09. April 2019, 20:27 Uhr

Warum billige Ananas Costa Rica gefährden

09. April 2019, 20:27 Uhr
Heribert Becker (r.), Ausschussvorsitzender des Vereins Tropica Verde, erklärt die Zustände in Costa Rica. (Foto: pv)

»Ananas und Bananen aus Costa Rica? Ja, aber ökologisch angebaut und fair gehandelt!« Das war eine Empfehlung, die Heribert Becker, Ausschussvorsitzender des Vereins Tropica Verde, bei einem Vortrag im Weltladen den Zuhörerinnen und Zuhörern für ihren nächsten Einkauf mitgab. Denn Tausende Hektar kostbare Wälder würden in Costa Rica zerstört, um den multinationalen Ananasfarmen Platz zu machen. Dort werden nach seinen Ausführungen etwa 60 Prozent der Weltmarktmenge produziert. Derzeit fänden sich bei Discountern Ananas als Sonderangebote für einen Euro. Wie ein Land und die multinationalen Konzerne diese Früchte so billig produzieren könnten, sei klar: in nur 15 Jahren wurden in Costa Rica 725 000 Bäume zur Anlage riesiger Monokulturen gefällt. Jede Ananaspflanze bilde nur zwei Früchte über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten, dafür brauche sie viel Dünger und Pestizide gegen Schadinsekten.

Becker ist nach Costa Rica gereist, um solche Plantagen zu besichtigen. Das konnte er, wie er sagte, nicht. Starke Bewachung habe eine Besichtigung unmöglich gemacht. Dafür würden die Produktionsmethoden in modernen Infozentren »aufgehübscht und verharmlost«.

Land voller Gegensätze

Costa Rica habe, so Becker, erhebliche ökologische und soziale Probleme durch die Ananasindustrie – und bei den Bananen verhalte es sich ähnlich. Demgegenüber gebe es aber auch Betriebe, die nach ökologischen und Fairtrade-Standards arbeiteten. Das bedeute einen höheren Arbeitsaufwand und somit einen höheren Preis der Frucht im Laden. Letztlich entscheide der Kunde in Deutschland durch die Kaufentscheidung, ob Costa Rica weiter ökologisch zerstört werde oder ob durch nachhaltig angebaute und gehandelte Früchte Mensch und Umwelt besser geschützt werden.

Becker wusste von einem Land voller Gegensätze zu berichten: Über 30 Prozent der Fläche Costa Ricas stünden als »Hotspots der Artenvielfalt« unter Naturschutz. Dazu bestehe eine stabile Demokratie. Das veranlasse Tropica Verde Artenschutzprogramme mit einheimischen Naturschützern durchzuführen. Dazu gehören Schutz des Aras oder Wiederaufforstungen zur Anlage biologischer Korridore, in denen Tier- und Pflanzenarten ungefährdet existieren können. Neben dem Ökotourismus gewinnt allerdings der Massentourismus zunehmend an Boden, was wiederum zu höherem Umweltstress führe.

»Bad Nauheim – fair wandeln« und der Weltladen engagieren sich seit Jahren im Regenwaldschutz. So wurden über Zertifikate Regenwaldflächen erworben und vor der Rodung bewahrt. Die Spenden der Veranstaltung sollen Tropica Verde für Projekte in Costa Rica zur Verfügung gestellt werden.

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