Wetterau

Was die Kriminalitätsstatistik für die Wetterau besagt

Im Wetteraukreis wurde vergangenes Jahr gemordet, betrogen, gestohlen, geprügelt und gedealt. Insgesamt allerdings weit weniger oft als 2016. Die Statistik der Polizei im Überblick.
27. März 2018, 13:10 Uhr
Laura Kaufmann
Wohnungseinbruch diebstahl
Symbolfoto: dpa

 

Weniger Straftaten

Die Wetterau ist sicherer geworden, das geht aus der jetzt veröffentlichten Kriminalitätsstatistik der Polizei für 2017 vor. 11 789 Straftaten wurden registriert, 2016 waren es 12 850. Die Aufklärungsquote lag laut dem Bericht bei 59,3 Prozent, das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2016. Das tatsächliche Ausmaß der Kriminalität im Wetteraukreis wird durch die Statistik nur bedingt abgebildet: Taten, die nicht angezeigt werden, sind im Zahlenwerk nicht berücksichtigt.

 

Brennpunkte

Die meisten Delikte wurden in den größten Städten der Wetterau begangen. Die wenigsten Taten, nämlich 61, wurden 2017 in Kefenrod begangen, allerdings leben in der Kommune im Wetteraukreis auch die wenigsten Menschen. Die Brennpunkte:

  1. 1938 Taten in Friedberg
  2. 1781 Taten in Bad Nauheim
  3. 1385 Taten in Bad Vilbel
  4. 1204 Taten in Butzbach
  5. 612 Taten in Karben
  6. 545 Taten in Nidda
  7. 422 Taten in Rosbach

 

Mord und Totschlag

Die Polizei registrierte im Vorjahr 22 Straftaten gegen das Leben, klärte 21 auf. In zwölf Fällen blieb es beim Versuch. In sieben Fällen wurde jedoch wegen Mordes ermittelt, in zwei wegen fahrlässiger Tötung, in einem Fall wegen Totschlags. Bei einem Familiendrama, das sich im Mai in Echzell ereignet hat, ist weitgehend klar, was passiert ist. Ein Polizist erschoss erst seine Frau, dann vor den Augen von Kollegen sich selbst. Nicht abschließend geklärt ist, was einem Säugling Anfang 2017 in einer Flüchtlingsunterkunft in Altenstadt zugestoßen ist. Das Kind soll von seinem Vater krankenhausreif geschüttelt worden sein. Er streitet die Tat ab, der Prozess hat noch nicht begonnen. Der wohl größte Erfolg der Polizei im vergangenen Jahr: Der mutmaßliche Mörder der 1999 verschwundenen und getöteten Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen wurde gefasst. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, das Verfahren gegen den 41-jährigen Friedrichsdorfer, der gestanden hat, soll demnächst beginnen.

 

Die sechs häufigsten Straftaten

  • 4255 Diebstahlsdelikte. Sie machen 36,1 Prozent der Gesamtkriminalität aus
  • Taten, die im öffentlichen Raum begangen wurden, bezeichnet die Polizei als Straßenkriminalität. Die Statistik erfasst 2515 Fälle 
  • Auf Rang drei folgen Betrugsfälle mit 1960 Fällen, die in der Wetterau angeklagt wurden.
  • Sachbeschädigungen stehen mit 1253 Fälle an vierter Stelle.
  • Körperverletzung folgen mit 1243 angezeigten Fällen.
  • In Sachen Drogenkriminalität (545) ist die Dunkelziffer hoch, da in der Regel weder Käufer noch Verkäufer darauf erpicht sind, ins Visier der Ermittler zu geraten.

 

71 Mal Raub

Die Zahl der Raubüberfälle blieb konstant. Die Polizei hat 71 Taten erfasst – ebensoviele wie 2016. Im September 2017 wurde in Bayern ein 35-jähriger Büdinger festgenommen. Er soll eine Bank in Glauburg-Stockheim, Spielhallen in Gedern, Florstadt und Hungen überfallen haben.

 

Mieser Trick

Ebenfalls weitgehend konstant ist laut Polizei die Anzahl der Betrugsdelikte. 2017 wurden 625 Fälle registriert, zwei mehr als 2016. 87,1 Prozent konnten die Ermittler aufklären. Ein besonderes Phänomen, das gehäuft auftrat: Betrüger riefen ältere Menschen an, gaben sich als Staatsanwälte und Polizisten aus. Sie versuchten die Anrufer dazu zu bewegen, Schmuck, Geld und anderes von Wert herauszugeben. Der Trick flog oft, aber nicht immer auf.

 

Gewalt gegen Polizisten

15 Fälle von Gewalt gegen Polizisten gab es 2016. Nachdem im Sommer 2017 das Gesetz geändert wurde, hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Die Statistik listet 33 Taten auf. Jedoch hat die Zahl wenig Aussagekraft. Früher fanden nur Delikte Eingang in die Statistik, wenn ein Polizist etwa bei Festnahmen angegriffen wurde. Nun werden auch Angriffe bei Streifenfahren oder Unfallaufnahmen erfasst.

 

Diebstahl in allen Facetten

Die Zahl der Ladendiebstähle war rückläufig. Gemeldet wurden 447 Fälle (590 im Vorjahr). Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank von 467 auf 361 Taten. Mit einem Minus von 40 Prozent im Vergleich zu 2016 war der Diebstahl aus Autos ebenfalls rückläufig: 308 Fälle kamen zur Anzeige. Lediglich die Anzahl der Fahrraddiebstähle stieg auf 509 Fälle – 26 mehr als 2016.

Info

Die Herkunft der Täter

Seit wenigen Jahren wird in der Kriminalitätsstatistik der Polizei auf die Nationalität der Täter eingegangen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 5760 Tatverdächtige ermittelt. 3919 davon haben einen deutschen Pass. Insgesamt 486 der aufgeklärten Taten wurden von Ausländern begangen. Als Täter ermittelt wurden 76 Afghanen (im Wetteraukreis leben laut Auskunft der Pressestelle des Kreises aktuell 1563 Afghanen), 45 Algerier (59), 33 Somalis (355), 31 Syrer (2172), 27 Iraker (343), 29 Menschen aus Eritrea (777), 25 Pakistaner (1034), 23 Marokkaner (334), 20 Iraner (393) und 16 Albaner (55). Die Hauptdelikte: Körperverletzung (117 Fälle), Schwarzfahren (95) und Diebstahl (76). Im Wetteraukreis wurden zudem 73 Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz registriert. (lk)

 

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Was-die-Kriminalitaetsstatistik-fuer-die-Wetterau-besagt;art472,409049

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