28. Juli 2017, 13:00 Uhr

Interview

Warum Brass Bands einen unverwechselbaren Sound haben

Die Brass Band Hessen spielt am Samstag, 5. August, um 16.30 Uhr im Jugendstiltheater Bad Nauheim. Im Interview spricht Dirigent Hans-Reiner Schmidt über die Faszination des Brass-Sounds.
28. Juli 2017, 13:00 Uhr
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Aus der Redaktion
Wollen den »Virus« unter den Bad Nauheimer Konzertbesuchern verbreiten: die Mitglieder der Brass Band Hessen. (Fotos: pv)

Wie sind Brass Bands eigentlich entstanden?

Hans-Reiner Schmidt : Die ersten Brass Bands entstanden im 19. Jahrhundert als Werkskapellen in englischen Kohlebergwerksgebieten sowie in der Heilsarmee. Während die Bergwerksbetreiber sich aus der musikalischen Betätigung vor allem gesundheitliche Mehrwerte für die geschundenen Lungen ihrer Arbeiter erhofften, stand bei der Heilsarmee das Musizieren zur Ehre Gottes im Fokus.

Mittlerweile scheint es eine echte Szene zu geben.

Schmidt: Das stimmt. Die Brass-Band-Szene ist mittlerweile vor allem in Skandinavien, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden und natürlich den britischen Inseln »durchorganisiert« – vergleichsweise mit einem Ligabetrieb von der Kreisliga bis zur Champions League mit Wettbewerben auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

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Hans-Reiner Schmidt

Schmidt: Zur Band gehören nicht nur die Musiker, die gerade im entsprechenden Konzert auf der Bühne sitzen. Die Besetzung rekrutiert sich aus einem größeren Pool an Musikern, sodass wir auch auf Ausfälle reagieren können. Zudem sind Musiker und da insbesondere Blechbläser gut untereinander vernetzt, sodass wir immer wieder Spieler als Aushilfe ansprechen können.

Sie spielen jedes Jahr mindestens ein neues Programm. Wie entstehen die ? Und gibt es überhaupt genügend Komponisten, die Stücke für Brass Bands schreiben?

Schmidt: Die Programme verantworte ich als künstlerischer Leiter der Band. Hierzu greife ich zunächst auf die reichhaltige Literatur für Brass Bands zurück, die übrigens jedes Jahr mehr und mehr wächst. Außerdem bin ich immer wieder auf der Suche nach musikalischem Repertoire, das noch nicht für Brass Bands bearbeitet wurde. Wenn mich dann ein Stoff oder Melodie begeistert, mache ich mich selbst ans Werk und schreibe das Material passend für meine Band.

Gibt es eine Leitidee, der Sie bei der Programmerstellung folgen?

Schmidt: Da die Szene und ihr Publikum noch nicht so alt sind, kommt es für mich darauf an, dass der Mix im Konzert zwischen original und originell eher ausgewogen ist.

Lassen sich Brass Bands aufgrund der Kompositionen und/oder Instrumentenzusammensetzung gegenüber anderen Blasorchestern unterscheiden?

Schmidt: Die Besetzung einer Brass Band ist einmalig. Einige Instrumente – wie Es-Althörner und Baritones – kommen in der eingesetzten englischen Bauweise in keiner anderen Orchesterform zum Einsatz. Diese beiden Instrumente entstammen wie auch alle anderen Blasinstrumente der Brass Band der Saxhorn-Familie. Durch den registerhaft ineinandergreifenden Klang von Kornetten bis hin zur Tuba, bekommt man einen großen, warmen, wuchtigen und manchmal auch strahlenden Klang. Eben einen unverwechselbaren Sound.

Es sind trotzdem oftmals die gleichen Stücke...

Schmidt: Die Literatur für Brass Bands gibt es häufig auch für andere Besetzungen wie sinfonische Blasorchester oder Fanfarenorchester – wobei sie immer deutlich erkennen werden, wenn das Werk von einer Brass Band gespielt wird.

Es gibt hierzulande eine große Anzahl von Blasorchestern, die Zahl von Brass Bands erscheint dagegen überschaubar. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Schmidt: Die Brass-Band-Bewegung in Deutschland ist noch vergleichsweise jung, wächst dafür aber schnell. Die älteste Brass Band Deutschlands hat gerade erst ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Als wir 2008 unsere Gruppe gründeten, waren in Deutschland noch keine 20 Bands auf der Landkarte zu finden, mittlerweile ist die 50er-Schwelle überschritten. Gerade erst wurde ein bundesweiter Dachverband ins Leben gerufen.

Info

26 Blechbläser, vier Schlagzeuger

Die Brass Band Hessen feiert 2018 ihr zehnjähriges Bestehen. Die 26 Blechbläser und vier Schlagzeuger werden am Samstag, 5. August, um 16.30 Uhr im Jugendstiltheater Bad Nauheim auftreten. Gespielt werden Werke klassischer Musik von Komponisten wie Gustav Mahler, Franz Liszt und Gioachino Rossini, aber auch zeitgenössische Musik von Peter Graham, Paul Lovatt-Cooper, John Williams (Star Wars) und Mike Batt. Eintrittskarten sind im Vorverkauf erhältlich in den Vorverkaufsstellen der Wetterauer Zeitung in Bad Nauheim und Friedberg oder in der Tourist Information Bad Nauheim. Weitere Informationen sind zu finden auf der Homepage des Fördervereins sinfonische Musik unter www.sinfonie-badnauheim.de. (pm)



 

 



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