23. Juli 2019, 20:26 Uhr

Was Muslimen heilig ist

23. Juli 2019, 20:26 Uhr

Im vierten Vortrag der diesjährigen Reihe »Werte in Geschichte und Gegenwart« hat der Bad Nauheimer Theologe Kurt Bangert Werte und Normen in islamischen Gesellschaften dargestellt. Zunächst rief er ins Bewusstsein, dass Zeit- und Kulturkritiker einen konfliktreichen Zusammenstoß zwischen dem vorwiegend islamischen und dem überwiegend christlich bestimmten Kulturkreis nahen oder schon in vollem Gang sehen würden.

Die verschiedenen Vorstellungen von Selbst- und Fremdbestimmung, die unterschiedliche Gewichtung von Glaubenslehre und religiös bestimmter Lebensweise, der Gegensatz zwischen dem islamischen und dem von römischer Tradition bestimmten Recht und die verschiedenartige Prägung einer transnationalen und einer Stammeskultur deuteten an, wie schwierig sich schon die Verständigung zwischen den Menschen der beiden Kulturkreise gestalte. Anhand einer Reihe von Übersichten führte Bangert in die islamische Gedankenwelt ein, in der Glaubens- und Rechtslehre untrennbar miteinander verbunden seien. So verknüpfen die »Fünf Säulen des Islam« den Glauben an die Einzigkeit Allahs und die Bedeutung des Propheten Mohammed sogleich mit den Grundpflichten des täglichen Gebets, der Steuer für die Armen, dem Fastenmonat Ramadan und der Wallfahrt nach Mekka.

Bereitschaft zur Reform

Die Begegnung mit der westlichen Kultur habe die islamische Welt und besonders ihre reformbereiten Denker zur geistigen Auseinandersetzung angetrieben, hieß es weiter in dem Vortrag. Sie gingen davon aus, dass sich der Islam wie jede Religion mit dem Wandel der Denk- und Lebensweisen weiterentwickle. Mit dem Gründer Mohammed seien deshalb die Möglichkeiten neuer Einsichten nicht erschöpft. Im Koran würden diese Wissenschaftler und Reformer ein von Menschen verfasstes Buch sehen, das mit den Methoden historischer Forschung zu interpretieren sei, sagte Bangert. Mit ihrer Hoffnung auf eine zeitgemäße wissenschaftliche Ausbildung muslimischer Geistlicher verbänden sie die Offenheit für ein säkulares Verständnis islamischer Gesellschaften. Solche oft schmerzhaften, für ihre Vertreter möglicherweise gefährlichen Herausforderungen sind nach der Meinung Bangerts unausweichlich und lebensnotwendig für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Weltreligion Islam.

An den Beifall, mit dem sich die große Zuhörerschar beim Referenten bedankte, schloss sich eine rege Diskussion, unter anderem zu Einzelfragen muslimischer Lebensweise in einer anderen Kultur und zu Einsichten und Folgen der Begegnung zweier Religionen und Kulturen in Deutschland.

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