08. Mai 2019, 11:00 Uhr

Muttertag

Was Bad Nauheimer Mütter wirklich vom Muttertag halten

Bald ist es wieder soweit: Floristen und Süßwarenhändler haben zum Muttertag stets Hochkonjunktur – doch ist es wirklich das, was die Mütter sich wünschen?
08. Mai 2019, 11:00 Uhr
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Von Katharina Gerung
»Rosen sind immer noch der ungeschlagene Klassiker, wenn es um ein Geschenk für Muttertag geht«, sagt Natalie Aszakies. Die Mitarbeiterin im Bad Nauheimer Florist Aktuell erwartet Samstag und Sonntag die meisten Geschenkekäufer. (Fotos: kge)

Schon seit einigen Tagen hat die Werbung ein besonderes Thema: Es geht oft mit der Farbe rosa, Herzchen und Blumen einher. Die passenden Produkte dazu riechen meist gut und schmecken überwiegend süß – Muttertag. Mit Nachdruck erinnert die Industrie an diesen Tag, damit am 12. Mai auch niemand mit leeren Händen dasteht. Der Muttertag birgt großes Potenzial für den Handel – jeder ist schließlich das Kind von irgendjemandem. Doch welche Bedeutung hat der Muttertag noch? In Bad Nauheim erzählen Mütter von ihrer Haltung und ihren Erwartungen.

»Wenn man nur einmal im Jahr an die Mutter denkt, ist das armselig!« Waldraut Thamassebi hält vom Muttertag gar nichts. »Das ist doch reine Geschäftemacherei«, sagt die 79-Jährige. Dass ihre einzige Tochter den Muttertag öfter mal vergisst, ist darum weniger schlimm. Sie spricht aber noch einen ganz anderen Punkt an: »Der Vatertag ist mindestens genauso wichtig und wird nicht so hochgespielt.«

Ich lasse mir für Muttertag nichts einfallen. Es sollte ja um mich gehen

Hildegard Schneider
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Für Dani Villy (l.) ist Schwiegermama Hildegard Schneider wie eine Mutter.

Ähnlich sieht es Hildegard Schneider. Sie hat fünf Söhne – für die war der Muttertag nie sonderlich ein Thema. Die 65-Jährige sieht das aber gelassen: Wird was gemacht, freut sie sich. Wenn nicht, auch nicht schlimm. »Ich lasse mir für den Muttertag aber nichts einfallen. Es sollte ja um mich gehen.« Seit Dani Villy einen von Schneiders Söhne geheiratet hat, geht es am Muttertag ab und an zum Frühstücken. »Mindestens schenken wir ihr Blumen«, sagt die 26-jährige Schwiegertochter. »Für mich ist sie auch wie eine Mutter.«

Uschi Becker-Pieh scheint die Lösung für das Muttertags-Debakel zu haben. Die 68-Jährige fährt zu diesem Termin fast jedes Jahr weg. »Ich will meine Kinder damit von der Muttertags-Last befreien.«

 

Blumen von der Wiese

Mildere Worte für den 12. Mai finden junge Mütter. Für die 29-jährige Mia Streifinger ist das Datum in diesem Jahr etwas ganz Besonderes: Am 8. Februar wurde ihr erstes Kind geboren. Feiern will sie trotzdem nicht, auch ihr scheint das Aufheben um den Tag etwas übertrieben. »Ich habe meiner Mutter früher immer Blumen auf der Wiese gepflückt. Das finde ich viel schöner.«

Auch für die 32-jährige Lea Berg ist der kommende Sonntag der erste Mutter-Muttertag. »Schon meine Mutter war vehement gegen diesen Tag«, erzählt sie. »Mittlerweile steht der Kommerz schon auch sehr im Vordergrund.«

Das schönste Geschenk war ein einfaches Glas mit einer Pusteblume

Kristina Möller

Selbstgemachte Geschenke scheinen den Bad Nauheimer Müttern überwiegend die liebsten zu sein. Bei Claudia Egert haben sich davon schon einige angesammelt. Ihre Tochter wird bald neun und bastelt die Muttertagsgeschenke in der Schule. Erwarten würde die 42-Jährige das nicht. Auch wenn sie sich dann trotzdem freut. Sie hat ihrer Mutter immer selbstgepflückte Blumen überreicht. »Das waren immer Maiglöckchen«, erinnert sich Egert.

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Die Freundinnen Sonja Jung (r.) und Kristina Möller halten eher wenig vom Muttertag.

Die Freundinnen Sonja Jung und Kristina Möller halten ebenfalls eher wenig vom Muttertag. »Ich zeige meiner Mutter lieber regelmäßig, dass sie mir wichtig ist«, sagt Jung. Dazu würde auch ein Blumenstrauß abseits des 12. Mai gehören. Jung und Möller haben bereits selbst Kinder im Alter von vier und eineinhalb Jahren. Auch wenn sie die Anerkennung an diesem Tag wertschätzen, auf ein spezielles Programm wollen sie verzichten. Trotzdem freuen sie sich über jedes kleine Geschenk, das ihre Kinder schon selbst basteln können. »Besonders schön fand ich ein einfaches Glas mit einer Pusteblume drin«, erzählt Möller. Sie erinnert sich aber auch an die Klassiker ihrer Kindheit – Gutscheine für frühstückmachen und müllrausbringen: »Ich warte heute noch darauf, dass meine Mutter sie einlöst.«

 

Geschenke, die etwas bedeuten

Die Schülerinnen Martha Geiger und Paula Mertes haben ganz unterschiedliche Meinungen: »Bei uns ist der Muttertag quasi nicht vorhanden«, sagt die 18-jährige Geiger. Darum würde auch für dieses Jahr nichts anstehen. »Meine Mutter hat das irgendwann einfach so entschieden.« Nicht ganz so leicht abspeisen lässt sich Mertes: »Ich backe schon ab und an Kuchen, decke den Tisch und pflücke Blumen«, erzählt die 17-Jährige. »Meine Mutter hat sogar noch ein Gedicht von mir an der Wand«, erzählt sie gerührt. »Das ist schon schön, wenn man sieht, dass das etwas bedeutet.«

Info

Wo kommt der Muttertag her?

Der Muttertag in seiner heutigen Form hat amerikanische Wurzeln. Im Jahr 1865 versuchte Ann Maria Reeves Jarvis die Mütterbewegung »Mothers Friendships Day« zu gründen. Von ihr stammten auch die »Mothers Day Meetings«, bei denen sich Mütter zu aktuellen Fragen austauschen konnten. Die Bewegung verbreitete sich schnell: 1912 wurde eine »Mother’s Day International Association« gegründet, um den Tag international bekannt zu machen. Im Vereinigten Königreich wurde das Konzept am schnellsten angenommen, 1917 erreichte es dann die Schweiz, 1918 Finnland und Norwegen, 1919 Schweden, 1923 Deutschland und 1924 Österreich. (kge)



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