02. Januar 2019, 22:23 Uhr

Vortrag über Beziehung von Muslimen und Christen

02. Januar 2019, 22:23 Uhr
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Aus der Redaktion

In einer Versammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sprach kürzlich die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Hartmann aus Bad Nauheim über »Die Schriftbesitzer – Toleranz und Gewalt gegenüber Juden und Christen im Islam«.

Hartmann erläuterte dabei unter anderem die widersprüchliche Bedeutung des Begriffs »Dschihad«, der einerseits ein »Sich-Abmühen« und »gottgefällige Anstrengung« bedeuten kann, andererseits aber als »Kampf gegen die Ungläubigen« verstanden wird – bis hin zum islamistischen »revolutionären Kampf« gegen die westliche Zivilisation, Israel und die USA.

Diese ungewöhnliche Feindschaft bestimmter islamistischer Gruppen und Länder war dem Islam über weite Strecken seiner Geschichte fremd. Zwar galten Juden und Christen stets als »irregegangene« Vorläufer der »wahren« Religion des Islam, aber schon die »Gemeindeordnung von Medina« (623) lässt »den Juden ihre Religion und den Muslimen die ihre«. Diese zunächst nur angedeutete, aber von dem Propheten (gewaltsam) widerrufene Duldung hat sich in den folgenden Jahrhunderten dennoch bestätigt. Unter der Bedingung, als »schutzbefohlene« Schriftbesitzer eine Kopfsteuer zu zahlen, wurde Juden und Christen der Schutz ihres Lebens, ihres Glaubens, ihrer Freiheit und ihres Eigentums zugesichert. Mehr noch: jüngste Studien beweisen, dass etwa auch christliche Feste von Muslimen mitgefeiert wurden.

Freilich war diese Toleranz nur möglich durch die »Nonchalance« der jeweils herrschenden muslimischen Machthaber und begünstigende politische Situationen. Erst nach dem Höhepunkt der auch von Christen und Juden geförderten islamischen Eroberungen nahmen Steuerlast und bedrückende Vorschriften zu. Durchgängig intolerant verhielten sich Muhammad und die Muslime gegenüber den »Heiden«, deren polytheistische Vorstellungen Allah andere Mächte an die Seite stellen, »Teilhaberschaft« an seiner Macht beanspruchen. Als »Vielgötterei« klagen in der heutigen Zeit kämpferische konservative Religionsgelehrte des Islam Werte an, wie »parlamentarische Demokratie, die Menschenrechte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und den Trinitätsglauben der Christen«.

Es bleibe viel zu tun, so die abschließenden Überlegungen des sachkundigen und überzeugenden Vortrags, an Bemühungen um Aufklärung, Verständigung sowie eindeutige und mutige Klarstellungen.



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