28. Januar 2019, 09:35 Uhr

Kaufhaus Joh

Warum sich der Baubeginn am ehemaligen Kaufhaus Joh verzögert

Will 3V Invest das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg schon wieder verkaufen? Nein, heißt es aus München. Derzeit laufe jedoch eine wichtige Prüfung.
28. Januar 2019, 09:35 Uhr
Geht da noch was? Oder soll das so bleiben? Bei so manchen Friedbergern herrscht Skepsis, ob ins ehemalige Kaufhaus Joh bald wieder geschäftiges Treiben einzieht. Der Münchner Investor geht von einer Eröffnung Ende 2020 aus. (Foto: Nici Merz)

Das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg hat gegenüber anderen Liegenschaften einen Vorteil: Es liegt an zentraler Stelle, direkt am Elvis-Presley-Platz. Das bringt aber auch einen Nachteil mit sich: Es fehlen Pkw-Parkplätze. Arztpraxen, Kanzleien oder ein Fitnessstudio, die hier einziehen könnten, sind auf Parkplätze angewiesen. Dieses Dilemma ist auch im Rathaus bekannt: »In unmittelbarer Nähe zum Kaufhaus Joh gibt es keine Möglichkeiten, zusätzliche Parkplätze zu schaffen oder bereitzustellen«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Bei einer anderen als der vorgesehenen Nutzung als Kaufhaus müssten Parkplätze auf dem Gelände nachgewiesen werden.

Spricht man mit den Anwohnern, gibt es schon eine Idee, wie dieses Problem zu lösen wäre: mit einem Parkhaus im Tiefgeschoss, wo bis vor fünf Jahren ein Rewe-Markt untergebracht war. »Wir prüfen, ob eine Tiefgarage möglich ist«, sagt Rainer Damaschke, Geschäftsführer des Bauentwicklers 3 V Invest aus Grünwald bei München. »Das würde funktionieren«, ist sich Damaschke sicher. Die Zufahrt würde über Haagstraße und Färbergasse erfolgen, wo eine Rampe nach unten gebaut werden müsste. 40 Pkw-Stellplätze würden entstehen. Eine Arztpraxis, die sich ins Haus einmietet, benötige zehn bis 15 Plätze. Damaschke: »Das würde die Stellplatzproblematik vereinfachen.«

 

Für drei Geschosse bereits Mieter

Mit einer Tiefgarage könnten die Eigentümer, die das Gebäude vor zwei Jahren von der britischen Edinburgh-House-Gruppe erwarben, weitere Gewerbeflächen vermieten. Bislang läuft die Vermietung offenbar eher schleppend. »Wir hätten für drei Geschosse feste Mieter, bei zweien hängen wir in der Luft.« Rund 8000 Quadratmeter Gewerbefläche stehen zur Verfügung. Da noch keine Verträge unterschrieben sind, gibt sich Damaschke bedeckt, wer hier einmal einziehen könnte. Ein Lebensmittelmarkt ist nach wie vor im Gespräch, ein Bekleidungsgeschäft mit Ankerfunktion steht ganz oben auf der Wunschliste. Im Obergeschoss sehen die Pläne eine Gastronomie mit Dachterrasse vor. Die Gäste hätten einen atemberaubenden Blick über die Dächer der Stadt – wenn die Restaurant-Pläne verwirklicht werden.

 

Bankfiliale im Erdgeschoss?

Die Friedberger betrachten die Pläne für das Kaufhaus Joh mit zunehmender Skepsis. Das jüngste Gerücht, das die Runde machte: Der Investor wolle schon wieder verkaufen. Damaschke dementiert das. »Es gibt keinen Käufer, der auf der Matte steht.« Es gebe aber regelmäßig Gespräche und auch Begehungen mit potenziellen Mietern. Dazu zähle auch eine »große heimische Bank«, die im Erdgeschoss ihre Filiale und im Obergeschoss Büroräume einrichten wolle. Da kämen schnell Gerüchte auf. »Es gab Anfragen über eine Kooperation. Auch gab es Kaufanfragen«, sagt Damaschke. In der Immobilienbranche sei das nicht ungewöhnlich, schmunzelt er: »Uns wurden im letzten Jahr drei Objekte zum Kauf angeboten, die uns über Tochterfirmen selbst gehören.« Momentan denke man nicht über Verkauf nach.

Das Problem bei der Vermietung sei neben fehlenden Parkplätzen auch die enorme Baukörpertiefe. Bei einer Aufteilung der oberen Geschosse in kleinere Einheiten, für Arztpraxen oder Anwaltskanzleien, müssten Lichthöfe und Belüftungen eingebaut werden, was eine Änderung des Bebauungsplans zur Folge hätte. Fluchtwege müssten ausgewiesen, behindertengerechte Zugänge geschaffen werden. »Daran arbeiten Architekten und Gutachter.« Die Baustelle sei »nicht ganz einfach«, sagt Damaschke. Bauen im Bestand sei stets kompliziert.

 

Fertigstellung für Ende 2020 geplant

Der Bauantrag wurde im Spätsommer eingereicht, der Bebauungsplan wurde kurz vor Weihnachten rechtskräftig. Einen exakten Zeitplan, wann die Sanierungsarbeiten beginnen, kann Damaschke noch nicht nennen. »Es gibt noch einiges zu tun, etwa bei den Brandschutzauflagen. Auf das Gutachten des Statikers wartet man auch vier Monate, das geht nicht von heute auf morgen.« Damaschke ist aber zuversichtlich, dass »wir Mitte des Jahres mit dem Bauen anfangen und das Gebäude dann Ende nächsten Jahres fertig ist.«

 

Kommentar

(Un-)Geduld

Von Jürgen Wagner

Gut Ding will Weile haben, sagt man. Für die Geschäftsleute auf der Kaiserstraße ist das kein Trost. Ihnen fehlt ein Magnet, der Kunden in die Stadt zieht. Das leere Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Joh mit dem grauen Bauzaun vor der breiten Fensterfront wirkt nicht sonderlich einladend. Und je länger der Stillstand andauert, desto lauter werden die Stimmen derer, die dem ganzen Unternehmen keine Chance einräumen und die Einkaufsstadt kurzerhand für tot erklären. Um sich dann an den PC zu setzen und im Internet Klamotten zu bestellen, die von Paketdiensten angeliefert werden, welche die Straßen verstopfen. Dabei haben gerade die familiengeführten Läden in Friedberg immer noch viel zu bieten – vom Sortiment bis zur Kundenberatung. Und sollte die Hose doch nicht passen, kann man sie vor Ort umtauschen und muss sie nicht mit dem Paketdienst zurückschicken, woraufhin sie dann – wie große Mengen anderer Neuware – vernichtet wird. 

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