05. April 2019, 20:21 Uhr

Was Worte nicht ausdrücken können

05. April 2019, 20:21 Uhr

Wer weiß? Vielleicht sang Martin Luther bei seinem Besuch Friedbergs 1521 auch dort mit seiner Laute. Denn der Musik schuf Luther einen großartigen Platz, wie Kantor Ulrich Seeger beim Gesprächskonzert »Von Bachkantate bis Gospel« erzählte. Bei der Veranstaltung, die jetzt in der Burgkirche terminiert war, erfuhren die Zuhörer viel über kirchliche Musik. Sie lauschten dem berührenden Gesang der Dekanatskantorei, sangen aber auch mit.

Moderne Lieder kommen dazu

Mit der Motette »Jauchzet dem Herrn alle Welt« von Felix Mendelssohn-Bartholdy lieferte die Kantorei eindrucksvoll den Auftakt. »Vor eineinhalb Jahren fingen wir an, eine Reihe ›Spiritualität in der Wetterau‹ zu planen«, schilderte Ökumene-Pfarrer Peter Noss vom evangelischen Dekanat. Das Organisatorenteam habe sich gleich gesagt: »Dazu gehört auch die Musik.« Da die Vielfalt groß sei, entstand die Idee zu der Veranstaltung. Der Rosbacher Pfarrer Gerrit Boomgaarden ging auf ein Zitat ein: »Die Bibel ist der Liebesbrief Gottes an die Menschen.« Musik spiele dabei eine Rolle, denn sie wecke Gefühle. Manche Dinge ließen sich nicht aussprechen, sondern nur in musikalischen Tönen umsetzen. Betrachte man die Bibel, fuhr Boomgaarden fort, finde sich dazu viel.

Während der Rosbacher Pfarrer das Gebiet Gospel abdeckte, war Kantor Seeger für den klassischen Part zuständig. Wie Seeger erklärte, habe die Kirchenmusik ihre Quellen im Alten Testament, beispielsweise bei König Salomon.

Im Neuen Testament hingegen spielten die Psalmen eine Rolle, die gesungen werden können. In den Klöstern des Mittelalters bestimmte unter anderem die Musik den Tagesablauf, indem die Mönche die Stundengebete sängerisch umsetzten.

Pfarrer Boomgaarden erinnerte sich, wie er als Jugendlicher zum ersten Mal »Danke für diesen schönen Morgen« hörte. Das habe ihn beeindruckt, denn es war etwas Neues. »Damit kamen immer mehr Lieder, die moderner waren oder aus anderen Ländern stammten.« Dies seien die Gospels und Spirituals gewesen. Wie Kantoreisängerin Barbara Bieler aus Friedberg schilderte, begegnete sie der Kirchenmusik schon früh. »Das Besondere ist, dass das Singen von Chorälen Körper und Seele der Sänger und Zuhörer sensibilisiert.« Sängerin Ilse Etzel aus Friedberg ging auf das burgundische Dorf Taizé ein, das Zentrum eines internationalen Ordens ist. Ein wichtiger Aspekt sei dort die Musik. »Sie bereitet den Weg zum Innehalten, mit sanften Melodien und reduzierten Texten, die von Vertrauen und Liebe handeln.«

Bei dem Gesprächskonzert wechselten Infos und Gesang einander ab. Zu hören war beispielsweise das »Kyrie« des Komponisten Steve Dobrogosz, vorgetragen durch die Kantorei.

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