrichtungsgegenstände, da man sie teilen könne.

Für den neuen Wohnort in Frankfurt hat sich das Paar übrigens kein Auszugslimit gesetzt. Dort wollen sie bleiben. Bisher sind noch nicht allzu viele junge Leute in der Gruppe. »Viele haben nicht die Zeit, noch drei, vier Jahre zu warten.« Dabei, sagt sie, ist gemeinschaftliches Wohnen gar keine Frage des Alters. »Es gibt viele einsame und kranke Menschen, nur bei den älteren fällt das plötzlich auf.« (Foto: sda)

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