25. Februar 2019, 17:00 Uhr

Führerscheinprüfung

Warum immer mehr Fahrschüler durchfallen

Die falsche Antwort gewählt, das Stoppschild übersehen, die Vorfahrt ignoriert: Fahranfänger fallen vermehrt sowohl bei der theoretischen als bei der praktischen Prüfung durch. Woran liegt das?
25. Februar 2019, 17:00 Uhr
Welche Antwort ist die richtige? Immer mehr Fahranfänger machen bei der theoretischen Führerscheinprüfung zu viele Fehler. Die Prüfung ist in den vergangenen Jahren umfangreicher geworden – aber nicht schwerer, sagen Experten. (Fotos: Marion Müller)

Bei mehr als zehn Punkten ist Schluss. So viele Fehler dürfen Fahrschüler in der theoretischen Führerscheinprüfung machen. Wer mehr hat, besteht nicht. Das passiert Prüflingen immer häufiger. In den vergangenen zehn Jahren ist die Durchfallquote bei theoretischen und praktischen Führerscheinprüfungen in Hessen ständig gestiegen. Laut TÜV Hessen haben 2017 31,4 Prozent der Prüflinge die theoretische Prüfung nicht bestanden, 2007 waren es noch 24 Prozent Bei der praktischen Prüfung sind 2017 23 Prozent durchgefallen, 2007 waren es 19,3 Prozent.

Genaue Zahlen für den Wetteraukreis gibt es nicht, doch Frank Dreier von der Fahrschule S. Dreier in Bad Nauheim bestätigt: »Die Durchfallquoten steigen, die Statistiken lügen nicht.«

Warum das so ist, darüber können Experten nur spekulieren. Uwe Herrmann, Leiter der technischen Prüfstelle für den Kfz-Verkehr bei TÜV Hessen, auch zuständig für den Wetteraukreis, sagt: »In der theoretischen Prüfung ist der Anstieg unseres Erachtens nach auf eine Verschiebung der Interessen zurückzuführen.« Die Jugendlichen interessierten sich mehr für das Internet und ihr Smartphone als für Autos und die darin verbaute Technik. »Die meisten 15-Jährigen schrauben in ihrer Freizeit nicht mehr an Mopeds rum«, sagt Herrmann.

 

Höhere Anforderungen in den praktischen Prüfungen

Seit 2009 wird die theoretische Führerscheinprüfung im Wetteraukreis am PC statt auf Papierfragebögen abgelegt. Außerdem sind inzwischen Videosequenzen in die Prüfung eingebaut. »Die Prüfungen sind dadurch nicht schwerer geworden, der Fragenkatalog ist aber weiterentwickelt worden«, sagt Herrmann. Allerdings sei die Verkehrsdichte angestiegen und die Anforderungen in den praktischen Prüfungen dadurch tatsächlich höher.

Viele Schüler denken, sie machen die Prüfung mal eben so nebenbei

Susanne Jost, Fahrschulsekretärin

 

Dreier nennt gestiegene Anforderungen als Grund für die höheren Durchfallquoten. Er sagt, dass die Jugend heute ein anderes Verhältnis zum Straßenverkehr habe, der Führerschein sei nicht mehr so wichtig. »Es gibt aber auch mehr Bewerber mit Migrationshintergrund, die zum Teil auch sprachliche Probleme überwinden müssen.«

»Von zehn Schüler, die die Theorieprüfung machen, besteht manchmal nicht mal die Hälfte«, sagt Susanne Jost von der Fahrschule Jost, die in Friedberg und Bad Nauheim ausbildet. Aus ihrer Sicht hat sich das Lernverhalten verändert. »Die Schüler lernen heute selbstständig, per App am Smartphone oder auf dem PC zu Hause. Kaum jemand kommt mehr außerhalb der Theoriestunde zum Lernen in die Fahrschule.« Dabei könnten die Fahrlehrer und Sekretärinnen hilfreiche Tipps geben. »Früher musste vor jeder Theoriestunde ein Fragebogen ausgefüllt werden, der dann in der Stunde durchgegangen wurde.«

 

Führerschein wird zur Nebensache

Die Jugendlichen seien oft von morgens bis abends in der Schule, dazu kämen zahlreiche Freizeitaktivitäten. »Viele Schüler nehmen die Prüfung zu locker und denken, sie machen sie mal eben so nebenbei. Aber für die Theorieprüfung muss man wirklich lernen.« Doch das komme nicht bei allen an. »Ein Lehrbuch, in dem man die Inhalte noch mal nachlesen kann, kaufen nur noch 10 bis 15 Prozent der Fahrschüler.«

Der TÜV Hessen sei durch die Trennung von Ausbildung und Prüfung nur bedingt in der Lage, dem Trend direkt entgegenzuwirken. »Wir können schlecht unsere Anforderungen reduzieren«, sagt Herrmann. Man arbeite daran, auch für die praktische Prüfung eine Validierungsmöglichkeit zu schaffen, die für die Ausbildung bessere Hilfestellungen ermögliche. »Die Prüfer versuchen darüber hinaus immer auf die Persönlichkeiten der Prüfungskandidaten einzugehen und Prüfungsängsten gerecht zu werden.«

Info

Vom Papier zum PC

Zum 1. Januar 2010 haben alle Bundesländer die theoretische Führerscheinprüfung am PC eingeführt. Die Umstellung sollte dazu dienen, junge Fahranfänger noch besser auf das reale Verkehrsgeschehen vorzubereiten und die Qualität durch mehr Abwechslung verbessern. In einem zweiten Schritt kamen neue Fragen und Formate wie die Videosequenzen hinzu. 

 

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